Ausgetestet: Der Bus der Firma MediCan vor dem Rewe-Center in Dachau-Ost ist verwaist. Gegen den Testzentrum-Betreiber laufen Ermittlungen wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs.
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Ausgetestet: Der Bus der Firma MediCan vor dem Rewe-Center in Dachau-Ost ist verwaist. Gegen den Testzentrum-Betreiber laufen Ermittlungen wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs.

Wegen Betrugsverdachts

Staatsanwalt ermittelt gegen Testfirma: Auch Standort in Dachau betroffen

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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  • Josef Ametsbichler
    Josef Ametsbichler
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Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt gegen die Firma MediCan wegen des Verdachts des Betrugs im Zusammenhang mit der Abrechnung von Bürgertests. Die Firma betreibt 55 Corona-Testzentren in ganz Deutschland, darunter eines in Dachau.

Dachau – In einem Bus der Firma MediCan, der mitten auf dem Parkplatz des Incenters in der Kopernikusstraße in Dachau-Ost steht, konnten die Bürger bislang Antigen-Schnelltests machen lassen. Doch gestern war das Gefährt verwaist. Kein Testwilliger und kein MediCan-Mitarbeiter weit und breit. Und auch kein Hinweis, warum die Teststation geschlossen ist. Ob das Gefährt irgendwann wieder seine Türen öffnen wird, dürfte maßgeblich von der Staatsanwaltschaft Bochum abhängen. Die ermittelt gegen den dort ansässigen Betreiber wegen Abrechnungsbetrugs: Er soll wesentlich mehr Tests gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet haben, als die Firma tatsächlich durchgeführt hat.

Seit Dienstagfrüh sind einem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge offenbar alle 55 bundesweiten Teststationen der MediCan GmbH geschlossen – in der Region München betroffen sind neben Bussen in Ebersberg und Poing Standorte in Brunnthal, Unterschleißheim und Dachau.

Das Landratsamt Dachau teilt mit, dass es im Hause bislang keine Hinweise auf das Übermitteln überhöhter Testzahlen seitens von MediCan gegeben habe. Das gelte im Übrigen auch für alle anderen Corona-Teststationen im Landkreis Dachau. Pressesprecherin Sina Török betont, dass „die Tests nicht dem Gesundheitsamt oder dem Landratsamt gemeldet werden, sondern dem Ministerium beziehungsweise der Regierung“. „Daher“, so Török weiter, „gibt es im Landratsamt keine Übersicht darüber“.

Das Vorgehen zur Zulassung einer Teststelle ist nach den Angaben des Landratsamts wie folgt: Ein möglicher Betreiber registriert sich auf der Seite des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Mit der Bestätigung sowie seinem Hygienekonzept und einem Nachweis über die entsprechende Schulung, solche Tests durchzuführen, meldet sich der Betreiber beim jeweiligen Gesundheitsamt. Török: „In Dachau haben wir zusätzlich noch einen Fragenkatalog erstellt, in dem zusätzliche Fragen beantwortet werden müssen: zivilrechtliche Fragen, Mietvertrag, Sondernutzung, Öffnungszeiten, Kapazitäten etc. Auf Basis dieser zusätzlichen Daten wurden in Fragen kommende Betreiber ausgewählt.“

Auf Anfrage teilt Török mit, dass natürlich nachgesehen werde, wenn eine Teststelle eingerichtet sei und der Betrieb laufe, so Török. Die Nachschau würden Mitarbeiter sowie Ärzte des Landratsamts übernehmen. „Allerdings wird vorrangig das Hygienekonzept überprüft und weniger auf die Anzahl der dort gemachten Tests geachtet“, so Török – eben weil deren Meldung ans Ministerium oder die Regierung gingen und nicht ans Landratsamt. „Nichtsdestotrotz“, verspricht Török, „werden wir jetzt zusätzlich darauf schauen“.

Der Vermieter ist an allen diesen Orten in der Region München derselbe: Die ILG Centermanagement GmbH. Offiziell möchte sich dort mit Blick auf das laufende Verfahren niemand äußern. Ein Insider auf Vermieter-Seite sagt aber, dass man in „intensiven Gesprächen“ mit der unter Verdacht stehenden Firma MediCan stehe: Entweder es gebe eine zeitnahe Öffnung oder die Busse müssten weg. „Mit möglichen unlauteren Machenschaften möchten wir nichts zu tun haben“, sagt die Quelle. Offiziell habe der Betreiber die Schließung damit begründet, seine Internet-Server funktionierten nicht.

Ob auch den Teststationen der Firma in Dachau beim Gesundheitsamt falsche Abrechnungen vorgeworfen werden, konnte die Staatsanwaltschaft Bochum am Dienstag nicht sagen. Die Firma MediCan ließ eine Anfrage der Redaktion zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und den Schließungen ihrer Schnelltest-Stationen bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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