Kontrollorgan: Der Verwaltungsrat der Sparkasse Dachau wird in Kürze zusammengestellt.
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Kontrollorgan: Der Verwaltungsrat der Sparkasse Dachau wird in Kürze zusammengestellt.

Verwaltungsrat der Sparkasse

Feilschen um begehrte Sitze

Die Kommunalwahlen sind vorbei, die neue Wahlperiode für Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte beginnt. In den ersten Sitzungen gilt es die Vertreter der Fraktionen für Aufsichtsgremien und Beiräte zu bestellen, darunter auch die Mitglieder des Verwaltungsrats der Dachauer Sparkasse. Die Mitgliedschaft ist begehrt.

VON BERNHARD HIRSCH
UND NIKOLA OBERMEIER

Dachau – Der neue Kreistag des Landkreises Dachau bestimmt in den nächsten Wochen die Besetzung der Ausschüsse und verschiedener Gremien – darunter der Verbandsversammlung der Sparkasse. Deren Mitglieder wählen wiederum den Verwaltungsrat (siehe Kasten).

Das Interesse an einem Sitz in diesem Gremium ist unter den Kreisräten groß, nicht zuletzt wohl deshalb, weil die Verwaltungsräte der Sparkasse Dachau die höchsten Vergütungen aller Ratskollegen im Großraum München erhalten: 207 000 Euro für elf Mitglieder waren es im Jahr 2018. Allerdings steigen in diesem Jahr die fachlichen Anforderungen an die Verwaltungsräte.

Zehn Mitglieder umfasst der Verwaltungsrat. Landrat Stefan Löwl ist als Vorsitzender kraft Amtes gesetzt. Sechs Mitglieder werden durch die Verbandsversammlung der Sparkasse bestimmt, drei weitere aus dem Bereich der Wirtschaft ernennt die Regierung von Oberbayern. An den Sitzungen teilnehmen darf der erste Stellvertreter des Landrats.

Die Hauptaufgabe des Verwaltungsrates ist die Überwachung der Geschäftsführung des Sparkassenvorstands. Dafür erlässt er Richtlinien und eine Geschäftsanweisung. Der Verwaltungsrat bestimmt auch die Bestellung der Vorstände und ist bei größeren Kreditgeschäften eingebunden, denen er zustimmen muss.

Die Kandidaten müssen besonders qualifiziert sein. So verlangt das Sparkassengesetz, dass „nur solche Personen bestellt werden [dürfen], die besondere Wirtschaftskunde und Sachkunde besitzen sowie bereit und geeignet sind, die Sparkasse und ihre Aufgaben zu fördern“. Wie Landrat Löwl mitteilt, wurden diese Anforderungen durch eine aktuelle Anweisung des Bayerischen Innenministeriums verschärft. Verwaltungsräte müssen entweder eine einschlägige Berufserfahrung oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium vorweisen. Eine Tätigkeit in der kommunalen Selbstverwaltung, z.B. als Bürgermeister, werde ebenfalls akzeptiert. Das Sparkassengesetz sieht auch vor, dass die zu berufenden Mitglieder „tunlichst allen Berufsständen entnommen werden“.

Diese Voraussetzung ist bei den aktuellen Mitgliedern des Verwaltungsrates nur bedingt erfüllt. So sind fünf amtierende oder ehemalige Bürgermeister vertreten, dazu ein Bezirkstagspräsident und als Stellvertreter des Landrats ein weiterer Bürgermeister. Erstaunlich ist, dass als Vertreter der Wirtschaft mit Alt-Landrat Christmann und dem ehemaligen Dachauer Oberbürgermeister Peter Bürgel zwei Juristen und Ex-Politiker bestimmt wurden.

Löwl begründet diese Auswahl damit, dass er und Dachaus OB Florian Hartmann vor sechs Jahren neu in den Verwaltungsrat gekommen seien und durch die Bestellung von Christmann und Bürgel Kontinuität und Wissen im Verwaltungsrat gesichert werden konnten. Ob die beiden auch jetzt wieder der Regierung zur Ernennung vorgeschlagen wurden, wollte Löwl nicht sagen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Manfred Berndt dem Verwaltungsrat wieder angehören wird.

