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In Diensträumen des Rathauses hängt etwa die Hälfte der angekauften Bilder.

Im Eigentum der Stadt

Kunstwerke, die keiner sieht

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Dachau - 800 Kunstwerke für rund 600 000 Euro haben die Oberbürgermeister der Stadt angekauft. Etwa die Hälfte davon hängt in Diensträumen des Rathauses – und das wird auch so bleiben.

Knapp 800 Kunstwerke hat die Stadt Dachau in den vergangenen 21 Jahren angekauft. Die Kosten für die Bilder dürften sich auf rund 600 000 Euro belaufen, so Kulturamtsleiter Tobias Schneider. Unter den Werken sind Ölgemälde, Aquarelle oder Grafiken von Dachauer Künstlern, aber auch von internationalen Künstlern wie Georg Baselitz oder ehemaligen Dachauer Kunststipendiaten.

 

Seit 1996 können die Oberbürgermeister der Stadt jedes Jahr Werke in Höhe von rund 30 000 Euro ankaufen. Zweck ist die örtliche Kunst- und Kulturförderung.

Geißler: „Es sind Kunstwerke, die in Büroräumen verschwinden“

35 bis 40 Kunstwerke haben die Oberbürgermeister im Schnitt jedes Jahr eingekauft. Doch wer bekommt diese Bilder zu sehen? Um diese Frage ging es im Kulturausschuss am Dienstagnachmittag. Denn das Bündnis für Dachau beantragte eine Ausstellung zu organisieren, zum Beispiel in der Neuen Galerie, in der ein Teil der Werke endlich gezeigt werden soll. 

Als Kurator soll ein Dachauer Künstler bestellt werden. „Es sind Kunstwerke, die keiner sieht und die einfach in Büroräumen verschwinden oder in der Artothek sind“, sagte Sabine Geißler (Bündnis).

Die Hälfte der Kunstwerke hängt im Rathaus

Nur etwa die Hälfte der Werke sind öffentlich zugänglich. Bürger können sie in der Artothek bei der Stadtbücherei ausleihen: Für fünf Euro könnte zum Beispiel ein Gemälde des Dachauer Künstlers Herbert Felix Plahl für sechs Monate die eigene Wohnzimmerwand zieren. 

Ein Teil der Kunstwerke lagern im Depot der Gemäldegalerie. Ein anderer Teil der angekauften Kunstwerke hängt in Diensträumen des Rathauses, zum Beispiel der Druck „Brennendes Haus“ von Georg Baselitz. Das Werk ziert das Büro von Oberbürgermeister Florian Hartmann.

Wer soll die Ankaufsausstellung organisieren?

Weil der Großteil der angekauften Werke öffentlich nicht sichtbar ist, diskutierten die Ausschussmitglieder darüber, wie eine Ausstellung mit rund 35 bis 40 Werken umgesetzt werden könnte. Wer soll sie organisieren: Die Stadt oder der Zweckverband Dachauer Galerien und Museen? 

Der Zweckverband kümmert sich bereits darum, Gemälde und volkskundliche Objekte aus dem Dachauer Raum in den Museen zu zeigen. Die Ausschussmitglieder der CSU sprachen sich deshalb gegen den Zweckverband aus: „Das wäre eine Dauerbelastung für das Personal“, sagte Wolfgang Reichelt (CSU). Die Stadt solle die Ausstellung organisieren.

Robert Gasteiger (Freie Wähler) argumentierte: „Wenn es der Zweckverband nicht alleine schafft, dann kann die Stadt immer noch einspringen.“ Oberbürgermeister Hartmann konnte die Argumente der CSU-Mitglieder nicht nachvollziehen und betonte, dass die Stadt ohnehin Mitglied im Zweckverband sei. 

Schmidt-Podolsky: „Wir wollen keine Radieschen- und Gurken-Ausstellung“

Zudem waren sich die Stadträte nicht einig, wie oft so eine Ausstellung stattfinden soll. „Das sind ja 1000 Bilder“, sagte Horst Ullmann (Bürger für Dachau).

Auch Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) fragte sich, wie lange es dauert, bis die Stadt alle Kunstwerke gezeigt habe. Das würde Jahre dauern. Außerdem stecke viel Planung dahinter: „Wir wollen keine Radieschen- und Gurken-Ausstellung für vier Wochen“, sagte sie. Das würde die Dachauer Galerien nur abwerten.

Kunstwerke zeigen: abgelehnt

Das Ergebnis: Die Ausstellung der Kunstwerke wurde in einer Kampfabstimmung von sieben zu acht Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten die Mitglieder der CSU, Horst Ullmann und Sophie Kyriakidou (SPD).

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