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Ein Nigerianer, der im Landkreis Dachau lebt, hat als Liebes-Betrüger eine alte Frau um viel Geld gebracht. Dafür stand er nun vor dem Amtsgericht. 

Mit Love-Scamming viel Geld ergaunert

Fiese Liebes-Schwindler vor dem Dachauer Gericht

„Love-Scamming“ ist eine moderne Form des Heiratsschwindels via Internet. Zwei Frauen sind nun auf einen virtuellen Liebhaber hereingefallen und haben dabei viel Geld verloren. Die Polizei ermittelte später drei Männer aus Nigeria, denen nun vor dem Dachauer Amtsgericht der Prozess gemacht wurde.

„Ich war dumm und naiv“, so fasste die Zeugin kurz und knapp zusammen. Frauen wie Heidemarie V. (Name geändert) machen es Betrügern im Internet extrem leicht, an Geld zu kommen. Das sogenannte „Love-Scamming“ funktioniert dank der Leichtgläubigkeit und Naivität von Frauen immer noch bestens. Mit falschen Liebesversprechen und hanebüchenen Geschichten erschleichen sich die vermeintlichen Liebhaber in spe hohe Geldsummen. Die Frauen sehen in der Regel weder ihren vermeintlichen Lover, noch ihr Geld wieder.

Heidemarie V. (76) erzählte am Dachauer Amtsgericht, dass sie im Internet einen Mister Williams kennengelernt habe, der sie um 7000 Euro gebeten habe. Das Geld brauche er, um an 4,5 Millionen Euro heranzukommen. Er arbeite vor Spanien auf einer Ölplattform und werde von seinem Arbeitgeber, einer amerikanischen Ölfirma, diese enorme Summe bald erhalten. Zum Beweis schickte er Heidemarie V. augenscheinlich echte Dokumente, die seine Geschichte untermauern sollten. Wozu er die 7000 Euro brauchte, wurde in der Hauptverhandlung allerdings nicht deutlich.

Die Frau aus Baden-Württemberg ging daraufhin brav zu ihrer Hausbank und tat wie ihr befohlen. Doch Mister Williams wollte mehr, und die 76-Jährige ging erneut zum Geldinstitut ihres Vertrauens. Diesmal wurde sie zum Glück von einer aufmerksamen Bankangestellten angesprochen. „Die machte mich auf das Love-Scamming aufmerksam“, sagte Heidemarie V. in der Hauptverhandlung. Danach sei ihr die Geschichte mit der Ölplattform vor Spanien, doch „spanisch vorgekommen“. Bald ermittelte die Polizei.

Den ominösen Mister Williams konnten die Behörden nicht fassen. Allerdings drei Asylsuchende aus Nigeria (26, 24 und 21), die nun auf der Anklagebank Platz nehmen mussten. Dem 24-Jährigen, der in einer Unterkunft in Dachau lebt, hatte Heidemarie V. die 7000 Euro überwiesen. Was die Polizei noch herausfand: Der 24-Jährige hatte das Geld in Teilbeträgen an seine beiden Komplizen, die derzeit im Raum München wohnen, weiterüberwiesen, die ihm wiederum das Geld in bar zurückerstatteten – abzüglich eines Obolusses für sich.

Im Fall des Mister Williams ermittelte sogar Interpol, da auch eine Bosnierin von dem Betrüger hereinreingelegt worden war. Dieser Frau hatte Mister Williams erzählt, er brauche Geld, um sich aus der US-Army freizukaufen. Prompt überwies die Bosnierin 3000 Euro, damit ihr Loverboy, den sie ebenfalls nie zu Gesicht bekam, endlich in ihren Armen landen kann.

Vor dem Dachauer Amtsrichter Daniel Dorner wiesen die drei Angeklagten jegliche Schuld von sich, gaben an, die geschädigten Frauen nicht zu kennen. „I am sorry“ waren die letzten Worte der drei Nigerianer vor der Urteilsverkündung.

Der 24-Jährige hat vier Kinder von zwei Frauen. Laut seiner Anwältin darf er nicht arbeiten und lebt mit seiner jetzigen Frau und den beiden kleinen Buben von 1030 Euro im Monat. Ihn verurteilte Dorner wegen Geldwäsche zu 150 Tagessätzen zu je 5 Euro. Der 26-Jährige, der verheiratet ist, ein Kind hat und eine Lehre zum Maurer absolviert, bekam 90 Tagessätze zu je 10 Euro aufgebrummt. Der 21-Jährige schließlich wurde nach Jugendstrafrecht behandelt. Der Spruch gegen ihn: eine Woche Jugendarrest. Doch damit nicht genug: Die drei müssen auch den angerichteten Schaden wiedergutmachen. Dazu gibt es im Strafgesetzbuch den Paragrafen „Einziehung des Wertes von Taterträgen“. Ob Heidemarie V. und ihre Leidensgenossin in Bosnien jemals Geld zurückbekommen werden, steht nicht fest. Bislang haben die drei Angeklagten nichts gezahlt. Simone Wester

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