Massive Nachverdichtung: Die drei Wohnblöcke zwischen Würm- und Fünfkirchner Straße werden abgerissen und neu gebaut. Auch die drei Garagenhöfe direkt an der Fünfkirchner Straße werden mit Wohnhäusern bebaut. Grafik: mm
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Massive Nachverdichtung: Die drei Wohnblöcke zwischen Würm- und Fünfkirchner Straße werden abgerissen und neu gebaut. Auch die drei Garagenhöfe direkt an der Fünfkirchner Straße werden mit Wohnhäusern bebaut.

Nachverdichtung auf einem Grundstück in Dachau-Ost

Aus 60 Wohnungen werden 120

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Auf dem Eckgrundstück Würmstraße und Fünfkirchner Straße in Dachau-Ost will die Stadtbau GmbH die drei dreistöckigen Wohnblöcke abreißen und durch neue, vierstöckige ersetzen. Zudem sollen auf der Fläche drei kleinere „Punkthäuser“ gebaut werden. In Summe könnten so 60 neue Wohnungen entstehen.

Dachau – Dass Grundstücke in Dachau einmal so wertvoll werden würden, konnte anno 1963 niemand ahnen. So kam es, dass auf dem rund 1,9 Hektar großen Grundstück im Eck Fünfkirchner Straße und Würmstraße vor die drei Wohnblöcke auch noch großzügige Garagenhöfe gebaut wurden. „Mitten in der Landschaft“ würden die stehen, befand Bauamtsleiter Moritz Reinhold vergangene Woche im als Stadtrats-Vertretung tagenden Ferienausschuss. Heute, so Reinhold, würde man so nicht mehr bauen, die Flächen würde man „ganz anders ausnutzen“.

Die Stadträte stimmten ihm zu, weshalb sie auch das Vorhaben der Stadtbau GmbH, der das Grundstück gehört und die die Fläche nun wesentlich besser ausnutzen will, uneingeschränkt unterstützten.

„Wir haben uns schon lange gefragt: Wo können wir nachverdichten“, erklärt Stadtbau-Chef Hendrik Röttgermann gegenüber der Heimatzeitung. Man sei „den ganzen Bestand durchgegangen“ und habe festgestellt: „Viele Möglichkeiten haben wir nicht. Aber an der Stelle könnte es klappen mit maßvoller Nachverdichtung.“

Inwiefern es maßvoll ist, auf ein und demselben Grundstück aus 66 Wohnungen am Ende 120 werden zu lassen, wurde von den Stadträten nicht thematisiert. Zu groß ist der Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum in Dachau. Und während die jetzigen 66 Wohnungen der Anlage bereits einer Preisbindung unterliegen, sollen auch die neuen nach einkommensorientierten Vergaberegeln vermietet werden.

Baulich und organisatorisch wird das Projekt höchst anspruchsvoll. Röttgermann zufolge wird es vier Bauabschnitte geben. In Abschnitt 1 werden die Garagenhöfe abgerissen und durch ein zweigeschossiges Garagengebäude – also einer Tiefgarage sowie einer Parkfläche im Erdgeschoss – und drei darauf stehenden, sogenannten Punkthäusern ersetzt.

Die Bewohner aus dem ersten Wohnblock werden dort einziehen, anschließend wird ihr alter Block ersetzt durch einen viergeschossigen Neubau; dies ist Bauphase 2. Wenn der erste neue Wohnblock steht, werden die Bewohner des zweiten alten Blocks dort einziehen; dann wird dieser Block abgerissen; hier endet die Bauphase 3. Am Ende folgt der Umzug der Bewohner des dritten Wohnblocks in dieses neue Gebäude, und der Bau des letzten Blocks kann beginnen.

Durch die drei Punkthäuser sowie das zusätzliche vierte Geschoss werden „50 bis 60 neue, zusätzliche Wohnungen entstehen“, so Röttgermann. Und das Beste: „Wir haben eine maßvolle Nachverdichtung, ohne dass Freiflächen verloren gehen“; die Grünflächen um die drei großen Blocks blieben nämlich unangetastet.

Die Sorge, dass für die jetzigen Bewohner in der neuen, schicken Anlage kein Platz mehr ist, hält Bauamtsleiter Reinhold für unbegründet: „Es wird keiner verdrängt, jeder Mieter bekommt ein Angebot.“

Dass die Investition „enorm“ werden dürfte, gibt auch Röttgermann zu. Allerdings habe man sich natürlich überlegt, einfach nur die Häuser um eine Etage aufzustocken. Dabei wären die „Kosten aber ähnlich wie bei einem Neubau, nur ohne den Schall- und Brandschutz“. Zudem hätte man das – ungelöste – Problem gehabt: „Wohin mit den Mietern während der Bauphase?“ Insofern sei er von der jetzigen Planung „ganz begeistert“.

Wann es losgehe mit dem Großprojekt, kann der Stadtbau-Chef noch nicht sagen. Jetzt gehe es erst einmal ins Bebauungsplanverfahren. Bis zur Baugenehmigung „wird es aber sicher noch ein bisschen dauern“.

Stadtrat Jürgen Seidls (FDP) Frage, ob sich die Stadtbau mit dem Vorhaben nicht finanziell übernehme, vor allem da ja auch noch auf dem früheren MD-Gelände geförderte Stadtbau-Wohnungen gebaut werden sollen, kann Röttgermann entspannt beantworten. Die Finanzierung des Vorhabens in Dachau-Ost erfolge zu 75 Prozent mit Mitteln des Freistaats Bayern aus dem Programm einkommensorientierter Förderung.

Dank dieses Programms soll übrigens auch die soziale Durchmischung der Mieterschaft gewährleistet sein. Laut Oberbürgermeister Florian Hartmann haben „über 60 Prozent aller Einkommen in Bayern Anspruch auf gefördertes Wohnen. Viele wissen das gar nicht.“ Für die neuen Wohnungen würden daher Menschen aus verschiedenen Einkommensgruppen ausgewählt.

Dass sich jetzt für viele in Dachau-Ost die Frage stellt, wie mit den anderen Mehrfamilienhäusern verfahren wird – abreißen und neu bauen oder sanieren – ist den Beteiligten in Rathaus und Stadtrat klar. Reinholds Vorgänger Michael Simon hatte daher angeregt, ein entsprechendes Nachverdichtungskonzept für ganz Dachau-Ost zu erarbeiten. Der Stadtrat hatte diesen abgelehnt.

Auch Reinhold sieht diesen „großen Wurf“ kritisch. „Im Bestand zu überplanen“ sei immer schwierig. Man könne sich zwar ein Grundkonzept überlegen, aber am Ende müsse man immer über einzelne Anträge entscheiden.

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