Reaktionen der Dachauer Kreistags-Politiker

Entsetzen über den neuen Klinikchef

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Die Helios Amperkliniken haben einen neuen Geschäftsführer: Gerd Koslowski. Am 1. Februar beginnt der 47-Jährige mit seiner Arbeit in Dachau – schon jetzt eilt ihm aber ein nicht unbedingt guter Ruf voraus (wir berichteten). Wir haben daher bei Mitgliedern des Kreistages nachgefragt: Ist das der richtige Mann für die krisengebeutelte Dachauer Klinik?

-Landrat Stefan Löwl(CSU):

„Ich habe Herrn Koslowski persönlich kennen gelernt, und er macht einen kompetenten und engagierten Eindruck. Selbstverständlich habe ich mich – wie auch die anderen Aufsichtsratsmitglieder – mit den Vorgängen und Vorwürfen während seiner Tätigkeit in München auseinandergesetzt. Dies wurde offensiv kommuniziert, und Herr Koslowski konnte alle Mitglieder des Aufsichtsrats durch sein Auftreten und seine Persönlichkeit überzeugen, dass er die Herausforderungen in Dachau positiv beeinflussen kann. Die Entscheidung durch den Aufsichtsrat erfolgte daher auch einstimmig. Die Verbesserung im Pflegebereich habe ich ihm in einem persönlichen Gespräch besonders ans Herz gelegt.“

-Marianne Klaffki (SPD):

„Für mich ist es wichtig, dass die Dinge, die wir vorgebracht haben, auch umgesetzt werden. Die Pflege muss in jedem Fall sehr deutlich gestärkt und die Belange der Pflegekräfte ernst genommen werden. Ich kenne die Person nicht, habe aber gelesen, dass es kritische Stimmen gibt. Unterm Strich zählt das Ergebnis! Wir müssen ihm deutlich sagen, was man von ihm erwartet, und wir werden sehen, ob er das umsetzt. Wenn das nicht der Fall sein wird, wird die Tonlage sehr deutlich werden.“

-Marese Hoffmann(Die Grünen):

„Ich bin entsetzt! Das darf nicht wahr sein! Man sollte zwar weder Vorschusslorbeeren noch Vorschusstadel verteilen, aber wenn die Recherche über diesen Herren das erbracht hat, bin ich besorgt, wie es weitergeht. Wir brauchen keinen Menschen mit einem rüden Umgangston à la Trump! Wir brauchen jemanden, der mit Respekt auf alle Seiten zugeht. Gerade in dieser Position kommt es auf die Persönlichkeit an. Die Kommunikation zwischen Verwaltung und Pflegenden und Ärzten muss auf Augenhöhe erfolgen. Man darf natürlich niemanden vorverurteilen, aber die zitierten Aussagen bringen mich dazu. Ich mache mir wirklich Sorgen, wie es weitergeht.“

-Wolfgang Offenbeck(CSU):

„Ich kann nichts über ihn sagen, ich kenne ihn nicht. Das Entscheidende wird sein, wie er sich vor Ort bewährt. Die Probleme liegen ja auf der Hand. Es wird eine große Herausforderung für ihn sein, auf einem leeren Markt neue Pflegekräfte zu gewinnen. Und es muss das Vertrauen innerhalb der Belegschaft besser werden. Wir müssen davon ausgehen, dass Herr Koslowski das lösen kann, denn die Klinik wird sich ja was dabei gedacht haben.“

-Sebastian Leiß (Freie Wähler in der Stadt Dachau):

„Es ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht! Ich hoffe, dass er die Probleme an der Klinik in den Griff bekommt und er zumindest eine mittelfristige Lösung ist.“

-Franz Eichinger (Freie Wähler im Landkreis Dachau):

„Es stimmt mich sehr bedenklich, wenn ich lese, welche Vergangenheit Herrn Koslowski begleitet – vor allem, dass er offenbar Probleme mit Personal hat. Denn gerade in Dachau ist doch das Personal so wichtig!“

-MdL Bernhard Seidenath (CSU):

„Ich kenne den Herrn Koslowski unter anderem von seiner Arbeit am Universitätsklinikum München und habe bisher ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt. Ich kann das nicht bestätigen, was in der Zeitung stand. Ich finde es gut, was er zur Pflege gesagt hat, nämlich dass sie Chefsache ist. Denn genau in diesem Bereich hakt es. Es gibt ja selbsterfüllende Prophezeiungen – ich hoffe, es kommt nicht dazu. Es wäre gut gewesen, wenn er ohne Hypotheken seine Arbeit hätte beginnen können.“

Am Freitag, 26. Januar, wird sich Gerd Koslowski im Kreisausschuss vorstellen, dann können ihn die Mitglieder persönlich kennenlernen – leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da es sich laut Landratsamts-Sprecher Wolfgang Reichelt um eine „Personalangelegenheit“ handelt.

Das kann Kreisrat Michael Reindl (Freie Wähler im Landkreis Dachau), überhaupt nicht nachvollziehen. „Wir werden einen Antrag stellen und fordern, dass sich der neue Geschäftsführer öffentlich vorstellt. Das ist unabdingbar – vor allem bei so einem Lebenslauf!“


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