+
„Manchmal sind hier 60 oder 70 Jugendliche oben“Stephan Müller Er ist doch eigentlich Gärtner: Stephan Müller würde sich viel lieber um die Pflanzen und Beete im Schlossgarten kümmern. Stattdessen muss er Morgen für Morgen stundenlang den Müll der Feiernden entsorgen. 

Schlösser- und Seenverwaltung schlägt Alarm

Der Schlossplatz: eine zugemüllte Partymeile

Es ist der Vorzeigeort in der Altstadt: der Dachauer Schlossplatz. Früh morgens sollte man Besucher von auswärts dort eher nicht hinführen. Denn zu sehen gibt es vor allem die Hinterlassenschaften von Partynächten. Leidtragende sind nicht zuletzt die Gärtner vom Schlossgarten. Tag für Tag sammeln sie Müll – stundenlang.

Dachau – Bierflaschen, Pizzakartons, Zigarettenstummel, Fast-Food-Verpackungen. Dieses Bild bietet sich einem Besucher um 7 Uhr auf dem Schlossplatz ist. Dort bekommt er die Überreste der vergangenen Nacht zu sehen.

Damit das Ambiente am Schlossplatz nicht ruiniert wird, muss aufgeräumt werden. Und das machen Stephan Müller und seine Kollegen von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. 365 Tage im Jahr, egal bei welchem Wetter und egal, ob gerade Feiertag ist, so wie am gestrigen Pfingstmontag. „Wir sind eigentlich Gärtner. Beim Thema Müll sollte sich unsere Arbeit eigentlich darauf beschränken, die Mülleimer auszuleeren. Aber der Müll liegt ja daneben“, ärgert sich Müller.

Seit April 2015 ist er als Leiter der Außenstelle Dachau tätig. In dieser Zeit habe sich das Problem massiv verschärft. Müller und seine Kollegen müssen jeden Tag drei bis vier Stunden Arbeit in die Beseitigung des Mülls auf dem Schlossplatz stecken. „Das ist sehr schade, denn die Zeit fehlt uns an anderer Stelle“, so Müller. „Und wir möchten natürlich das hohe Niveau des Schlossgartens als Gärtner aufrechterhalten.“

Im Schlossgarten selbst gebe es kein Problem. Hundebesitzer beseitigen selbstverständlich die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner, Müll kommt nur in die Mülleimer, und selbst die sind nie ganz voll. Es liegt wohl daran, dass der Schlossgarten nachts zugesperrt wird.

Der Schlossplatz ist abends und nachts ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen. „Manchmal sind hier 60 oder 70 Leute oben. Das sehen wir auf unseren Überwachungskameras. Aber es ist natürlich schwierig, Einzelne zu belangen“, berichtet Müller.

Die Spuren der letzten Party: Müll liegt neben den geleerten Mülleimern, vieles wurde von der Mauer auf den darunter liegenden Grünstreifen geworfen. „Alles, was hier jetzt liegt, ist nur von einer Nacht, in der das Wetter noch nicht mal schön war. Normalerweise ist es nach einem Sonntag noch mehr“, sagt Müller. Er hält einen Eimer – bis über die Hälfte gefüllt mit Zigarettenstummeln. Ausbeute eines Wochenendes.

„Wir können den Müll nicht einfach liegen lassen. Hier sind Hochzeiten, Veranstaltungen und Stadtführungen. Unsere Überstunden explodieren. Wir hoffen, dass wir nicht eines Tages auch den Schlossplatz nachts zusperren müssen“, sagt Müller.

Doch es gibt auch immer wieder Lichtblicke. Während Müller spricht, beginnt am anderen Ende des Platzes ein Passant mit bloßen Händen Müll einzusammeln und in die Mülleimer zu werfen. Er will anonym bleiben, doch der freundliche Mann gerät schnell mit Stephan Müller ins Gespräch, schnappt sich ebenfalls einen Eimer und eine Greifzange, und die beiden Männer sammeln gemeinschaftlich weiter.

Müller wäre froh, wenn mehr Menschen sich so oder ähnlich verhielten. „Sie sollten sensibler auf das Thema reagieren und Zivilcourage zeigen, wenn sie jemanden sehen, der seinen Müll einfach stehen lässt. Alles, was man auf den Schlossberg hinaufträgt, kann man auch wieder hinuntertragen“, so Müller. „Oder zumindest in die Mülleimer werfen.“

Stefanie Ritter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Großeinsatz in Karlsfeld: Acht Senioren in Klinik gebracht
Acht Senioren im Alter von 65 bis 93 Jahren sind am Samstagvormittag bei einem Rettungsgroßeinsatz ins Krankenhaus gebracht worden. Der Verdacht: Dehydrierung.
Großeinsatz in Karlsfeld: Acht Senioren in Klinik gebracht
Tragödie am Karlsfelder See: Münchner (24) stirbt
Drei Freunde waren zusammen beim Baden im Karlsfelder See.  Einer, ein 24-jähriger Münchner, wollte zurück ans Ufer schwimmen, kam aber nie an. Die Suche endete …
Tragödie am Karlsfelder See: Münchner (24) stirbt
In Summe eine Million eingespart
Die neue Grundschule wird eine teure Angelegenheit für Karlsfeld. Nur gut, dass die Architekten noch einige Posten aufgetan haben, an denen gespart werden kann. In einem …
In Summe eine Million eingespart
Wird dieser Kinderfestzug am Volksfest der letzte sein?
Der Kinderfestzug am Dachauer Volksfest hat eine lange Tradition. Zu bestaunen gibt es aufwändig dekorierte Wagen und Kinder in liebevoll gestalteten Märchenkostümen. …
Wird dieser Kinderfestzug am Volksfest der letzte sein?

Kommentare