Seltene Auszeichnung: Die Goldene Bürgermedaille der Stadt Dachau ging an Edda Drittenpreis und Dr. Heinrich Lehn. OB Florian Hartmann überreichte sie. foto: sponder

Goldene Bürgermedaille der Stadt Dachau

Tafelgründerin und Kinderarzt geehrt

Nach vielen Jahren Pause sind in Dachau wieder Bürgermedaillen verliehen worden. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) zeichnete Edda Drittenpreis und Dr. Heinrich Lehn aus.

Dachau – In knapp 30 Jahren sei sie erst an 16 Persönlichkeiten verliehen worden, sagte OB Florian Hartmann bei der Verleihung; die Bürgermedaille bleibe damit eine besondere Ehrung.

Seit 1964 engagiert sich Edda Drittenpreis als Kreisverbandsmitglied im Bayerischen Roten Kreuz. Sie stellte den BRK-Kleiderladen auf die Beine. Doch vor allem ist Edda Drittenpreis’ Name mit der Dachauer Tafel verbunden, die sie vor knapp 16 Jahren gründete. Diese mit einem Unternehmen vergleichbare Institution mit ihren 85 Helfer leitet sie bis heute ohne einen einzigen Cent ehrenamtlich. In 25 000 Arbeitsstunden versorgt dieses Team jedes Jahr rund 1000 Bezugsberechtigte. Das ist nach den Worten Hartmanns erfreulich und beschämend zugleich. Erfreulich, weil es die Dachauer Tafel gibt. Beschämend sei jedoch, dass sie überhaupt nötig sei, weil es Menschen gebe, die sich nicht einmal das Notwendige zum Leben leisten können.

Nach dem Prinzip „Ladies first“ ehrte der OB im Anschluss Dr. Heinrich Lehn, der 29 Jahre in Dachau als Kinderarzt praktizierte und sich daneben 22 Jahre als ÜB-Stadtrat engagierte, als Zweiten. Wie der OB am Schluss anhand seines Impfpasses bewies, war Dr. Lehn auch sein Kinderarzt. Ende der 60er Jahre aus der Rheinpfalz nach Dachau gezogen, ließ sich Lehn hier als Kinderarzt nieder, zeichnete sich aber laut OB dadurch aus, dass er ständig unterwegs war und so eine enorme Vielzahl an Hausbesuchen absolvierte.

„Außerdem betreute er anfangs sowohl das Dachauer Kreiskrankenhaus als auch die Koschade-Klinik. „1988 gründete er den Kindernotdienst und gab damit der ärztlichen Notfallversorgung von Kindern in Dachau eine professionelle Organisationsstruktur“, so Hartmann. 1978 wurde Dr. Lehn erstmals in den Stadtrat gewählt. 1996 ließ er sich auf einem eigentlich aussichtslosen hinteren Listenplatz noch einmal aufstellen. Doch die Rechnung hatte er ohne die Dachauer gemacht, die ihn wieder nach vorne in den Stadtrat häufelten. Der OB sagte: „Er zeigte jedem Stadtratskollegen über die Parteigrenzen hinweg Respekt und Wertschätzung. Mehr Menschen vom Schlage eines Dr. Heinrich Lehn täten wohl jedem politischen Gremium in Deutschland gut.“

In ihrer kurzen Dankesrede betonte Edda Drittenpreis, dass sie die Ehrung stellvertretend für alle ihre Mitarbeiter bei der Dachauer Tafel, insbesondere für ihre Stellvertreterin Brigitte Geber annehme. Sie bedankte sich bei Stadt und Landkreis für die Übernahme der Miet- und Nebenkosten, beim BRK-Kreisverband für die gute Zusammenarbeit und besonders bei ihrer Familie für das Verständnis für ihr aufwändiges Ehrenamt.

„Die Auszeichnung freut mich sehr – und ein bisschen bin ich auch stolz darauf“, gab Dr. Lehn zu. Nächstes Jahr sei er 50 Jahre in Dachau, das ihm längst zur zweiten Heimat geworden sei, sagte er mit vor Rührung brüchiger Stimme.

Reinhard-Dietmar Sponder

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