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Freundschaft am Sousaphone: Tubist Michi Fritz (l.) von der Knabenkapelle Dachau und Gilles Pepay von der Banda Léo. Über die Freundschaft der beiden Musikgruppen war die Idee einer Partnerschaft der beiden Kommunen entstanden.

Interview zu Entscheidung für Partnerschaft

„Sollte keine politische Entscheidung sein“

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Tilo Ederer, Vorsitzender der Knabenkapelle Dachau (KKD), wohnte der Entscheidung des Kulturausschusses für eine Städtepartnerschaft mit Léognan bei. Er spricht von menschlicher Augenhöhe.

Dachau– Ederer und sein Verein hatten die Freundschaft zu dem südwestfranzösischen Ort begründet.

Herr Ederer, haben Sie Ihren Freunden in Léognan schon den Ausgang der Abstimmung mitgeteilt?

Tilo Ederer: Die Nachricht wurde noch während der Sitzung nach Frankreich kommuniziert!

Die CSU fand, dass die 10 000-Einwohner-Gemeinde Léognan zu klein für Dachau und eine offizielle Partnerschaft verfrüht sei. Können Sie diese Skepsis teilen?

Nein. Gerade das Argument der Größe ist meines Erachtens nicht entscheidend. Das Wichtige ist doch die menschliche Augenhöhe. Und genau die haben uns die Franzosen wunderbar vorgelebt.

Denken Sie, dass Sie die Gegner der Partnerschaft noch werden umstimmen können?

Das hoffe ich! Schließlich sollte das doch eine menschliche Entscheidung und keine politische sein.

Wie geht es jetzt weiter, wann planen Sie den nächsten Besuch?

Ich fände es gut, wenn wir eventuell schon im nächsten Frühjahr rüber fahren könnten und der Gegenbesuch in Dachau – mit einer schönen Zeremonie – dann im August zu unserem Volksfest stattfindet.

Dann darf man Sie nun offiziell „Vater der Partnerschaft mit Léognan“ nennen, oder?

Streng genommen ist das mein Vater Gunther. Der hatte als Lehrer am Josef-Effner-Gymnasium gegen viele Widerstände in Frankreich den Schüleraustausch mit Redon begründet. Sogar Ehen sind daraus entstanden! Und er hat Frau Geißler (Stadträtin Sabine Geißler, Bündnis für Dachau; Anm. d. Red.) mit seiner Begeisterung angesteckt, die dann am Ignaz-Taschner-Gymnasium als Lehrerin einen Austausch mit der Stadt Blois initiiert hat.

Sind menschliche Kontakte über Städtepartnerschaften im digitalen Zeitalter überhaupt noch wichtig oder zeitgemäß?

Ja, gerade die Jugend muss doch die Idee von Europa weitertragen! Deshalb hat mich die Argumentation gerade der älteren Stadträte auch ein wenig verwundert.

Was könnte das größere Dachau denn vom kleineren Léognan lernen?

Léognan und die ganze Gegend drumherum haben einfach wahnsinnig viel Charme. Abgesehen davon gibt es in Léognan ein Riesen-Sportzentrum und eine Olympia-Schwimmbahn. So was muss man in Dachau erst mal bauen!

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