Stadt-Umland-Bahn

Stiller Tod

In den vergangenen Jahren war es bereits still geworden um die geplante Stadt-Umland-Bahn (SUB), jetzt dürfte das Verkehrs-Großprojekt endgültig gestorben sein. Stattdessen sollen nun Express-Buslinien den öffentlichen Nahverkehr stärken.

Von Stefanie Zipfer

Dachau – Auch wenn im Zusammenhang mit der Stadt-Umland-Bahn (SUB) viel von Tod und Sterben die Rede war, mochte in der jüngsten Sitzung des Verkehrs- und Umweltausschusses des Stadtrats doch keine traurige Stimmung aufkommen. Nur durch Zufall sei man noch „auf diese Karteileiche“ gestoßen, erklärte Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau). Volker Koch (SPD) betonte zwar, die SUB sei einst sein „Herzensthema“ gewesen, nun aber einfach nicht mehr machbar. Peter Strauch (CSU) fand es immerhin „schade, die SUB nun beerdigen zu müssen“.

Tatsächlich reichen die Pläne für die SUB bis in die 1990er-Jahre zurück. Die Bahn sollte das sternförmige System der S-Bahn ergänzen und ringförmig um die Stadt München verlaufen. So sollte zum einen die S-Bahn-Stammstrecke entlastet werden, zum anderen sollten die Umlandgemeinden besser verbunden werden, um eine attraktive Alternative zum Autoverkehr zu schaffen. Das Projekt wurde sogar im Regionalplan festgeschrieben, die Kommunen sollten die für die Trasse erforderlichen Flächen freihalten. Im Landkreis war neben Dachau auch noch Karlsfeld als SUB-Haltepunkt vorgesehen, die Strecke sollte nach Moosach führen.

Genau dieses Freihalten der Flächen aber versetzte in Dachau den schönen SUB-Plänen nun den Todesstoß. Denn: Im Jahr 2009 hatte der Stadtrat nämlich eine mögliche Trassenführung westlich der S-Bahnlinie gekippt; die verbleibende Ost-Trasse aber kommt dem Neubaugebiet Augustenfeld-Nord – inklusive neuem Kino, Gewerbe, Parkhaus sowie einem Fuß- und Radweg über die Schleißheimer Straße – in die Quere. Die Freihaltung der Trasse ist laut Verwaltung damit „nicht zielführend und sehr konfliktbehaftet“ und solle damit auch nicht als „Planungsziel im Bebauungsplan“ für Augustenfeld-Nord aufgenommen werden.

Einzig verbleibende Möglichkeit für eine SUB-Trasse wäre nur noch ein Bereich, der vom Süden kommend bis zum Fahrradparkhaus am Bahnhof verläuft – und dort einen eigenen Kopfbahnhof benötigen würde. Dies aber lehnten alle Stadträte ab.

Bauamtsleiter Michael Simon sprach von einem gewissen „Realitäts-Check“, den man bei der SUB nun gemacht habe und einem überregional verbreiteten „Trend, weg von der Schiene, hin zu Express-Buslinien zu gehen“. Darüber hinaus habe das Projekt immer daran gekrankt, dass es „nie eine belastbare Entscheidung gab, wer die Bahn eigentlich betreiben soll“. Die Stadt München, die Bahn und die MVG hätten das Thema daher stets nur „mit mäßigem Einsatz“ verfolgt. Auf Peter Strauchs Frage hin, ob die SUB in anderen Gemeinden noch Anhänger habe, gab Simon Entwarnung: „Die betreiben es noch weniger als wir.“

Oberbürgermeister Florian Hartmann sah im langsamen Sterben der SUB ein grundsätzliches Problem aller Schienenverkehrsprojekte: „Das kriegen die nicht hin, weil es einfach keinen gibt, der sich übergeordnet dieses Themas annimmt!“ Jüngstes Beispiel sei der DB-Nordring. Insofern hielt sich auch Hartmanns Trauer um das Projekt in Grenzen. Denn selbst wenn die SUB noch angegangen würde, „dann dauert das mindestens 30 Jahre plus x“.

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