Die Tage der Tankstelle sowie, dahinter, der beiden Wohngebäude und der kleinen Werkhalle an der Augsburger Straße 63 a und b sind gezählt. Stattdessen soll auf dem lang gezogenen Grundstück eine große Seniorenwohnanlage entstehen.
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Die Tage der Tankstelle sowie, dahinter, der beiden Wohngebäude und der kleinen Werkhalle an der Augsburger Straße 63 a und b sind gezählt. Stattdessen soll auf dem lang gezogenen Grundstück eine große Seniorenwohnanlage entstehen.

Stadt will sich nicht mehr „verar...en“ lassen

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Die geplante Seniorenwohnanlage an der Augsburger Straße 63 hat eine wichtige planungsrechtliche Hürde genommen. Die Stadt wird für das Großprojekt einen Bebauungsplan aufstellen. Allerdings muss der Investor einen Vertrag unterzeichnen, in dem er sich zur Umsetzung des Plans verpflichtet. Man habe aus alten Fehlern gelernt, begründet das Bauamt diesen Schritt.

Dachau – Als die Stadt dem Entsorgungsfachbetrieb Fink die Vergrößerung seines Betriebsgeländes genehmigte, war sie davon ausgegangen, dass der Dachauer Mittelständler sich an sein Wort halten würde: Gegen das erteilte Baurecht würde der Unternehmer dafür sorgen, dass die Firma einen hübsch begrünten Sichtschutzzaun um ihr Areal bekommt.

Doch auch Jahre später gibt es diesen Zaun nicht. Der Entsorgungsbetrieb Fink wechselte den Besitzer, und der denkt nicht daran, sich an die alte Absprache zu halten. Rechtliche Konsequenzen dafür drohen dem Unternehmen nicht, da es die Stadt versäumt hatte, sich die Zaun-Zusage schriftlich geben zu lassen (wir berichteten).

Diesen Fehler will die Stadt nicht mehr machen. Für die geplante Seniorenwohnanlage an der Augsburger Straße 63 a und b soll es eine städtebauliche Grundlagenvereinbarung geben, die den Bauherrn unter Strafe verpflichtet, sich an die Vorgaben des Bebauungsplans zu halten. „Herr Reinhold will sich nicht mehr verar...en lassen“, erklärte Oberbürgermeister Florian Hartmann am Dienstag den Mitgliedern das Bau- und Planungsausschusses. Mit anderen Worten: Bauamtsleiter Moritz Reinhold wird laut Hartmann das Vorhaben so absichern, „dass ganz klar wird, was wir wollen: einen grün umrankten Turm“.

Der „grün umrankte Turm“ soll dabei der sprichwörtliche Höhepunkt des Bauprojekts werden. So soll auf dem lang gezogenen Grundstück, auf dem heute noch eine alte Tankstelle sowie – in Blickrichtung stadtauswärts – zwei Wohnhäuser und eine Werkstatt stehen, eine vierstöckige Seniorenwohnanlage sowie daneben ein siebenstöckiger Wohnturm entstehen. Eine Tiefgarage, die nach jetzigem Stand über die Augsburger Straße erschlossen wird, soll sich über das vollständige Untergeschoss erstrecken. In Summe plant der Bauherr, The Flag Residential Services GmbH, 65 Wohnungen, für deren Bewohner medizinische und pflegerische Dienstleister zur Verfügung stehen.

Die Stadt aber stellt für diese massive Bebauung nun Bedingungen. Die wichtigste: Der Wohnturm soll als markantes Gebäude erstens architektonisch ansprechend gestaltet und zweitens mit einer begrünten Fassade gestaltet werden. Zudem soll es eine „soziale Infrastruktur“ geben – also einen öffentlich zugänglichen Platz, auf dem es beispielsweise ein Café oder eine Cafeteria gibt. Aufgrund der Größe des Projekts kommen zudem die Grundsätze der Dachauer Baulandentwicklung zur Geltung, was bedeutet, dass der Vorhabenträger einen (kleinen) Teil seiner Wohnungen nicht nur betuchten Senioren, sondern auch bedürftigeren Dachauern zur Verfügung stellt.

Stadtrat Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) stimmte den Plänen unter Vorbehalt zu. „Bei einem Aufstellungsbeschluss können wir noch leicht dafür sein“, erklärte er. Seine endgültige Zustimmung zum fertigen Bebauungsplan mache er dann aber abhängig vom städtebaulichen Grundlagenvertrag, den Stadt und Bauherr nun ausverhandeln werden. Entscheidend sei, „dass die Fassadenbegrünung bleibt, auch wenn das Projekt zum vierten oder fünften Mal den Besitzer wechselt“. Die Stadt habe in diesem Punkt wirklich „schlechte Erfahrungen“ gemacht.

Bis auf Ingrid Sedlbauer (ÜB) stimmte der Rest des Ausschusses wie Kühnel für den Fortgang der Planungen. Sedlbauer befürchtete dagegen, dass der Turm Schule machen könnte. Schließlich will der Freistaat das gegenüberliegende Grundstück, auf dem heute noch die Polizei untergebracht ist, langfristig ebenfalls neu bebauen. Doch Bauamtsleiter Reinhold konnte die Sorge, dass bald hüben wie drüben der Augsburger straße siebenstöckige Türme stehen, zerstreuen: „Der Nachbar kann nicht so hoch bauen, weil die Straße eine baurechtlich trennende Wirkung hat“. Und auch Sedlbauers Sorge, dass es an der Zufahrt zu der neuen Wohnanlage zu „Rückstaus in Richtung stadtauswärts“ kommen könnte, sah Reinhold nicht: „Der Verkehr wird bestimmt überschaubar.“ Unter den Bewohnern einer Seniorenwohnanlage dürfte es schließlich auch viele Nicht-Autofahrer geben.

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