Josef Mederer
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Seelische Krisen kennen keine Uhrzeit. Josef Mederer Oberbayerischer Bezirkstagspräsident

Weiterentwicklung der Krisenhilfe im Landkreis Dachau

Tag und Nacht Erste Hilfe für die Seele

Dachau – Der Krisendienst Psychiatrie Oberbayern hat sein Hilfsangebot für sechs Landkreise erweitert, unter anderem auch für den Landkreis Dachau. Hilfesuchende können sich ab 1. Mai erstmals rund um die Uhr an die mobilen Einsatzteams wenden.

Der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Mederer sieht darin einen „neuen Meilenstein für den Krisendienst“ und eine wichtige Ergänzung zu dem bereits bestehenden Programm, denn „seelische Krisen kennen keine Uhrzeit“. Mederer sprach von einem „Tag der Freude“, nun auch im eigenen Heimatlandkreis dieses Angebot erbringen zu können und bedankte sich für die Unterstützung bei Oberbürgermeister Florian Hartmann. Mederer sprach in diesem Zusammenhang auch von einer „gemeinsamen Verantwortung“. Es sei wichtig, die kommunale Verbindung immer wieder herzustellen. Der Freistaat Bayern übernimmt die Kosten für die Leitstelle (rund 3 Millionen Euro), für die restlichen Kosten in Höhe von 13,2 Millionen Euro müssen allerdings die Kommunen aufkommen.

Von den Krankenkassen kommt keine finanzielle Unterstützung. „Die Krankenkassen weigern sich nach wie vor, hier die Kosten zu übernehmen“, kritisiert Mederer. Dabei werden gerade durch die Präventionsarbeit des Krisendienstes Klinikaufenthalte minimiert, wodurch Kosten für die Krankenkassen eingespart werden können.

„Zwangseinweisungen gehören dank der Krisenhilfe zur Ausnahme“, sagt Mederer. Sinn des Krisendienstes sei es Menschen nicht zu psychiatrisieren. „Wir helfen diskret und gezielt, ohne dass die Situation weiter eskaliert“, erklärt Jenny Brunken, Teamleiterin für die mobilen Tagdienste.

In Dachau ist der Krisendienst bereits seit fünf Jahren erfolgreich tätig. Bürgerinnen und Bürger konnten bisher die psychischen Hilfeleistungen von 8 bis 16 Uhr in Anspruch nehmen. Mit der Erweiterung der Krisenhilfe sind die mobilen Teams nun auch über diese Zeiten hinaus in Rufbereitschaft.

Das begrüßt auch die ärztliche Leiterin der Leitstelle, Dr. Petra Brandmeier: „Damit gelingt es uns, individuell auf die jeweiligen Krisensituationen zu reagieren.“ Jeweils zu zweit rücken die nicht ärztlichen Einsatzkräfte innerhalb einer Stunde aus, um Menschen in psychischen Notlagen zu entlasten und begleiten. Für Alexandra Gorges, Regionalleiterin der mobilen Einsatzteams (unter anderem für Dachau), ist das oberste Ziel: „Wir wollen Krankheitsbilder verhindern und Familien stabilisieren.“

Verena Möckl

Krisendienst Psychiatrie Oberbayern

Zur Hauptaufgabe der Krisenhilfe zählt die Präventionsarbeit. Durch Beratungen, Weitervermittlungen an Therapeuten und Begleitung in Kliniken sollen Hilfesuchende entlastet und unterstützt werden. Auch die Krisennachsorge spielt eine wichtige Rolle. Unter der Telefonnummer 08 00/6 55 30 00 können Betroffene und Angehörige Hilfe erhalten. Die Anrufenden kommen automatisch bei der der für ihren Aufenthaltsort passenden Leitstelle an. Rund 30 000 Telefonate gingen im Jahr 2020 bei der zentralen Leitstelle ein.  

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