In Bezug auf die Besetzung des neuen Rats wird auch erwartet, dass Dachau, Altomünster und Indersdorf wieder ihre Bürgermeister entsenden werden. Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech soll wieder Stellvertreter des Landrats werden.

Dies wollte Löwl jedoch nicht bestätigen, ebenso wenig, dass die Kreistagsfraktion der CSU ihre bisherige Fraktionsvorsitzende Stephanie Burgmaier und den Karlsfelder Bürgermeister Stefan Kolbe als Kandidaten für den Verwaltungsrat auserkoren habe. Während Kolbe als Bürgermeister Erfahrung in Finanzfragen mitbringt, gilt die Auswahl von Burgmaier als mutig. Die 38-Jährige aus Sulzemoos hat Politische Wissenschaften studiert, arbeitet als Mitarbeiterin im Büro eines Bundestagsabgeordneten und ist seit 2014 Mitglied des Kreistages. Landrat Löwl weist darauf hin, dass die Vorschläge der Fraktion bisher nicht in Bezug auf die Qualifikation der Bewerber überprüft wurden.

Fraglich ist auch, ob die CSU den Anspruch auf zwei Sitze für einfache Mitglieder – bisher Josef Mederer und Wolfgang Offenbeck – halten kann. Denn auch die Grünen erheben nach den Kommunalwahlen, aus der sie als zweitstärkste Fraktion hervorgegangen sind, einen Anspruch auf einen Sitz. Die Fraktionsvorsitzende Marese Hoffmann schränkt jedoch ein, dass die Anforderungen so hoch seien, dass aus den Reihen der Grünen nur ein Kandidat in Frage komme: Achim Liebl, der als studierter Informatiker, langjähriger Geschäftsführer einer Software-Firma und selbstständiger Unternehmensberater die nötigen Kompetenzen mitbringe, „alle anderen scheiden aus aufgrund mangelnder Kompetenz“. Es werde überhaupt schwierig, das Gremium adäquat zu besetzen – bei einem Blick auf die Reihen der gewählten Kreispolitiker, sagt Hoffmann.

Auch die SPD hat seit vielen Jahren einen Vertreter im Verwaltungsrat: Heinz Eichinger hatte den Sitz seit 2008 inne, nun scheidet er aus. Harald Dirlenbach, Vierkirchens Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag, sagt, dass die SPD ebenfalls ein Mitglied für die Verbandsversammlung vorschlagen werde: nämlich ihn selbst. Er sei von der Fraktion gewählt worden, sollte er bestätigt werden, bleibe abzuwarten, ob die Mitglieder ihn auch für den Verwaltungsrat wählen. Unter anderem vor dem Hintergrund, dass Vierkirchen einige Großprojekte geschultert habe, sieht sich Dirlenbach sich in der Lage, den verschärften Voraussetzungen gerecht zu werden.

Löwl sagt auch, dass der Verwaltungsrat als Ganzes in der Lage sein müsse, den Vorstand der Sparkasse zu kontrollieren. Die Mitglieder könnten und würden unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, die auch die politischen Interessen des Trägers abbilden und dem öffentlichen Auftrag der Sparkasse gerecht werden würden.

Auf die Frage, warum eine Tätigkeit als Verwaltungsrat für so viele so lukrativ erscheint, antwortet Löwl: „Es ist ein sehr spannendes Gebiet. Sie bekommen Einblicke in die wirtschaftliche Situation der Region, die sie auch für die lokale Wirtschaftspolitik nutzen können.“ Dass die elf Verwaltungsräte 2018 eine Aufwandsentschädigung von zusammen 207 000 Euro erhielten, erwähnt Löwl in diesem Zusammenhang nicht. Dafür ist es ihm wichtig zu betonen, dass Dachau seit 2014 in Bezug auf den wirtschaftlichen Erfolg die Nummer eins der Sparkassen in Bayern sei. Dies sei auch ein Verdienst des Verwaltungsrates.

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