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Wie viele Schulen benötigt der Landkreis? Falsche und überholte Daten erschweren die Arbeit für die Verantwortlichen.

Kreisräte erbost

Alte Zahlen verhindern neue Schulen

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In Sachen Schulbau hinkt der Landkreis seit Jahren den Bedürfnissen seiner – stetig wachsenden – Bevölkerung hinterher. Schuld daran sind aber nicht die örtlichen Verantwortungsträger, wie zuletzt im Schulausschuss des Kreistags deutlich wurde.

Dachau – „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen“: Dieser Satz von Karl Valentin fasst ziemlich gut die Schwierigkeit zusammen, mit der sich die Mitglieder des Kreistags und der Landkreisverwaltung regelmäßig konfrontiert sehen. Denn: Die Zahlen, anhand derer sie eine bedarfsgerechte Schulpolitik betreiben sollen, sind meistens entweder falsch oder zumindest längst überholt – oder, wie es Jan Kurzidim vom Bayerischen Landesamt für Statistik, im Schulausschuss zuletzt formulierte: Die Zahlen in seinen Bevölkerungsprognosen seien zwar richtig, als alleinige Entscheidungsgrundlage für oder gegen den Bau weiterer Schulen im Landkreis Dachau jedoch „nur bedingt geeignet“.

Das Problem ist nur: Sowohl das Finanz-, als auch das Kultusministerium verlassen sich allein auf Kurzidims Prognosen, wenn es darum geht, dem Landkreis weitere Schulen zu genehmigen oder finanziell zu fördern. Landrat Stefan Löwl sprach gar von einem „Absolutheitsgedanken auf Ministerialebene“, der dazu führe, dass „wir der Entwicklung ständig hinterherrennen“ – was in einer Wachstumsregion wie Dachau allerdings „sehr unbefriedigend ist“.

Tatsächlich stützen sich die Bevölkerungsprognosen des Landesamts laut Kurzidim auf die grundsätzliche Frage: Wie würde sich die Bevölkerung entwickeln, wenn alles so weiterläuft wie bisher? Dazu einberechnet würden Geburten und Todesfälle sowie Zuzüge und Wegzüge. Anhand dieser Rückschau sei das Landesamt auch bei seiner Vorausberechnung für die Jahre 2011 bis 2031 zu der Erkenntnis gekommen, dass im Jahr 2031 152 800 Menschen im Landkreis Dachau leben würden. Dass der Landkreis bereits im Jahr 2017 152 700 Einwohner zählte, konnten die Statistiker Kurzidim zufolge nicht wissen: Gründe für die Bevölkerungsexplosion seien unter anderem der Wirtschaftsaufschwung vor allem im Großraum München, die EU-Beitritte von Ländern wie Kroatien, Rumänien oder Bulgarien sowie die Flüchtlingswelle im Zuge des Syrienkriegs gewesen.

Allein: Kurzidims Prognose ist amtlich, während beispielsweise „der gesunde Menschenverstand“, wie Vierkirchens Bürgermeister und Kreisrat Harald Dirlenbach (SPD) es nannte, bei den Ministerien in München ebenso wenig Gewicht hat wie das das Know-how der Verantwortlichen vor Ort. Dirlenbachs Kollege Gerhard Hainzinger (CSU) aus Sulzemoos wurde deutlicher: Ein „Krampf“ sei es, dass Fördergelder nur anhand von Rückberechnungen verteilt würden. Wenn er ein Wohngebiet plane, schaue er sich dazu ja auch die Geburtenzahlen an und überlege sich, ob es dazu auch gleich noch einen Kindergarten brauche. Bernhard Seidenath, CSU-Landtagsabgeordneter und Kreisrat, erinnerte schließlich an den „langen Kampf“, bis überhaupt das vierte Gymnasium für Karlsfeld genehmigt wurde – und das heute schon zu klein sei! Kreisrätin und Kreisbäuerin Emmi Westermeier (CSU) aus Weichs fasste es so zusammen: „Wenn wir als Selbstständige so denken würden, wären wir längst untergegangen!“ Und Landrat Löwl brachte es schließlich auf den Punkt: Kurzidims Zahlen „werden als Maßstab genommen. Gegen die müssen wir ankämpfen. Wir tun uns ganz schwer, die zu widerlegen.“

Die Kreisräte waren sich am Ende zwar einig, dass sie mit Jan Kurzidim den Falschen ans Kreuz nagelten. Während Löwl und Seidenath daher höflich um „geeignetes Handwerkszeug“ und um Unterstützung an geeigneter Stelle in München baten, dachte Wolfgang Offenbeck (CSU) auch an die Bürger und das Bild, das die Lokalpolitiker in der Öffentlichkeit abgeben. Die Bürger nämlich würden sich zu Recht denken: „Was sind denn das für Penner im Landratsamt, die mit ihren Schulen immer zu spät dran sind?“ Tatsächlich aber seien „unsere eigenen Zahlen realistisch, sie werden aber nur leider nicht als relevant anerkannt“.

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