Legen Kränze nieder: Ilse Aigner, Joachim Herrmann und Abba Naor (von links) vor dem Mahnmal der KZ-Gedenkstätte.
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Legen Kränze nieder: Ilse Aigner, Joachim Herrmann und Abba Naor (von links) vor dem Mahnmal der KZ-Gedenkstätte.

Erinnerung an die Opfer der Gräueltaten des Nationalsozialismus

Stilles Gedenken an die KZ-Befreiung

  • Verena Möckl
    vonVerena Möckl
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Zum 76. Mal jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau. Mit Reden und einer Kranzniederlegung erinnerten bayerische Politiker und ein Zeitzeuge an die Opfer der Gräueltaten des Nationalsozialismus. Auch in diesem Jahr fand das stille Gedenken unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Dachau – Grau hängt der Himmel über Dachau, als Abba Naor zum Mahnmal der KZ-Gedenkstätte schreitet. Links von ihm steht Landtagspräsidentin Ilse Aigner, rechts von ihm Innenminister Joachim Herrmann. Es herrscht Stille, als sie die Kränze niederlegen. Sie gedenken der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau und den Opfern des Nazi-Regimes.

Abba Naor ist Vizepräsident des Comité International de Dachau und einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen. Vier Jahre war er im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Heute vor 76 Jahren befreite die amerikanische Armee ihn und die übrigen KZ-Gefangenen. Damals war er 17 Jahre alt.

Heute, mit stolzen 93 Jahren, kehrt er nach Dachau zurück. Schon viele Male war er in Deutschland, besuchte Gedenkstätten und Schulen. Er käme nicht, um junge Menschen zu belasten oder sie zu beschuldigen, seine Aufgabe sei es den Kindern seine Geschichte zu erzählen. „Die Kinder in Bayern, die verstehen manchmal mehr als Erwachsene, die wollen mehr und mehr wissen und genießen von unseren Erzählungen.“

Die Geschichten der Zeitzeugen dürfen nicht verstummen, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller. „Ihre Stimme ist unsere Stimme.“

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann betonte die Relevanz der Erinnerungsarbeit, die der Zeitzeugen sowie die der Gedenkstätten. „Freiheit und Demokratie brauchen Erinnerung und brauchen eine lebendige Gedenkkultur.“ Daraus erwachse das Bekenntnis: „Nie wieder!“ Dafür brauche es unser aller Einsatz, Engagement, Zivilcourage und Mut.

Der Staatsminister des Inneren sicherte seine Unterstützung beim Ausbau der KZ-Gedenkstätte Dachau zu. Diese soll um einige Bauten erweitert werden, die früher zum KZ gehörten und aktuell von der Bereitschaftspolizei genutzt werden, wie die ehemalige Kommandantur. Diese soll Besucherinnen und Besuchern ab 2025 wieder zugänglich sein.

Für Herrmann sind die Konzentrationslager „Symbole der Unmenschlichkeit“ und „Synonyme des Grauens“. „An Orten wie diesen verlassen wir die Zone des Erträglichen – noch heute“, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner. „Wir dürfen uns nicht verschließen vor dem Grauen, und wir müssen vermitteln wie es kam, dass Menschen Menschen so etwas antun konnten.“

Über 200 000 Menschen aus über 40 Nationen wurden im Konzentrationslager Dachau und seinen Außenlagern gefangen gehalten. Mindestens 41 500 Inhaftierte wurden ermordet.

Mit Blick auf die aktuell zunehmende Hetze und Demokratiefeindlichkeit mahnte Aigner vor gewaltbereitem Hass auf der Straße und im Internet. „Wer sich im Kontext von Corona und Impfen einen gelben Stern anheftet, sich als Anne Frank oder Sophie Scholl aufspielt, macht sich der Holocaustrelativierung schuldig.“ All das sei das Gegenteil von „Nie wieder!“. Auch Herrmann hatte klare Worte: „Menschenverachtende Ideologien dürfen nie wieder bei uns Fuß fassen.“

Für Kultusminister Michael Piazolo, der an einer virtuellen Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung teilnahm, sei das Erinnern an und das Wissen um das NS-Regime und seine Opfer eine unverzichtbare Grundlage für eine aktive Prävention gegen extremistische Tendenzen.

Aufgrund der fortdauernden Pandemie erfolgte das stille Gedenken zum 76. Jahrestag wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Die Gedenkstätte mag am heutigen Tag etwas stiller wirken als sonst“, sagte der Stiftungsdirektor Karl Freller, „sie wird jedoch niemals ein stummer Ort sein.“

Virtuelles Gedenken

Das Gedenken zum 76. Jahrestag findet aufgrund der Coronapandemie im virtuellen Raum statt. Interessierte können verschiedene digitale Veranstaltungen und Formate auf der Website der Gedenkstätte besuchen. Bis Sonntag, 2. Mai, werden Livestreams, Videos und Live-Gespräche über https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/liberation übertragen.

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