Gute Lebensmittel einfach zubereitet: Das war eine Leidenschaft des Müllers Ludwig Kraus. foto: Würmmühle

Würmmühle Dachau

Der Müller Ludwig Kraus ist gestorben

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Es ist einer der ältesten Familienbetriebe Dachaus: die Würmmühle. Seit 1927 betreibt diese die Familie Kraus. Nun ist der Seniorchef Ludwig Kraus im Alter von 88 Jahren gestorben.

Dachau–  Sein Vater Simon Kraus hatte die Mühle 1927 gekauft, zwei Jahre später kam Ludwig Kraus auf die Welt. Er besuchte die Volksschule in Prittlbach, danach ein Gymnasium in München und absolvierte seine Ausbildung zum Müller, wie auch sein jüngerer Bruder Theo. Als der Vater 1947 eine schwere Darm-Operation hatte, mussten die beiden Söhne ran, berichtet Ludwig Kraus Junior, der die Mühle heute betreibt. Abwechselnd halfen die Söhne zu Hause und ließen sich ausbilden. So konnten sie die Würmmühle gemeinsam betreiben, bis Simon Kraus 1986 starb. „Ab da haben es die Brüder alleine gemacht“, erzählt Ludwig Kraus junior.

Auch er schlug diesen Weg ein. „Es war schnell klar, dass ich Müller werde“, berichtet der 59-Jährige. Lange Jahre arbeitete er mit seinem Vater und seinem Onkel zusammen. „Unser Wohnzimmer war unser Büro.“ Die sechsköpfige Familie von Ludwig Kraus erlitt Anfang der 70er Jahre einen schweren Schicksalsschlag: Tochter Barbara starb im Alter von 14 Jahren. „Bei ihr wurde ein Blinddarmdurchbruch nicht erkannt. Das war unser Bruch mit der heilen Welt“, sagt Kraus junior. Als sein Vater 1994 mit 65 Jahren in den Ruhestand ging, übernahm Simon Kraus die Mühle. „Doch bis vor einem Vierteljahr war mein Vater noch dabei und jeden Tag am Schreibtisch.“

Dennoch hatte der Senior auch mehr Zeit für seine Hobbys. Zum Beispiel den biologischen Gartenbau. „Mein Vater hat alles Mögliche für den Hausgebrauch angebaut – von der Zwiebel bis zum Kohlrabi. Er ist immer mit Kompost und Hornspäne gelaufen, und meine Mutter kam dann mit dem Mineraldünger, ohne dass er es merkte.“ Das Thema Lebensmittel lag Ludwig Kraus sehr am Herzen – und zwar in reiner Form. Deswegen hatte er einmal Bienen, braute Bier, stellte selbst Wein her, legte Sauerkraut ein. „Sein Leibgericht waren Frühkartoffeln mit Butter“, erinnert sich der 59-Jährige. „Gute Lebensmittel einfach zubereitet ganz ohne Schnick-Schnack, das mochte mein Vater.“

Und auch Sport lag ihm am Herzen: Er war ein begeisterter Kajakfahrer. „Bis zu seinem 80. Lebensjahr war er noch auf den Wildwasserbächen unterwegs.“ Doch seit diesem Frühjahr ging es dem 88-Jährigen schlechter. Er hatte eine Herzschwäche, das wusste die Familie. Und sie wusste auch, dass der Senior sich nicht behandeln lassen wollte. „Mein Vater hat bei seinem Bruder miterlebt, dass er nach einer schweren Operation geistig nicht mehr fit war. Das wollte er auf keinen Fall“, sagt Kraus. „Am Mittwochabend war sein Blutdruck so schwach, dass er nicht mehr spürbar war.“

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag schlief Ludwig Kraus friedlich ein – auch mit dem Wissen, dass die Zukunft gesichert ist: Seine Enkelin Christine und sein Großneffe Markus werden die Mühle später leiten. Und auch drei Urenkel gibt es bereits, ein weiterer wird voraussichtlich im September geboren. 

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