Freut sich auf neue Haare und über das Leben: Patrizia Hierzer hatte Krebs, ist nun aber auf dem Weg der Besserung. ans

Stammzellspende für Krebskranke Indersdorferin

Patrizia Hierzer freut sich auf ihr neues Leben

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Patrizia Hierzer bekam im Mai eine schreckliche Diagnose: Blutkrebs. Doch die Indersdorferin nahm den Kampf gegen ihre Krankheit auf. Sie fand einen passenden Stammzellspender – und freut sich nun auf ein neues Leben.

Indersdorf – Patrizia Hierzer trägt eine hellblaue Mütze. „Ich hasse diese Mütze“, sagt sie und nimmt sie ab. Auf ihrem Kopf wachsen schwarze Stoppeln. Dass ihre Haare wieder wachsen, bedeutet Patrizia Hierzer, 51, viel.

Bei der Indersdorferin wurde im Mai Blutkrebs festgestellt, fast 500 Menschen ließen sich deshalb beim Indersdorfer Straßenlauf für eine Stammzellenspende typisieren (wir berichteten). Anfang September bekam sie eine Stammzellspende, von ihrem Bruder Andreas.

Die Diagnose Leukämie war ein Schock für die Familie. Patrizia Hierzer leitete mit ihrem Mann eine Beleuchtungsfirma in Indersdorf, spielte Golf in Odelzhausen, in wenigen Wochen stand ein Trip nach New York an. „Es war ein absoluter Zufall, dass meine Hausärztin die Krankheit entdeckt hat.“ Damals ging sie zum Arzt, weil sie öfter Gürtelrose hatte. Nach mehreren Untersuchungen stellten die Ärzte schließlich Leukämie bei ihr fest.

Sie trägt Jogginghose, Kapuzenpulli und eine braune Hornbrille, spricht mit österreichischem Akzent. Vor rund zwei Jahren sei ihr Vater an Leukämie gestorben und auch ihr Onkel daran erkrankt. Patrizia Hierzer war die Dritte in ihrer Familie – innerhalb von drei Jahren.

Bei Leukämie entwickeln sich durch eine Fehlschaltung der Gene kranke weiße Blutkörperchen. Diese verdrängen gesunde Blutkörperchen. Die Konsequenz: Die Blutkörperchen können Krankheitserreger nicht mehr abwehren. Fünf Jahre nach der Diagnose Leukämie leben nur noch rund 40 Prozent der Erwachsenen.

Bei Patrizia Hierzer wurde der Krebs früh festgestellt, die Blutkörperchen waren noch im Knochenmark und nicht im Blut. Ein Freund sagte ihr: „Du hast nur eine Möglichkeit: Du akzeptierst den Krebs und besiegst ihn.“

Die Mutter einer 16-jährigen Tochter und eines 31-jährigen Sohnes zehrte von der „Macht der positiven Gedanken“, wie sie sagt: „Ich bin kein Mensch, der gerne Schwäche zeigt.“ Der Kampf begann: Bevor Patrizia Hierzer ins Krankenhaus kam, schnitt ihre Freundin ihre langen, rotbraunen Haare auf Höhe der Ohren ab. Ihre vier Geschwister ließen sich testen, ob sie als Stammzellspender geeignet sind. „Ich wusste von Anfang an, dass mein Bruder spenden wird.“ Doch dann der Rückschlag: Die Ärzte im Klinikum Rechts der Isar sagten ihr, dass eine familieninterne Spende wegen eines Gens in ihrem Körper nicht möglich sei. Vier Fremdspender kamen in Frage, doch die passten nicht. Deshalb organisierte Ehemann Stephan Hierzer die Spendenaktion in Indersdorf. „Ich hab mir gedacht, wenn für mich kein Spender dabei ist, dann eben für jemand anderen“, erinnert sich Patrizia Hierzer.

Von Juni bis Oktober lag die Indersdorferin im Krankenhaus, nur rund zwei Wochen durfte sie heim. Sie bekam drei Chemotherapien. Mit dem Krankenhauspersonal und ihrer Familie sprach sie über ihre Krankeit und sagte sich: „Ich bin letztes Jahr 50 geworden, für mich ist noch nicht die Zeit zu gehen!“ Ihre Freunde brachten Fleischpflanzerl, Grüne-Bohnen- oder Rote-Rüben-Salat ans Bett – Erinnerungen an ihre Heimat Kärnten. Und dann klappte es doch: Ihr Bruder durfte spenden!

Am 6. September, dem 20. Hochzeitstag von Patrizia und Stephan Hierzer, wurden ihrem Bruder Stammzellen aus dem Blut entnommen. „Da kursieren totale Schauergeschichten, wie die Spende abläuft“, sagt sie. Doch nur selten muss Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen werden, in den meisten Fällen bekommen die Erkrankten die Spende durch eine Bluttransfusion. Heute steht fest: Patrizia Hierzers Köper nimmt die Stammzellen an. Doch es dauert, bis sie endgültig gesund ist. Aber eines ist für sie sicher: „Für mich war es von der ersten bis zur letzten Sekunde Glück!“

Nach der Spende muss sie noch Medikamente einnehmen, damit ihr Körper die fremden Zellen nicht abstößt. Sie darf niemandem die Hand geben, muss Mundschutz tragen, um sich vor Bakterien zu schützen. Brot muss sie innerhalb eines Tages verbrauchen, die Küche nach dem Essen sterilisieren. Aber ihre Haare wachsen wieder, das ist ein Erfolg, denn: „Du siehst dich im Spiegel und du kannst die Krankheit nicht wegschieben.“ Deshalb freut sie sich auf die Zeit mit Haaren, aufs Feiern, aufs Golfen und vor allem „darauf, dass ich wieder unbeschwert leben kann“!

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