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Jan-Robert von Renesse wird von der Stadt geehrt.

Dachau-Preis für Zivilcourage

Jan-Robert von Renesse kämpft für die Holocaust-Überlebenden

Die Stadt Dachau ehrt Dr. Jan-Robert von Renesse. Der Sozialrichter wird mit dem Dachau-Preis für Zivilcourage 2017 ausgezeichnet. 

DachauDer Stadtrat bestätigte in seiner Sitzung am Dienstag den Vorschlag der Jury, der Dr. Sybille Krafft, Prof. Dr. Wolfgang Benz und Dr. Martin Schmidl angehören.

Dr. Jan-Robert von Renesse, Sozialrichter am Landessozialgericht in Nordrhein-Westfalen, setzte sich für die Anerkennung von Renten von Holocaust-Überlebenden ein, deren Ghetto-Renten nicht oder nur mit großer Verzögerung anerkannt wurden. Im Juli 2006 verabschiedete der Deutsche Bundestag ein Gesetz, durch das Holocaust-Überlebende, die in einem Ghetto gearbeitet hatten, eine Arbeitsrente erhalten sollten. Etwa 80 000 Anträge gingen ein, die allermeisten wurden von der Rentenversicherung abgelehnt. Einige Überlebende klagten dagegen, ihre Klagen kamen unter anderem auf den Tisch von Richter Jan-Robert von Renesse. Er bricht mit der üblichen Praxis, fährt mehrfach nach Israel und lässt sich den Ghetto-Alltag von 120 Überlebenden schildern. Bei etwa 60 Prozent der Fälle sieht er einen Anspruch begründet, im Unterschied zu seinen Richterkollegen, die 90 Prozent der Klagen abweisen.

2010 wird er von den Ghettorenten-Fällen abgezogen. Er wendet sich daraufhin mit einer Petition an den Deutschen Bundestag, was bewirkt, dass dieser 2014 das Gesetz zugunsten der Holocaust-Überlebenden ändert. Eine von seinem Dienstgeber gegen von Renesse erhobene Disziplinarklage wird September 2016 eingestellt. Mit der Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage 2017 würdigt die Jury den konsequenten Einsatz von Dr. Jan-Robert von Renesse für die Rechte der Holocaust-Überlebenden, in dem er auch unter Inkaufnahme von gravierenden beruflichen Nachteilen nicht nachließ.

Der Preis wird am Sonntag, 10. Dezember, verliehen. Er ist mit 5000 Euro dotiert und wird in Verbindung mit einer Medaille, gestaltet von dem Dachauer Künstler Heinz Eder, im Rahmen eines Festakts im Rathaus verliehen. 

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