ein wetterstreifzug durch den landkreis dachau

Freud und Leid im Dauerregen

Regen über Regen und kalte Temperaturen – so war das Wetter in den zurückliegenden Wochen im Landkreis. Doch das kühle Nass hat immer zwei Seiten: Es ist des einen Freud und des anderen Leid. Ein Streifzug.

Landkreis– Scheibenwischer waren im Dauerbetrieb, Regentonnen liefen über, und große Pfützen zogen sich über die Äcker. Mehrere Wochen lang klatschte der Regen nun vom Himmel auf den Boden. Doch während den einen das Wetter schwer zu schaffen macht, machen die anderen Jubelsprünge.

-Lange Schlangen vor der Kinokasse: Einen Film schauen – das ist wohl der erste Gedanke, der einem bei Platzregen in den Sinn kommt. „Es war in den letzten Wochen definitiv mehr los“, sagt Matthias Könnecke, Mitarbeiter des Cinema Dachau. Die Säle waren voll, meist waren nur die ersten beiden Reihen frei, lange Schlangen bildeten sich vor der Kinokasse. Die derzeitigen Renner im Dachauer Kino, der Science-Fiction-Film „Guardians of the Galaxy“ und „Fast & Furious 8“. Regen und ein guter Film, das geht eben immer. Erdbeeren mit heißem Vanilleeis würden gut dazu passen – aber um die Feldfrüchte steht es bisher schlecht.

-Erdbeerbauern fürchten um Ernte: So schlimm wie in Baden-Württemberg hat es die Erdbeeren von Familie Offenbeck aus der Rothschwaige nicht getroffen – aber dennoch: Rund zehn Prozent ihrer Ernte können sie wegschmeißen. Grund dafür sind nicht der Regen, sondern die frostigen Nächte. Selbst Folien konnten einen Teil der Früchte nicht vor der Kälte schützen. Seit 30 Jahren bauen die Offenbecks Erdbeeren an, doch sie beobachten einen Klimawandel.

„Die Winter sind milder, deshalb fangen die Erdbeeren schon früher zu wachsen an“ , sagt Susanne Offenbeck. Doch das Thermometer zeigte im April oft noch null Grad an, das hat die Ernte kaputtgemacht. „Früher hat der Winter nur bis März gedauert.“ Die Familie musste ihre Erdbeeren in der vergangenen Woche noch einmal in Plastikfolien hüllen.

-Ansturm im Hallenbad: Im Warmen seine Bahnen zu ziehen, wenn es draußen nass und kalt ist – das schlechte Wetter beschert dem Hallenbad gute Besucherzahlen: „Wenn es regnet oder schneit, gibt es einfach wenige Alternativen zum Hallenbad“, sagt Barbara Kern, Abteilungsleiterin Bäder der Stadtwerke Dachau. Am See spazieren gehen oder in der Sonne brutzeln, fällt sprichwörtlich ins Wasser. 8000 Besucher sind im verregneten April ins Dachauer Hallenbad gekommen – im April 2015, der besonders sonnig war, kamen nur 7000, also rund 1000 Schwimmer weniger.

-Freibaderöffnung stand auf der Kippe: Für die Eröffnung des Freibades waren der Regen und die kalten Temperaturen weniger positiv: Ob es pünktlich eröffnen kann, war lange nicht klar (wir haben berichtet), da die Badfliesen wegen Frostschäden erneuert werden mussten. Bei der Kälte war das schlecht möglich. Nun steht der Eröffnungstermin am 20. Mai aber fest.

-Rekordernte ausgeschlossen: Die Sonne fehlte auch den Bauern: Eine Rekordernte ist nach dieser Regenperiode nicht mehr zu erwarten, sagt der Berzirkspräsident des Bauernverbandes, Anton Kreitmair. Obwohl sich die Landwirte nach der Frühjahrstrockenheit den Regen gewünscht haben, „ist es jetzt zu viel des Guten.“ Die Bauern können ihre Felder zur Zeit nicht düngen, weil sie stecken bleiben. Das bedeutet mehr Unkraut und weniger Ertrag bei Gras, Kartoffeln oder Getreide. Zudem wäre es jetzt an der Zeit den ersten Mais auszusäen. Aber der würde bei dem Regen nur verfaulen, sagt Kreitmair: „So extremen und langen Regen zu dieser Zeit weiß ich schon lange nicht mehr.“

-Wenig Nektar für die Bienen: Nach dem strengen Winter gab es bereits einige Verluste bei den Bienenvölkern. Nun müssen sie wieder ums Überleben kämpfen: „Der Regen schadet der Obstbaumblüte“, sagt Imker Wolfgang Späth, 70, aus Karlsfeld. Sie können viele Blüten der Kirsch- oder Birnenbäume nicht bestäuben, für die Bienen gibt es wenig Nektar – und damit auch wenig Frühlingshonig. Von befreundeten Imkern weiß Späth, dass sie deshalb ihre Bienen mit Zuckersirup durchfüttern.

-Trockenzeit im Wald ist vorbei: „Für den Wald ist der Regen ein Segen“, sagt Späth, der seit über 50 Jahren Pilzsammler ist. Denn die Bäume und Pilze brauchen den Regen, um zu wachsen und eine Symbiose einzugehen. Zudem mag es der Baumschädling Borkenkäfer nicht, wenn es so feucht ist.

-Suppe statt Obatzter, Tee statt einer frischen Mass: Auch der Biergarten in Mariabrunn gehört zu den Verlierern des Dauerregens. „Im April hatten wir erst zwei oder dreimal auf“, sagt Bedienung Marianne Kreitmair. Jeden Tag checkt sie die Wetter- app auf ihrem Handy. Vielleicht hat Petrus ja Mitleid.

Anna Schwarz

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