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Bittere Corona-Situation: Wirte schildern, wie sehr sie die Lage zermürbt - „Lockdown wäre fast besser“

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Von: Stefanie Zipfer

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Kein Lockdown, aber dennoch viel Unsicherheit: Andrea Schneider in der leeren Wirtsstube ihres Zieglerbräu in der Altstadt.
Kein Lockdown, aber dennoch viel Unsicherheit: Andrea Schneider in der leeren Wirtsstube ihres Zieglerbräu in der Altstadt. © sim

Ab Dienstag haben Ungeimpfte in Restaurants, Bars und Kneipen keinen Zutritt mehr. Für die Wirte in Stadt und Landkreis Dachau bedeutet diese 2G-Regel herbe Einbußen.

Dachau – Wenn bei Michael Groß oder Andrea Schneider in diesen Tagen das Telefon klingelt, bedeutet dies sehr oft schlechte Nachrichten: Längst gebuchte Reservierungen, Firmen- und Weihnachtsfeiern werden reihenweise abgesagt. „Stornos, Stornos, Stornos“ bestimmen derzeit das Stimmungsbild im Gasthof Groß in Bergkirchen. Und auch in Schneiders Zieglerbräu in der Altstadt sind schon 90 Prozent aller gebuchten Feiern abgesagt; der Rest, ist sich die Firmenchefin leider sicher, „kommt in den nächsten Tagen“.

Corona im Landkreis Dachau: Wirte klagen über Situation - „Lockdown wäre fast besser“

Dabei ist es ja nicht nur der Umsatz, der Wirtsleuten wie Michael Groß und Andrea Schneider abgeht. „Es ist auch die Motivation. Wir haben geöffnet fürs Rumstehen. Wir werden gezwungen, aufzuhaben für nix, für ein Trauerspiel“, klagt die Dachauerin. Hinzu komme die Unsicherheit: Groß zufolge wisse die Branche „nicht, wie es weitergeht“. Beim Zieglerbräu werde derzeit daher „nur noch von Tag zu Tag geplant“.

Die 2G-Regel selbst ist bei alldem gar nicht das eigentliche Problem, wie beide Unternehmer betonen. „Es kamen zuletzt eh nur noch Geimpfte und Genesene“, erklärt Groß. Problematisch sei, dass die Wirte Strom, Heizung, Lebensmittel und Personal vorhalten müssen – nicht wissend, wie viele Bürger sich noch trauen, angesichts explodierender Infektionszahlen in ein Lokal zu gehen. Im Grunde, sagt deshalb Andrea Schneider, „wäre der Lockdown fast besser. Da wissen wir wenigstens, woran wir sind“.

2G-Regel für Gastro tritt am Dienstag offiziell in Kraft

Auch Dehoga-Kreisvorsitzender Groß räumt ein, dass es im Lockdown immerhin eine fixe finanzielle Unterstützung gegeben habe, „da waren die Kosten gedeckt“. Grundsätzlich wollten er und seine Kollegen „nix geschenkt, aber wir müssen überleben“!

Die gute Nachricht in der schlechten: Noch schlimmer als die seit Dienstag offiziell geltende 2G-Regel wäre eine Regelung nach dem Modell 2G plus, sprich: es dürften nur noch Geimpfte und Genesene mit negativem Coronatest in die Lokale. Das, glaubt Schneider, „wäre fatal“.

Groß versucht daher, von seinen 35 festangestellten Mitarbeitern und ebenso vielen geringfügig Beschäftigen möglichst viele zu halten und durch diesen Corona-Winter zu bekommen. Alle, fürchtet Groß, „werde ich nicht brauchen in den nächsten Wochen“. Dank des guten Firmenklimas in seinem Haus und der großzügigen Kurzarbeiterregelung der Bundesregierung habe er aber nach dem Lockdown im vergangenen Winter immerhin keine Abgänge verzeichnen müssen: „Die kamen wieder. Zum Glück.“

Corona im Landkreis Dachau: Strenge Kontrollen - kein Erbarmen mit „schwarzen Schafen“

Wer dieser Tage dennoch in ein Wirtshaus gehen möchte, dem versprechen Groß und Schneider größtmögliche Sicherheit. Die Impf- oder Genesenennachweise würden inklusive Personalausweis streng kontrolliert. Die von Polizei und Landratsamt angekündigten Kontrollen in der Gastroszenen können daher „gern kommen“, wie die Zieglerbräu-Chefin betont. Ginge es nach ihr, hätte den „schwarzen Schafen“ unter den Wirten, die die Coronaauflagen nicht buchstabengetreu verfolgt hätten, ohnehin schon viel früher auf die Finger geklopft werden dürfen.

Dass es Gastro-Unternehmer gibt, die angesichts diverser Probleme in der Branche – neben Corona ist dies vor allem der Fachkräftemangel – aufgeben, kann Andrea Schneider verstehen. „Es ist alles nur noch ein Wahnsinn“, seufzt sie. Und gibt zu, mit dem Verkauf ihrer Zieglerbräu-Immobilie an die Stadt Dachau im Frühjahr 2019 ein „Riesen-Glück“ gehabt zu haben. Müsste sie auch noch das altehrwürdige, denkmalgeschützte Gebäude unterhalten, dann, ist sie sich sicher, „würde es uns nicht mehr geben“.

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