Glücksspiel, Geselligkeit und Vergnügen auf einen Blick: Das gelbe Euro-Symbol stellt Spielhallen dar, das blaue Glas Tanzlokale, Discos und Bars, das rote Herz Bordelle, Swingerclubs und ähnliches. grafik: MM
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Glücksspiel, Geselligkeit und Vergnügen auf einen Blick: Das gelbe Euro-Symbol stellt Spielhallen dar, das blaue Glas Tanzlokale, Discos und Bars, das rote Herz Bordelle, Swingerclubs und ähnliches.

Dachauer Regelungen für Vergnügungsstätten

Spielhallen und Bordelle ins Gewerbegebiet

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Noch gibt es in Dachau vergleichsweise wenige Spielhallen und Bordelle. Damit dies – trotz stetig steigender Einwohnerzahlen – so bleibt, will die Stadt diese Einrichtungen künftig räumlich steuern. Ziel: Prostitution und Glücksspiel sollen möglichst konzentriert im Gewerbegebiet in Dachau-Ost betrieben werden.

Dachau – Zwei Entwicklungen hatten in den vergangenen eineinhalb Jahren dazu beigetragen, dass sich die Stadt nun gezielt Gedanken darüber macht, wo in Zukunft noch so genannte Vergnügungs- und Prostitutionsgewerbestätten entstehen sollen. Zum einen macht der stetige Zuzug die Große Kreisstadt attraktiv für derartige Betriebe; ein (am Ende abgelehnter) Antrag für eine überörtliche Hochzeits-Event-Location im Gewerbegebiet am Wettersteinring hatte die Bauverwaltung zuletzt nervös werden lassen. Und zum anderen, da sind sich die Verantwortlichen einig, dürfte die Coronakrise ihre Spuren hinterlassen; Leerstand in der Altstadt sollte aber auf keinen Fall in Zukunft mit Wettbüros gefüllt werden.

Die Folge war, dass sich die Stadt von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH München (GMA) ein Vergnügungsstätten- und Prostitutionsgewerbekonzept ausarbeiten ließ. Dessen Ziel sollte sein: herausfinden, wo sich diese Art von Betriebe heute befinden, und herausarbeiten, wo sie sich in Zukunft befinden sollten. In der jüngsten Bauausschusssitzung stellten die Münchner Planer den Stadträten die Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Die Empfehlungen der GMA wurden am Ende einstimmig gebilligt.

Drei Kategorien von Vergnügungsstätten

Grundsätzlich gibt es nach Ansicht der GMA-Fachleute drei Kategorien: glücksspielorientierte Vergnügungsstätten, das sind Wettbüros, Spielhallen oder Casinos; dann gibt es geselligkeitsorientierte Vergnügungsstätten, worunter Tanzlokale, Discos oder Bars sowie Funsportanlagen, Bowlingcenter oder Kinos fallen; und schließlich die Vergnügungsstätten mit sexuellen Dienstleistungen, also Bordelle, Swingerclubs, Stundenhotels oder „Nachtbars mit Sexdarbietung“.

Was Spielhallen betrifft, ist Dachau – noch – unterdurchschnittlich belegt: Im ganzen Stadtgebiet gibt es acht Spielhallenkonzessionen, das entspricht 1,7 Konzessionen pro 10 000 Einwohner. Zum Vergleich: In Fürstenfeldbruck sind es 6,2, in Erding 5,0 und Freising 3,6. Allerdings: Sieben der acht Spielhallenkonzessionen liegen im Gewerbegebiet Dachau-Ost. Das Problem: Nach dem Gesetz zur Ausführung des Staatsvertrages zum Glücksspielwesen in Deutschland (AGGlüStV) müssen Spielhallen mindestens 500 Meter weit voneinander entfernt liegen. Die Ansiedlung neuer Spielhallen im Gewerbegebiet Dachau-Ost ist laut GMA daher nur noch „beschränkt möglich“.

Sechs Betriebe des ältesten Gewerbes

Unter die Rubrik „Geselligkeit“ fallen in Dachau derzeit fünf Betriebe: drei Wettbüros, eine Disco und ein Nachtlokal – vor allem in der Altstadt. Darüber hinaus lassen sich aktuell sechs Betriebe als Prostitutionsgewerbe identifizieren; alle sechs sind im Gewerbegebiet Dachau-Ost verortet.

Für die Zukunft sollte die Stadt nach Ansicht der Planer und der Stadträte beachten: Im Bebauungsplan des künftigen MD-Geländes soll explizit vermerkt werden, dass geselligkeitsorientierte Vergnügungsstätten mit einer Nutzfläche von bis zu 100 Quadratmetern „zur Belebung des Gebiets“ erlaubt werden; Glücksspiel oder sexuelle Dienstleistungen soll es nicht geben. Für das künftige Stadtviertel Augustenfeld-Nord sollen keinerlei Vergnügungsstätten genehmigt werden; allerdings sollen Ausnahmen möglich sein, etwa ein Kino.

Weil grundsätzlich Gewerbeflächenmangel in Dachau besteht, sollten Gewerbegebiete wie das am Wettersteinring oder am Nu-Park (ehemaliges Seeber-Gelände) an der Schleißheimer Straße, wo theoretisch Vergnügungsstätten aller Art möglich wären, möglichst per Bebauungsplan für Industrie oder Handel reserviert werden. Stattdessen sollen sich speziell das Glücksspiel und die Prostitution auf wenige Standorte und hier vor allem auf Dachau-Ost konzentrieren. In der Altstadt soll ein Bebauungsplan geld- und glückspielorientiertes Vergnügen ausschließen.

Was die geselligkeitsorientierten Angebote betrifft, will die Altstadt offen bleiben: So habe etwa die Anwesenheit der Diskothek „Roxy“ an der Augsburger Straße eine Attraktivitätssteigerung zur Folge. Was auf neudeutsch „Trading-Down-Effekt“ genannt wird, ein negativer Strukturwandel in einem Viertel durch das Überhandnehmen von Wettbüros oder Spielhallen, ist in Dachau-Ost so gut wie ausgeschlossen: Die „städtebauliche Qualität“ des Gewerbegebiets sei gering. „Konfliktpotenzial“ mit Anliegern sieht GMA also nicht.

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