Nach dem geplatzten Sparkassen-Zusammenschluss von Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg

Kommt statt der Dreier- die Zweier-Fusion?

Eine Spur Verbitterung liegt in der Tonlage von Landrat Stefan Löwl und Sparkassen-Chef Hermann Krenn am Tag danach. Der Landsberger Kreistag hatte die geplante Fusion am Dienstagabend platzen lassen. Einen Plan B haben weder Löwl noch Krenn.

Dachau Sehr enttäuscht zeigten sich sowohl Hermann Krenn, der Vorsitzende des Vorstands der Sparkasse Dachau, als auch ihr Verwaltungsratsvorsitzender, Landrat Stefan Löwl (CSU): Die geplante Fusion der Sparkassen Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg-Dießen ist geplatzt. Am Dienstagabend stimmte der Kreistag Landsberg als ein Anteilseigner der Sparkasse Landsberg-Dießen gegen die Fusion. Nur wenn alle Träger der bisher eigenständigen Sparkassen sich für die Fusion ausgesprochen hätten, wäre diese zustande gekommen.

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Mit 41:10 Stimmen stimmte der Landsberger Kreistag gegen die Fusion. Der Landsberger Landrat Thomas Eichinger (CSU) hatte sich bereits im Vorfeld gegen die Fusion ausgesprochen und auf den öffentlichen Auftrag der Sparkasse verwiesen (wir berichteten). Der Dachauer Landrat Stefan Löwl bedauert diese Entscheidung und stellt die Argumente seines Landsberger Kollegen und der Mehrheit der Kreistagsmitglieder offen in Frage. Die Regionalität der Sparkasse, so Löwl, wäre auch in einem gemeinsamen Institut durch eine Drei-Säulen-Sparkasse gewährleistet gewesen. Schwierige Entscheidungen, wie die Frage, ob Filialen geschlossen werden müssen, hätten gemeinsam besser gelöst werden können, da eine gemeinsame Sparkasse wirtschaftlich mehr Spielräume gehabt hätte. Obwohl der Landkreis Dachau der größte Anteilseigner der neuen Sparkasse geworden wäre, habe man auf den permanenten Anspruch, den Verwaltungsratsvorsitzenden zu stellen, verzichtet und eine Rotation zwischen den drei größten Anteilseignern angeboten. Auch ein Vetorecht bei der Schließung von Geschäftsstellen habe man den Landsbergern eingeräumt. Der Verwaltungsrat der Sparkasse Dachau werde sich am 28. Juni treffen und beraten, wie es weitergehe. Einen Plan B gehe es nicht.

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Eine Zweier-Fusion mit der Sparkasse Fürstenfeldbruck sieht Löwl aber als eine Option an, über deren Prüfung man beraten solle. Auch der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin hält die Gründe Eichingers für nicht ganz nachvollziehbar. Alles was der Landsberger Landrat befürchte, wäre via Vertrag ausgeschlossen gewesen, sagte Karmasin. Auch er kann sich nun eine Fusion mit Dachau vorstellen.

Hermann Krenn, Vorstandsvorsitzender der Dachauer Sparkasse, zeigt sich tief enttäuscht. So wäre die Fusion zum einen „eine sinnvolle Maßnahme gewesen, um aus drei Sparkassen eine große, starke und sehr zukunftsfähige Sparkasse zu gestalten“, zum anderen stecke nach eineinhalb Jahren Planung „viel Arbeitszeit, Energie und Herzblut“ in dem Projekt. Insgesamt 18 Gremien hätten der Fusion zustimmen müssen, zehn hätten bereits positiv entschieden, und nun, bei der elften Abstimmung, seien alle Pläne gestoppt und geplatzt. „Und dann, das muss man sagen, ist man persönlich enttäuscht“, so Krenn.

Krenn geht davon aus, dass die Sparkasse Dachau erst einmal alleine weiter bestehen werde. Das Geldinstitut sei betriebswirtschaftlich sehr gut aufgestellt, werde auf diesem Weg weitermachen. Das bedeute laut Krenn allerdings eine Reduzierung der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse: „Denn das Thema Niedrigzinsphase, die hohen Kosten für Regulatorik, die Investitionen für die Digitalisierung treffen uns jetzt alleine – sie können nicht geteilt werden und das bedeutet einen Rückgang in der geschäftlichen Entwicklung – aber auf einem sehr guten, hohen Niveau.“

Die drei Sparkassen sind, so Krenn, von Anfang an gestartet mit dem Ziel der Dreier-Fusion. Es habe von Anfang an keinen Plan B gegeben, keine Schubladenverträge, in denen steht, dass „nur zwei fusionieren, wenn einer abspringt“. Sollte von irgendeiner Seite die Fusion zwischen Dachau und Fürstenfeldbruck neu auf den Tisch kommen, werden „wir in den Verwaltungsrat damit gehen und es neu thematisieren. Es beginnt aber alles wieder bei Null.“ Ob die Dachauer Sparkasse das Thema auf den Tisch bringen wird, könne Krenn jetzt nicht sagen.

Weniger enttäuscht reagierten die Fraktionsvorsitzenden der Stadtratsfraktionen von ÜB, Bündnis für Dachau und SPD. In einer gemeinsamen Erklärung plädieren Rainer Rösch, Sabine Geißler und Christa Keimerl für einen strategischen Neuanfang bei der Sparkasse Dachau. Sie fordern die zuständigen Organe auf, „insbesondere eine neue Strategie für die Bank zu entwickeln, die die Aspekte Regionalität und Gemeinwohl zu echten Schwerpunkten macht.“ Darüber hinaus solle sich die Sparkasse „zu einer Ausschüttungspraxis zu bekennen, die ab einer harten Kernkapitalquote von 20 Prozent substanzielle Ausschüttungen an ihre vier kommunalen Träger vorsieht.“ Der Verwaltungsrat solle so besetzt werden, „dass bankwirtschaftliche Fachkompetenz oberste Priorität bekommt.“

Bernhard Hirsch
Nikola Obermeier

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