Streit um Zigaretten endet vor Amtsgericht

Frau schubst Verlobten die Treppe hinunter

Ein Frau hat ihren Verlobten die Treppe hinunter gestoßen. Nun wurde sie vom Amtsgericht Dachau zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Dachau Ach, die Welt kann so schön sein. Eine Flasche Bier, Zigaretten und gute Gespräche mit Brüdern und Schwestern im Geiste – so mancher aus dem Zirkel derer, die sich gerne auf den Stufen, die hinauf zum Dachauer Bahnhof führen, treffen, braucht nur das, um seinen Tag auszufüllen. Blöd nur, wenn die Zigaretten ausgehen und ein Bruder im Geiste keine hergeben möchte. Dann ist der Tag getrübt. Fatal wird es, wenn man den ehemaligen Bruder im Geiste aus Zorn darüber die Treppe hinunter schubst und der sich übel den Kopf stößt und tiefe Schnittwunden holt, weil die Bierflasche in seiner Hand zerbricht. Vielleicht wollte er auch sein Bier nicht rausrücken? Kommt alles zusammen, wie im Falle eines Mitglieds des Stufen-Zirkels, einer 48-Jährigen aus Karlsfeld, dann ist die Welt ganz und gar nicht mehr schön, weil man den Tag statt auf dem luftigen Bahnhofsvorplatz in einem stickigen Saal des Amtsgerichts verbringen muss und einem Staatsanwalt gegenübersitzt, der einen am liebsten vier Monate im Gefängnis sehen möchte.

Unsere Angeklagte hatte noch eine Hoffnung, den Tag zu retten. Strafrechtlich beschlagen – aufgrund zahlreicher vorangegangener Prozesse gegen sie – schwieg die Frau zum Tathergang. Günstig war überdies, dass ihr Opfer gleichzeitig ihr Verlobter ist und somit ein Zeugnisverweigerungsrecht besitzt, von dem er in der Hauptverhandlung Gebrauch machte. Unser Paar hätte wohl auch im stickigen Saal des Amtsgericht einen schönen Tag verlebt, wäre da nicht dieser Student gewesen, der damals – es war im August vergangenen Jahres – zufällig des Weges kam und den Schubser mitbekam. Der junge Zeuge war sich seiner Sache „sehr, sehr sicher“, wie er sagte.

Auf der Stirn von Richter Christian Calame bildeten sich tiefe Sorgenfalten, als er die Essenz der vorangegangenen Prozesse gegen die Angeklagte vortrug. Er sprach von Verurteilungen wegen Bedrohung, Diebstählen oder gefährlichen Körperverletzungen. Dann sprach er sein Urteil: vier Monate Gefängnis. Aber: auf Bewährung. Somit konnten die Angeklagte und ihr Opfer/Verlobter doch noch den Rest des Tages genießen – bei Bier, Zigaretten und guten Gesprächen mit Brüdern und Schwestern im Geiste. 

Thomas Zimmerly

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