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Ein Ort zum Davonlaufen? Nicht mehr lange, meint die Stadt und wird den Fondi-Park hinter dem Adolf-Hölzel-Haus für 100 000 Euro aufhübschen.

Ein Jahr nach Eröffnung: Dachau steckt schon wieder 100000 Euro in Fondi-Park

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Der Fondi-Park in Dachau-Ost soll umgebaut werden. Satte 100 000 Euro lässt die Stadt dafür springen. Ob sich dann hinterm Adolf-Hölzel-Haus unter falschen Pinien und Zitronenbäumen in Terrakotta-Kübeln das heiß ersehnte italienische Flair entdecken lässt?

Dachau – Drei Bäumchen in großen Kübeln, die sich mit aller Kraft gegen das Verwelken zu wehren scheinen, vier bunte Sitzbänke um eine Bocciabahn drapiert, eine große Rasenfläche sowie ein Hinweisschild. Fertig ist der Fondi-Park hinterm Adolf-Hölzel-Haus.

Der Park ist als Reminiszenz an die 20 Jahre währende Partnerschaft Dachaus mit dem malerischen Städtchen Fondi in Süditalien geschaffen worden. Die Einweihung im August 2018 geriet staatstragend, wie die Heimatzeitung damals schrieb – mit Nationalhymnen und dem Ausruf von Stadtrat Horst Ullmann: „Der Platz ist wirklich toll geworden!“

Na ja. Der Fondi-Park soll ein Stückchen Süditalien imitieren, so der Tenor seiner Erschaffer. Doch die Mimikry ist misslungen. Die Fläche könnte auch in Nord-Lappland liegen. Peter Strauch von der CSU drückte sich im Umweltausschuss des Stadtrats poetischer aus, indem er sagte: „Wir haben das italienische Flair gesucht, aber nicht gefunden.“ Noch nicht! Denn das soll sich in naher Zukunft ändern. Mit Bäumen, Stauden, Gräsern, Bänken, Klinkerpflaster und Terrakottakübeln. Der Umweltausschuss fällte dazu einen einstimmigen Beschluss. Haushaltsmäßige Auswirkungen: 100 000 Euro, davon 10 000 Euro „Eigenleistung durch die Stadtgärtnerei“, so die Sitzungsvorlage.

Was die Bäume betrifft, wären Pinien schön italienisch, war die allgemeine Ansicht. Nur: Pinien sind Kieferngewächse, die den Mittelmeerraum lieben. In Dachau würden sie genauso eingehen, wie in Lappland. Also muss die Stadt „ein wenig tricksen“, so Oberbürgermeister Florian Hartmann. Fünf robuste Schwarzkiefern sollen so zurechtgeschnippelt werden, dass sie aussehen wie die südliche Verwandtschaft.

Weiter sollen Zitrusbäume als Kübelpflanzen für eine bessere Atmosphäre sorgen. „Die haben doch keinen ökologischen Wert“, moserte August Haas (CSU). Und: „Die müssen im Winter wegtransportiert werden.“ Haas schlug stattdessen Platanen vor, „obwohl ich allergisch gegen sie bin“. Der Vorschlag indes fand kein Gehör. Vielleicht deshalb, weil sich Zitronenbäume und Platanen so ähneln, wie Adriano Celentano und Herbert Grönemeyer. Vielleicht aber auch deshalb, weil es im Ausschuss noch galt, die Bocciabahn zu behandeln.

Die Bahn soll nämlich verschoben und in ein noch zu bauendes Rondell, dem künftigen zentralen Platz, integriert werden. Das 25 Meter lange Sportfeld soll ein Fluidum haben, mittels dem man das arg vermisste italienische Flair finden könne, so die Planer. Beschäftigt sich der Interessierte mit der Geschichte des Präzisionssports Boccia, dann erfährt er, dass bereits im 16. Jahrhundert die Gassen Venedigs wenn nicht vom Hochwasser, dann von enthusiasmierten Bocciaspielern überflutet waren, während in Deutschland lange Zeit einzig und allein Konrad Adenauer dem Sport höhere Bedeutung zumaß – aber auch nur dann, wenn das Weltgeschehen oder die Pflege seiner Rosen es zuließen. Zwar ist nicht bekannt, ob jemals ein Dachauer Spieler oder ein Dachauer Team zu großen Meisterehren gekommen ist, der bestehende Platz im Fondi-Park wird jedoch bereits jetzt regelmäßig von Bocciafans à la Adenauer bespielt.

Aber Schwamm drüber. Denn in der Beschlussvorlage heißt es schließlich: „Zur großen Rasenfläche wird zunächst ein circa zwei Meter breiter Streifen mit Stauden und Gräsern bepflanzt. Der innere Bereich des Platzes sowie die Zuwegung werden in wassergebundener Bauweise ausgeführt. Vier symmetrisch angeordnete Standorte für Bänke werden mit Klinkerpflastern befestigt. Die Klinker, jeweils hochkant verlegt, dienen auch als Einfassungen und bilden eine Einheit mit den acht Terrakotta-Kübeln, die während der Sommerzeit zusätzlich dem Platz einen mediterranen Charakter verleihen werden.“ Schenkt man diesen Sätzen Glauben, würde sich Adriano Celentano hinterm Hölzel-Haus wie zu Hause fühlen.

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