Sozialer Wohnungsbau in Dachau

Not lindern, Ghettos verhindern

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Sozialer Wohnungsbau sowie die Unterbringung Obdachloser haben zuletzt den Familien- und Sozialausschuss im Stadtrat beschäftigt. Fazit: Der Wille zu helfen ist da. Allein es fehlen die Möglichkeiten.

Dachau – „Um das zu machen, was wir machen müssten, haben wir die Fläche nicht. Wir kratzen immer nur an der Oberfläche“, klagte Oberbürgermeister Florian Hartmann zuletzt im Familien- und Sozialausschuss. In Zeiten, in denen „so viele Menschen nach München wollen“, könne der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum einfach nicht gedeckt werden. „Da können wir so viel bauen, wie wir wollen“, so der OB.

Dennoch tut sich etwas in der Stadt. So sollen am Otto-Kohlhofer-Weg in Dachau-Ost, wo die Stadt bereits den Bau von bis zu 80 Sozialwohnungen plant, nun auch Wohnungen im Einheimischenmodell geschaffen werden. Ursprünglich hätte der Bereich komplett für sozialen Wohnungsbau genutzt werden sollen. Hartmann zufolge gebe es aber heute schon „viele Probleme in der Gegend. Müll, Polizei- und Feuerwehreinsätze häufen sich.“ Daher habe man sich die Frage gestellt: „Ist sozialer Wohnungsbau in dieser Absolutheit sinnvoll?“ Die Antwort lautet aus Sicht des Sozialausschusses einstimmig: Nein! Im Sinne einer sozialen Durchmischung sollen nun zwei der vier geplanten Mehrfamilienhäuser für Dachauer mit mittlerem Einkommen zur Verfügung stehen und damit, so der der Plan, gleichzeitig „den Mietmarkt in der Stadt entlasten“. Verantwortlich für den Bau sowohl der Sozialwohnungen, als auch der Einheimischen-Wohnungen ist die Stadtbau GmbH.

Noch schwächer als die sozial Schwachen sind allerdings die Obdachlosen der Stadt, für die sich die CSU-Fraktion im Stadtrat Unterbringungsmöglichkeiten in sogenannten dezentralen Einrichtungen wünscht. Aktuell gibt es in der Großen Kreisstadt zirka 150 Obdachlose, was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 0,3 Prozent entspricht. Liegenschaftsreferent August Haas (CSU) warb dafür, diese Wohnungslosen in kleineren Einheiten unterzubringen, anstelle mit einer Sammelunterkunft ein Ghetto zu schaffen. Konkret schlug Haas das Grundstück an der Mittermayerstraße 33 vor: „Das ist mitten in der Stadt, super erschlossen, und drumherum sind viele andere Wohnungen!“

Dass angesichts steigender Obdachlosenzahlen Handlungsbedarf besteht, darin waren sich die Stadträte einig. Michael Eisenmann (Bündnis) und Christa Keimerl (SPD) merkten allerdings an, dass sie in der Vergangenheit gerne gehandelt und von der Verwaltung vorgeschlagene Objekte als Obdachlosenunterkünfte genutzt hätten, allerdings seien sie da am Widerstand ihrer politischen Gegner gescheitert. Keimerl sähe an der Mittermayerstraße außerdem lieber sozialen Wohnungsbau als ein Obdachlosenheim.

OB Hartmann argumentierte in die gleiche Richtung. Wenn man Sozialwohungen schaffe, verhindere man doch gerade Obdachlosigkeit. Hinzu komme: „Dezentrale Unterkünfte für fünf Leute sind gut, aber davon brauche ich 20 Stück in der Stadt. So viel Grundstücke haben wir gar nicht!“ Klar, auch er sei gegen Unterkünfte für 100 Leute, aber kleinere Einheiten seien in heutigen Zeiten „total unvernünftig und unwirtschaftlich“. Am Ende entschloss sich der Ausschuss, zumindest die Grundstücke an derMittermayerstraße 33 sowie an der Wilhelm-Leibl-Straße für eine mögliche Verwendung als Obdachlosenunterkunft zu prüfen.

Wie dringend die Große Kreisstadt Sozialwohnungen braucht, lässt sich auch anhand der Warteliste verdeutlichen, welche die Stadtbau GmbH dem Ausschuss vorlegte. Demnach warteten in 2017 487 Haushalte auf eine der 44 freien Wohnungen. Dabei galt die Faustregel: Je kleiner die gesuchte Wohnung, desto leichter konnte die Stadtbau helfen. Was die Stadträte aber irritierte: Von 249 Haushalten, die ein Angebot für eine Wohnung erhielten, lehnten immerhin 87 ab. Als Gründe sei laut Stadtbau zumeist angegeben worden, dass die angebotene Wohnung nicht im gewünschten Viertel liege. Christa Keimerl forderte vor diesem Hintergrund, die Vergaberichtlinien zu überdenken: „Bindung an seine Nachbarschaft ist recht und schön. Aber wenn die Not groß ist, versteh ich nicht, wenn man eine Wohnung nicht nimmt!“

Rubriklistenbild: © dpa

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