In Dachau gibt es zu wenig Kleingärten.
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In Dachau gibt es zu wenig Kleingärten wie diese Anlage an der Kufsteiner Straße. Das soll sich bald ändern.

Dachau hat zu wenig Schrebergärten

Stadt startet Kleingarten-Offensive

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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454 genehmigte Kleingartenparzellen gibt es aktuell in Dachau. In Zeiten stetigen Bevölkerungswachstums und damit einhergehend stetigen Geschosswohnungsbaus ist dies viel zu wenig, findet ein Großteil der Stadträte. Eine Kleingarten-Offensive soll nun weitere Anlagen schaffen sowie die bestehenden ungenehmigten baurechtlich legalisieren.

Dachau – Um den Bedarf einer Stadt an Kleingärten berechnen zu können, hat die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (kurz: GALK) einige Richtwerte herausgegeben. Demnach ergäbe sich für die Stadt Dachau mit ihren 47 600 Einwohnern ein Ansatz von benötigten 2023 bis 2697 Kleingartenparzellen. Wenn man statt der Einwohner- die Wohnungszahl der Großen Kreisstadt zugrunde legt, ist der Bedarf an Kleingärten sogar noch größer: zwischen 2285 und 3264 Parzellen wären für Dachau dann angemessen.

Egal, welche Berechnungsart man nun vorzieht beziehungsweise ob man überhaupt an diese Art von Richtwert glaubt, fest steht: In Dachau gibt es aktuell viel zu wenig Kleingärten.

Laut Verwaltung, die das Thema am Dienstag in den Bauausschuss einbrachte, gibt es seit Anfang der 1960er Jahre Kleingärten in Dachau. Diese würden für eine höhere Lebensqualität in der Stadt sorgen und „als grüne Oase die Funktion eines Naherholungsgebiets erfüllen“. Aufgrund ihrer „sozialen, integrativen, ökologischen und weiterer Funktionen“ soll daher langfristig die Zahl der Kleingärten – aktuell 454 – „möglichst erweitert“ werden. Außerdem sollen die zum Teil seit Jahrzehnten bestehenden, aber nie offiziell genehmigten Gärten – zum Beispiel der am Schäferweg in Dachau-Süd (wir berichteten) – nachträglich legalisiert werden.

Konzept wird erarbeitet

Geschehen soll dies alles mittels eines gesamtstädtischen Kleingartenkonzepts, an dessen Ausarbeitung auch die Kleingartenvereine der Stadt mitwirken sollen und als dessen Ziele – unter anderem – definiert wurden: Kleingärten gelten als „Teil des öffentlichen Grüns“ und „ergänzen das Wohnen im Geschosswohnungsbau“. Bei der Entwicklung neuer Baugebiete sollen Kleingärten „in die Planung miteinbezogen werden“. Überhaupt sollen gerade einkommensschwachen Dachauern diese Gärten angeboten werden.

Um nun den „wirklichen derzeitigen Bedarf“ zu ermitteln beziehungsweise die Auslastung der bestehenden offiziellen Kleingärten zu bemessen, wird eine gezielte, von einem externen Büro erstellte Bedarfsprognose für den Zeitraum bis 2037 in Auftrag gegeben; die Kosten in Höhe von geschätzt 30 000 Euro gab der Bauausschuss – gegen die Stimme von AfD-Stadtrat Markus Kellerer – frei. Parallel wird die Stadtverwaltung potenzielle neue Flächen für Kleingärten ermitteln und von Bürgern empfohlene Flächen prüfen.

Außerdem gehen das Bauamt und Oberbürgermeister Florian Hartmann davon aus, dass die Gärten am Schäferweg nicht die einzige nicht genehmigte Anlage sind. „Das war eine andere Zeit. Damals hatte man noch nicht die Sensibilität, dass man auch Kleingärten genehmigen muss“, erklärte Hartmann – weshalb seine Verwaltung sich nun auch auf die Suche nach weiteren illegalen Gärten machen muss.

Die meisten Stadträte unterstützten den Plan der Verwaltung gerne. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) etwa fand es „gut, das Thema jetzt generell anzugehen“. Wenn man das Kleingartenkonzept gut umsetze, „profitieren am Ende alle“.

Einzig die Grünen übten Kritik: Kleingartenanlagen seien nun mal nicht allen Bürgern zugänglich. Lieber sollten daher Streuobstwiesen oder ähnliche öffentliche Anlagen entstehen. CSU-Sprecherin Schmidt-Podolsky aber wies ihre grüne Kollegin Jasmin Lang darauf hin, dass es nun mal immer mehr Geschosswohnungen gebe und schlicht nicht jeder Bürger ein Einfamlienhaus mit Garten sein eigen nennen könne. Schmidt-Podolsky fand es daher „schade“, dass die Grünen „da nicht mitgehen können und für alle in der Bürgerschaft etwas tun“.

Erstmal werden die Dachauer Kleingärten aber noch weiter dezimiert. Die „Sonnengärten“ am Bahnhof sollen langfristig verschwinden, die Stadt will das Grundstück langfristig anders nutzen. Da sich die Idee eines Parkhauses zerschlagen und der Plan eines neuen Kinos noch nicht fix ist, dürfen die Gartler ihre Pflänzchen heuer noch beruhigt einwintern.

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