In der Karlsfelder Traglufthalle kam es im Dezember 2015 zu einer Schlägerei, in die Sicherheitsmänner verwickelt waren.

Vorstrafen waren nicht bekannt

Schlägerei in Traglufthalle - Hells Angel als Security?

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Sicherheitsleute und Asylbewerber prügeln sich in der Karlsfelder Traglufthalle - jetzt kommen brisante Details ans Licht. Die Securitys waren vorbestraft - einer soll den Hells Angels angehören. 

Dachau/Karlsfeld– In Flüchtlingsunterkünften kommt es zu Schlägereien zwischen Asylbewerbern, aber auch Sicherheitsmitarbeiter sind immer wieder beteiligt – wie im Dezember 2015 in der Karlsfelder Traglufthalle. 

Drei Senegalesen und drei Sicherheitsmitarbeiter mussten sich vor rund einer Woche vor dem Amtsgericht Dachau verantworten. Das Landratsamt hat die Securitys über die Sicherheitsfirma D & T aus Altomünster eingestellt – dessen Geschäftsführer Alexander Dallmayr Sachgebietsleiter im Ausländeramt des Landratsamtes ist. „Von den Vorstrafen der Sicherheitsmitarbeiter haben wir damals noch nichts gewusst“, sagt der Pressesprecher des Landratsamts, Wolfgang Reichelt.

Der Auslöser für die Massenschlägerei am 13. Dezember 2015 in der Traglufthalle war wohl ein Handgemenge zwischen einem Asylbewerber aus dem Senegal und einem heute 21-jährigen Security. Der Security schlug dem Senegalesen mit der Faust ins Gesicht. Der Kampf lief aus dem Ruder. Die Kontrahenten rangelten auf dem Boden. Rund 40 Menschen, Asylbewerber und drei Sicherheitsmitarbeiter beteiligten sich an der Schlägerei. Es flogen sogar Steine.

Landratsamt wusste bis zur Massenschlägerei nichts von den Vorstrafen der Securitys

Danach zog das Landratsamt die Sicherheitsmitarbeiter aus der Traglufthalle ab und setzte sie in der damaligen Flüchtlingsunterkunft in der Dachauer Berufsschulturnhalle ein. Denn von den Vorstrafen wusste das Landratsamt bis dahin nichts, sagt Reichelt. Das polizeiliche Führungszeugnis der Mitarbeiter durchzugehen, sei Aufgabe der Sicherheitsfirma.

Zur Verhandlung am Dachauer Amtsgericht wegen besonders schweren Falles von Landfriedensbruch waren nur zwei Sicherheitsmitarbeiter gekommen, der dritte fehlte unentschuldigt. Einer der beiden, ein 38-jähriger Cottbuser, soll sogar aus dem Umfeld der Hells Angels sein, laut Quellen der Märkischen Allgemeinen und der SZ. Die Liste der Vorstrafen der beiden Angeklagten sei lang, von Hehlerei und Körperverletzung bis hin zu unerlaubtem Waffenbesitz.

Doch Reichelt sieht die Schuld nicht beim Landratsamt: „Wir haben für die Unterkünfte mehrere Sicherheitsfirmen beauftragt.“ Anfang Dezember hat das Landratsamt die Securitys über die Sicherheitsfirma D & T eingestellt. Die Personen waren Praktikanten bei einem Subunternehmen, das die Altomünsterer Firma beauftragt hatte. Zeitgleich hat das Landratsamt eine Anfrage an das Landeskriminalamt geschickt, ob es Bedenken gebe, die Männer einzusetzen. Die Stellungnahme flatterte zwei Wochen nach der Schlägerei beim Landratsamt ein. Ergebnis: Die Leute seien nicht für den Einsatz als Sicherheitsmitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften geeignet.

Es war nicht die erste Fehlentscheidung bei der Einstellung von Mitarbeitern

Es ist nicht das erste Mal, dass das Landratsamt Fehlentscheidungen bei der Einstellung von Mitarbeitern in Asylunterkünften trifft: Im April vergangenen Jahres kam bei einem Treffen des Landratsamtes und der Helferkreise zufällig ans Licht, dass der Kümmerer in der Petershausener Unterkunft Flüchtlinge erpresst hatte und seinen Namen im sozialen Netzwerk Facebook zeitweise auf „Mussolini“ änderte. Er wurde erst zwei Monate nach Aufdecken des Missstandes gekündigt.

Im Falle der drei Sicherheitsmitarbeiter beeilte sich das Landratsamt nach dem Hinweis des Landeskriminalamtes am 29. Dezember, die Sicherheitsleute zu kündigen. Doch es werden weiter Mitarbeiter der Sicherheitsfirma D & T eingesetzt. An den fünf Unterkünften im Landkreis gibt es Nachtwachen mit zwei Securitys, die der Sicherheitsdienst übernimmt.

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