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Amtliches Dokument mit Stempel: Apotheker Hans Wilhelm von der Stern-Apotheke in Dachau übergibt der Testperson ihr Ergebnis.

Infrastruktur muss erst aufgebaut werden

Schnelltest-Angebot startet langsam

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Seit vergangenem Montag sollen alle Bürger einen kostenlosen Corona-Schnelltest bekommen. Weil viel Organisatorisches allerdings erst noch geklärt und vor allem die Infrastruktur vor Ort erst aufgebaut werden musste, kommt die Test-Offensive im Landkreis nur langsam in Schwung.

Dachau – Dass er „zahlreiche Anfragen“ zu den kostenlosen Schnelltests bekommen habe, sagt Apotheker Maximilian Lernbecher, sei „noch untertrieben“. Täglich um die 200 Anrufe gehen bei ihm und seinen Kollegen ein, von Menschen, die das kostenlose Corona-Schnelltest-Angebot wahrnehmen wollen, aber noch nicht so recht wissen, wie und wo die Tests angeboten werden.

Im Landkreis Dachau steht mittlerweile fest, dass es in der Flora-Apotheke in Dachau sowie der Schloss-Apotheke in Haimhausen bis Ende der Woche zwei größere Schnelltest-Zentren geben wird. Am Wochenende kann man sich beim Testzentrum in Indersdorf jederzeit einem sogenannten Antigen-Schnelltest unterziehen; samstags von 10 bis 12 Uhr auch beim BRK im Adolf-Hölzel-Haus in Dachau.

Das Ergebnis wird nach einigen Minuten angezeigt. In diesem Fall: negativ.

Hinzu kommen zahlreiche weitere Hausärzte und Apotheken, die die Schnelltests in ihren Räumlichkeiten durchführen. Welche Apotheken und Praxen dies sind, können Interessierte zum einen auf der Internetseite des Landratsamts erfahren, als auch telefonisch bei den Ärzten oder Apothekern ihres Vertrauens erfragen. Apotheker-Sprecher Lernbecher empfiehlt vor allem den Anruf bei den Hausärzten, da die – mangels Grippe- und Erkältungskrankheiten – derzeit Kapazitäten frei hätten.

Der Unterschied zwischen den bei Apothekern oder Ärzten durchgeführten Schnelltests und den Schnelltests, die es etwa bei Lidl oder Aldi zu kaufen gibt, ist Lernbecher zufolge der amtliche Stempel: „Bei uns bekommen die Getesteten ein Dokument, das 48 Stunden Gültigkeit hat.“

Sinnvoll sind die Tests, deren Ergebnis im Unterschied zu den sogenannten PCR-Tests schon nach gut 20 Minuten feststeht, vor allem für Menschen, die Angehörige im Altenheim besuchen wollen, sowie pflegende Angehörige: „Der freiwillige Test gibt einem einfach Sicherheit.“

Verpflichtend sind die Schnelltests dagegen seit dieser Woche für Kinder, die krank waren und deshalb nicht die Schule oder den Kindergarten besucht hatten. Bevor sie wieder zurück dürfen in ihre Einrichtung, müssen sie nun einen negativen Schnelltest vorlegen – den sie wiederum aber nur machen dürfen, nachdem sie 48 Stunden ohne Krankheitssymptome waren.

Grundsätzlich, bittet Lernbecher, dass sich die Test-Willigen gerade in den kommenden Tagen noch anmelden. Später, wenn die beiden Schnelltest-Einrichtungen in Dachau und Haimhausen angelaufen sind und dort bis zu 300 Tests pro Woche durchgeführt werden können, sollen dann auch Spontan-Termine möglich sein.

Wichtig, sagt der Apotheker, ist dabei aber nicht nur, dass die Test-Willigen gesund sind, sondern auch, dass sie sich ausweisen können. Die Ärzte und Apotheker benötigen die Daten nämlich nicht nur für ihren Rechnungsnachweis bei der Kassenärztlichen Vereinigung, sondern auch, um mögliche positive Ergebnisse an die zuständigen Gesundheitsbehörden weiterleiten zu können.

Dass die große Test-Offensive – nicht nur im Landkreis Dachau, sondern überall in Deutschland – erst mit einer gewissen Verzögerung startete, liegt nach Auskunft Lernbechers an dem „enormen Klärungsbedarf“: So hätte der Abrechnungsmodus erst einmal festgelegt und auch das entsprechende Personal rekrutiert werden müssen. Zudem habe erst noch geklärt werden müssen, dass das testende Fachpersonal geimpft ist: Deren Kontakt zu möglichen Infizierten sei, so Lernbecher, „wie der einer Intensivpflegekraft“.

Der Test erfolgt übrigens durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich – und ist damit wesentlich angenehmer als frühere Prozeduren, bei denen das Stäbchen tief in Rachen und Nase geschoben wurde. Langfristig sollen mit dem Schnelltest-Angebot täglich zwei Prozent der Landkreis-Bevölkerung bedient werden und – wie in Österreich – auch wieder Besuche von Kultur- und Gastroeinrichtungen ermöglicht werden können. Zuvor aber fürchtet Lernbecher, dass „wir über 100 kommen mit der Inzidenz und damit eh erst mal wieder in den nächsten Lockdown gehen“.

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