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Bitte einsteigen: I n Dachau kann man am 15. November umsonst Bus fahren. Dadurch sollen mehr Menschen, die bislang meist mit dem Auto unterwegs sind, für einen Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel begeistert werden.  

Kostenlos einsteigen, dauerhaft umsteigen

Reinschnuppern in den Öffentlichen Nahverkehr: Kostenlos Bus fahren in Dachau - für einen Tag

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In Dachau wird der Busverkehr kostenlos – zumindest am 15. November. An diesem Tag nämlich laden die Stadtwerke zu einem Schnuppertag in ihre Stadtbus-Linien.  

Dachau – Am Freitag, 15. November, fahren die Dachauer kostenlos Bus – und zwar auf allen städtischen Linien von Betriebsbeginn bis Betriebsende. Ziel der Aktion: mit diesem Gratis-Anreiz die Bürger weg vom Auto hinein in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu locken.

Eine Mehrheit der Stadträte hatte Anfang dieses Jahres den Schnuppertag durchgesetzt, gegen die erklärte Skepsis der Stadtwerke, die die Dachauer Buslinien betreiben. Technischer Werkleiter Gerald Nübel hatte in der Diskussion über das Angebot Zweifel geäußert, dass sich dadurch wirklich mehr Fahrgäste zum dauerhaften Umsteigen vom Auto in den Bus bewegen ließen.

Dass die Stadtwerke Dachau die Sache nun doch optimistisch angehen, dürfte auch an den Erfahrungen liegen, die man im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck mit dem Schnuppertag macht. Seit 2013 gibt es dort bereits das Angebot, und zwar immer am letzten Freitag vor den Herbstferien. Hermann Seifert, Leiter der Stabstelle ÖPNV am Landratsamt Fürstenfeldbruck, erklärt diesen speziellen Termin: Zu diesem Zeitpunkt des Jahres sei es „weder zu heiß, noch zu kalt“; an einem Freitag seien die Busse zudem nicht so voll wie unter der Woche, was neue Nutzer direkt wieder abschrecken könnte; in den Ferien dagegen seien viele potenzielle Nutzer nicht im Lande, kurz: „Unser Termin hat sich bewährt.“

Tatsächlich ist die Resonanz auf den Schnuppertag in Fürstenfeldbruck durchweg positiv. Zwar hätten andere Landkreise die Brucker ÖPNV-Offensive erst einmal skeptisch verfolgt, erinnert sich Seifert, heute aber sei klar: „Die Zahl der ÖPNV-Nutzer bei uns im Landkreis ist in den vergangenen Jahren konstant um eine Million pro Jahr gewachsen. Ende 2018 hatten wir zehn Millionen!“

Dass dieses Wachstum auch mit dem Schnuppertag zu tun hat, davon ist Seifert überzeugt. Klar, erst einmal koste das Angebot Geld: Dem Landkreis entgingen an dem Tag Einnahmen zwischen 8000 bis 12 000 Euro. Doch der Kreistag habe „bewusst gesagt: ,Wir nehmen das in Kauf, denn am Ende gewinnen wir Fahrgäste dazu.’“

Seifert kann dies auch mit Zahlen des EU-geförderten Forschungsprojekts „Sustainability Mobility Behaviour in Alpine Region“ (SaMBA), an dem der Kreis Fürstenfeldbruck teilnimmt, belegen. Demnach sind 20 Prozent aller Fahrgäste am Schnuppertag solche, die den ÖPNV ansonsten nicht nutzen; 64 Prozent dieser Schnupper-Fahrgäste würden den ÖPNV aufgrund dieser guten Erfahrung aber gerne weiter nutzen. „Das ist die Quintessenz“, so Seifert, „genau die Fahrgäste wollen wir“!

Zudem hätte die SaMBA-Studie ergeben, dass der ÖPNV im Landkreis Bruck noch überwiegend von Berufstätigen, Schülern und Azubis genutzt wird – das „riesige Potenzial“ der Freizeitnutzer aber sei noch weitgehend auf anderen Verkehrsmitteln unterwegs. Durch den Schnuppertag würden einigen dieser „Freizeitgäste“ nun zumindest Alternativen aufgezeigt.

Genau das haben auch die Stadtwerke Dachau vor, zumal sie ihr Verkehrsliniennetz in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut hatten: Mit der Linie 718 wurde Ende 2016 der Stadtteil Himmelreich an das ÖPNV-Netz angebunden. Seit Dezember 2018 fahren die Busse bis mindestens 23 Uhr und mit dem Fahrplanwechsel 2020/2021 sollen die Ringlinien 720, 722 und 726 zu den Hauptverkehrszeiten im Zehn-Minuten-Takt verkehren. 3,5 Millionen Fahrgäste pro Jahr beziehungsweise 12 000 pro Tag transportieren die Stadtwerke aktuell. Rund 4000 Euro investieren sie, um den Schnuppertag zu ermöglichen.

Dass es im Landkreis Fürstenfeldbruck noch ein wenig flotter geht mit dem ÖPNV-Ausbau, mag aber auch daran liegen, dass es dort laut Abteilungsleiter Seifert „weniger Entscheider“ gibt. Während nämlich in der Großen Kreisstadt die Stadtwerke Dachau für den Busverkehr zuständig sind, verantwortet für die übrigen Gemeinden der Landkreis die sogenannte ÖPNV-Grundversorgung; über die Grundversorgung hinausgehende Angebote – wie zum Beispiel den Bus-Schnuppertag – wiederum bezahlen die Gemeinden selbst.

Immerhin: Auch die Dachauer Landkreis-Bürger hatten laut Landrat Stefan Löwl bereits „anlassbezogen“ die Chance, umsonst zu fahren; bei den Tagen der offenen Tür im Landratsamt im Jahr 2015 und 2018 waren Fahrten mit den Buslinien 720 und 722 sowie die S-Bahnen im Landkreis kostenlos.

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