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Vor allem an den Gymnasien wird‘s eng: hier das Gymnasium Indersdorf.

Schulplanung im Landkreis Dachau

Zahlen lügen doch

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Die Krippen, Kindergärten und Schulen, speziell die Gymnasien, der Region werden immer voller. Stadt- und Landkreispolitik bleibt alljährlich nichts anderes übrig als zu reagieren. Prognosezahlen, so beklagte zuletzt der Schulausschuss im Kreistag, seien immer „Makulatur“. Die Frage daher lautete: Warum ist das so?

Dachau – Der Karlsfelder Kreisrat Wolfgang Offenbeck (CSU) hatte zuletzt im Schulausschuss ein dickes Lob für die Schulen der Region im Gepäck: Angesichts der zahlreichen „Engpässe“ würden die Schulen ein „hohes Maß an Flexibilität“ an den Tag legen, gerade den notorisch vollen Gymnasien gebühre Dank. Dass er dieses Lob aber überhaupt aussprechen müsse, sei, so Offenbeck, „ärgerlich“. Seine CSU-Fraktion etwa habe „seit Jahren darauf hingewiesen“, dass die der Schulplanung zugrunde liegenden Prognosen nicht stimmen könnten. Wie könne es also sein, so fragte Offenbeck, „dass unsere Zahlen immer wieder überholt sind? Wo liegt die Abweichung? Wo ist der Grund, dass unsere Zahlen immer nur Makulatur sind“?

Tatsächlich hatte das Landesamt für Statistik noch im Jahr 2011 prognostiziert, dass der Landkreis im Jahr 2031 152 800 Einwohner haben werde. Diese Zahl jedoch ist bereits heute erreicht, mittlerweile gehen die Statistiker davon aus, dass im Jahr 2031 rund 170 000 Menschen in der Region leben dürften. Wie diese Zahlen jedoch genau erhoben werden, das, so gab Albert Herbst, im Landratsamt unter anderem zuständig für die Erstellung der Schulentwicklungspläne, bedauernd zu, wisse er leider selbst nicht. Er persönlich gehe jedoch davon aus, „dass die 170 000 deutlich näher“ an der Realität lägen.

Doch woran liegt der rasante, jährlich im vierstelligen Bereich liegende Bevölkerungsanstieg? „Ist der Zuzug der Fehler in unserer Prognose“, fragte etwa Wolfgang Offenbeck. Dachaus Oberbürgermeister und Kreisrat Florian Hartmann (SPD) sieht es so: „Wenn ich mir bei uns die Geburtenzahlen anschaue, geben die den Anstieg nicht her.“ Neuzugezogene würden daher in der Großen Kreisstadt dafür sorgen, dass die Stadt – etwa bei den Kindergartenplätzen – jedes Jahr wieder feststellen müsse: „Jetzt reicht’s wieder nicht.“

Diesen Zuzug aber begrenzen zu wollen, wie es viele Münchner Umland-Kreise bereits versuchen, ist schwierig – und birgt auch Risiken. So bemühte sich der Landkreis zuletzt, einen sogenannten Verbundstudiengang für E-Commerce an die Dachauer Berufsschule zu holen. Absolventen könnten dort nach drei beziehungsweise vier Jahren einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaft erlangen, auswärtige Studenten könnten beispielsweise im Jugendgästehaus untergebracht werden.

Allein: Laut Landrat Stefan Löwl wird Dachau den Zuschlag für diesen neuartigen und daher prestigeträchtigen Studiengang nicht bekommen, da die Entscheider in München, so Löwl, das Gefühl bekommen hätten: „Ihr in Dachau wollt doch gar nicht!“

Zwar betonten alle Kreisräte unisono, dass sie die Einrichtung des Studiengangs für Dachau wollten, Marese Hoffmann (Grüne) etwa fand: „Die Attraktivität der Berufsschule ist mindestens so wichtig wie die der Gymnasien!“ Andererseits, so merkte Löwl an, würden viele Lokalpolitiker durchaus sagen: „Lieber Freistaat, bleib weg von uns, wir wollen deinen Verkehr und deinen Bevölkerungsanstieg nicht.“ Man müsse sich daher entscheiden, so Löwl, „ob wir Hü oder Hott sagen“.

Am Ende einigte sich das Gremium darauf, kurzfristig weder eine Lösung für die Schwächen der Statistik, noch den Zuzug in die Region zu finden. Stattdessen wolle man, wie Albert Herbst vorschlug, „die Prognosen nicht überbewerten“ und „schuljährlich weiter versuchen nachzujustieren“. Landrat Löwl schlug zudem vor, „eventuell mal jemand vom Landesamt für Statistik einzuladen...“

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