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Parkplatz in Luxuslage: Auf dem Wiesböck-Areal der Amper mit Blick auf das Schloss werden aktuell ausschließlich Autos abgestellt. Nach dem Willen vieler Stadträte könnte dort jedoch bald ein Rathaus entstehen.

Stadträte uneins über Standort für Neubau

Ratlos in Sachen Rathaus

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Das Rathaus der Stadt platzt aus allen Nähten. Heißester Anwärter als Standort für einen Neubau war bislang ein Grundstück am Max-Mannheimer-Platz. Doch nun erfährt ein alter CSU-Vorschlag unerwartet viel Zuspruch: nämlich das Wiesböck-Grundstück an der Amper.

Dachau – Oberbürgermeister Florian Hartmann ging es bei der Diskussion um den Neubau eines Rathauses vor allem um eins: „Das Thema im Sinne der Mitarbeiter endlich zu lösen!“ Denn seit Jahren leide die Stadtverwaltung unter beengten Verhältnissen. Vor allem das Bürgerbüro könne die künftigen Anforderungen unter den derzeitigen Platzverhältnissen nicht mehr leisten. Die Hoffnung der Stadtverwaltung ruhten daher zuletzt auf dem Moordbad-Gelände am Max-Mannheimer-Platz. Dort, so lautete der Vorschlag der Verwaltung, sollte künftig ein viergeschossiger Rathausneubau samt zweigeschossiger Tiefgarage unterkommen. Der Haupt- und Finanzausschuss aber lehnte am vergangenen Mittwoch mit neun zu sechs Stimmen diesen Plan ab.

Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) etwa sah in der Zufahrtssituation zum Moorbadgelände sowie der „nicht unerheblichen Verschattung“ der Scheibner-Schule „deutlich negative Punkte“.

Thomas Kreß (Grüne) gab zu, dass es ihm im Herzen weh tue, wenn „aus dem Max-Mannheimer-Platz ein Max-Mannheimer-Parkplatz“ werde. Und Horst Ullmann (Bürger für Dachau) hält die Verkehrssituation um den Max-Mannheimer-Platz für „unheimlich eng“. Es vergehe kein Tag, so Ullmann, an dem in dem Bereich „nicht irgendjemandem ein Außenspiegel abgefahren“ wird.

Am entschiedensten aber wehrte sich die CSU-Fraktion gegen das Grundstück am Mannheimer-Platz. Und nahm für sich in Anspruch, die bessere Alternative zu haben: das sogenannte Wiesböck-Areal an der Amper, das derzeit als Parkplatz genutzt wird und laut CSU-Fraktionssprecher Florian Schiller derzeit „keine gute Visitenkarte für die Stadt“ abgibt.

Die Verwaltung hatte zwar gute Argumente gegen diesen Vorschlag: Der Parkplatz habe sich für die untere Stadt etabliert, die Sichtbeziehung zum Schloss werde durch einen Neubau verbaut und zudem gelte es, diverse Hochwasser- und Uferschutzvorgaben umzusetzen.

Doch diese Argumente verfingen nicht. Stattdessen malten Sabine Geißler und August Haas (CSU) das Bild einer unterhalb eines Rathausneubaus renaturierten Amper, wobei man den „Uferbereich terrassieren“ und den „Fluss so wieder für die Bürger erlebbar machen“ könnte. Klar, darin waren sich alle Wiesböck-Befürworter einig, das Areal sei aufgrund seiner dreieckigen Form schwierig zu bebauen; doch dazu könnten sich doch Architekten in Form eines Wettbewerbs Gedanken machen? Die Vorgabe, so Geißler: „Ein ansprechendes Gebäude zu schaffen mit viel Grün drumherum!“

Oberbürgermeister Florian Hartmann drückte jedoch auf die Euphorie-Bremse und warnte, in einem Architektenwettbewerb unnötige Kosten zu versenken, wenn noch nicht einmal geklärt sei, ob das Areal überhaupt für einen Verwaltungsbau inklusive ausreichend Parkplätzen und Zufahrtsmöglichkeiten geeignet sei. Auch Sören Schneider (SPD) war der Meinung, dass „wir uns noch zu Tode planen“. Jürgen Seidl (FDP) wollte ebenfalls nicht noch mehr „Gelder verbraten“. Schließlich werde seit Jahren über das Thema debattiert; zuletzt hatte der Ausschuss im vergangenen September eine Machbarkeitsstudie für das Areal am Max-Mannheimer-Platz in Auftrag gegeben.

Edgar Forster (Freie Wähler) kämpfte am Ende der Diskussion vehement für den Vorschlag der Verwaltung und gegen das Wiesböck-Anwesen. Letzteres sei ein viel zu wertvolles Grundstück, als dass man es mit einem „hässlichen Betonschupfen“ zubauen sollte. Der Max-Mannheimer-Platz sei dagegen in seiner Ästhetik nicht zu verachten und für die Bürger gut erreichbar; dort ein Rathaus zu bauen sei zudem wirtschaftlich machbar. Was also, fragte Forster, „wollen wir mehr“?

Ein Großteil der Ausschussmitglieder wollte vor allem eine neue, weitere Prüfung des Wiesböck-Areals. „Schade“, fiel OB Hartman dazu am Ende nur noch ein, „sehr schade“.

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