Arbeiten von zu Hause aus: ein wichtiges Instrument, die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.
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Arbeiten von zu Hause aus: ein wichtiges Instrument, die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.

Landkreis-Behörden und öffentliche Unternehmen fördern Homeoffice in Coronazeiten

Heimarbeit im Landkreis Dachau: „Technisch gut aufgestellt“

Dachau – Auch wenn es inzwischen einige Erleichterungen gibt, befindet sich Deutschland noch immer im Corona- Lockdown. Ein wichtiges Instrument, die Ansteckungsgefahr mit dem Virus zu reduzieren, ist die Heimarbeit. Daher fordert die Bundesregierung Unternehmen und Behörden auf, wo immer es möglich sei, Mitarbeiter im Homeoffice zu beschäftigen.

Die Stadt kommt dieser Aufforderung nach. Wie OB Florian Hartmann zuletzt im Interview mit der Heimatzeitung berichtete, arbeiten derzeit rund 160 Rathaus-Mitarbeiter von zuhause aus. Doch auch die anderen Landkreisbehörden und öffentlichen Unternehmen verhalten sich vorbildlich.

Arbeitsagentur

Christine Schöps, Pressesprecherin der Dachauer Arbeitsagentur, berichtet, dass Homeoffice kein neues Thema für die Bundesagentur für Arbeit sei. Seit 2005 gebe es dafür eine Dienstvereinbarung. Seit Beginn der Coronapandemie sei jedoch die Infrastruktur für mobiles Arbeiten und die Ausstattung der Beschäftigten mit Laptops spürbar aufgestockt worden. Bundesweit, so Schöps, würden zur Zeit 68 Prozent der Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten, für die Dachauer Agentur gebe es keine genauen eigenen Zahlen, die Quote sei jedoch ähnlich. Die Mitarbeiter, die in der Agentur tätig seien, etwa in der Poststelle oder am Notfallschalter, hätten Einzelbüros.

Landratsamt

Wolfgang Reichelt, Pressebeauftragter des Landratsamtes, spricht davon, dass in seiner Behörde rund 60 Prozent der Beschäftigten der Kernverwaltung von zu Hause aus arbeiten würden. Auch im Landratsamt gebe es schon „seit Jahren eine großzügige Homeoffice-Regelung“. Aktuell müsse jeder Fachbereich eigentlich nur sicherstellen, dass die Post täglich vor Ort gesichtet und verteilt werde, ansonsten könne beziehungsweise sollte grundsätzlich im Homeoffice gearbeitet werden. Notwendige Termine von Bürgern, die nicht elektronisch, telefonisch oder als Videokonferenz erledigt werden können, würden nach vorheriger Terminabstimmung wahrgenommen. Bei einigen Fachbereichen gehe Homeoffice allerdings nicht, da hier Präsenz nötig sei. Reichelt nennt in diesem Zusammenhang den Bauhof, den Wertstoffhof, das Gesundheitsamt, das Asyl- und Ausländeramt oder die Zulassungsstelle.

Finanzamt

Auch im Finanzamt gebe es keine Verpflichtung zur Teilnahme am Homeoffice, berichtet Robert List, der Leiter des Amtes. Die Mitarbeiter würden jedoch auf die Möglichkeit der Erbringung ihrer Arbeitsleistung von zu Hause aus aufmerksam gemacht und seien auch dazu angehalten, davon Gebrauch zu machen. Das freiwillige Arbeiten zu Hause werde von der Mehrheit der Mitarbeiter gut angenommen, so der Finanzamtsleiter. Eine konkrete Anzahl der sich im Homeoffice befindlichen Kollegen lasse sich aber nicht beziffern, weil diese täglich variiere. Die Arbeitsprozesse der Steuerverwaltung seien, so List, „bereits weitgehend digitalisiert“. In Arbeitsbereichen, die noch stärker papierbasiert arbeiteten, seien entsprechende organisatorische Lösungen geschaffen worden, damit auch hier Homeoffice ermöglicht werden könne.

Amtsgericht

Die neun Richter am Gericht waren schon vor der Pandemie wie auch die Rechtspfleger mit Laptops ausgestattet worden. Die Richter können seit jeher außerhalb ihrer Sitzungen frei entscheiden, wo sie arbeiten möchten, sagt Richter Stefan Lorenz. Jedoch seien Gerichtsverhandlungen auch in Coronazeiten in Präsenz durchzuführen. Nur so könnten er und seine Kollegen auch einen fundierten Eindruck von Sachverhalten und den Verfahrensbeteiligten erhalten, so Lorenz. Jedoch gebe es in den Sitzungssälen Lüftungskonzepte und Höchstgrenzen von anwesenden Personen, auch die Anzahl der Sitzungen pro Tag sei reduziert worden. Für die weiteren Beschäftigten des Amtsgerichts betont Geschäftsleiter Edgar Bernhardt, dass ein gewisses Maß an Präsenz aus mehreren Gründen geboten sei: So müssten Wachleute weiter vor Ort sein, auch Rechtspfleger hätten Parteiverkehr. Gerichtsakten würden darüber hinaus meist noch in Papierform geführt, was die Arbeit von zu Hause aus erschwere.

Stadtwerke

Bei den Stadtwerken Dachau, so Pressesprecherin Cornelia Scheyerl, nutzten bereits seit dem Herbst 2020 viele Mitarbeiter die Möglichkeiten des Homeoffice. Die technischen Voraussetzungen seien daher bereits vorhanden gewesen und hätten im letzten Frühjahr nur ausgebaut werden müssen. Aufgrund der Aufgabenstruktur der Stadtwerke gebe es jedoch auch viele Unternehmensbereiche, in denen Homeoffice generell nicht oder nur eingeschränkt möglich sei. Das betreffe insbesondere die Versorgungssparten Strom, Erdgas und Wasser, die Kläranlage und natürlich den Verkehrsbetrieb und die Bäder. Zusammen mache das einen Anteil von gut 60 Prozent aller Arbeitsplätze bei den Stadtwerken aus. Rund 40 Prozent aller Arbeitsplätze bei den Stadtwerken seien dagegen Homeoffice-fähig. Wo möglich, wurden Abteilungen und Sachgebiete in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils abwechselnd zur Hälfte im Büro und im Homeoffice arbeiten würden.

Sparkasse

Die Sparkasse Dachau bietet bereits seit 2013 ihren Beschäftigten die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Aktuell wurde, so Pressesprecherin Sabrina Steinau, mit rund 60 Prozent aller Mitarbeiter eine Vereinbarung zum Homeoffice abgeschlossen. Dabei reichten die Homeoffice-Zeiten von wenigen Tagen im Monat bis zu zwei und vier Homeoffice-Tagen in der Woche. Die Sparkasse fördere diese Arbeitsform durch die entsprechende Investition in Hardware, aber auch durch eine Umstellung auf digitale Prozesse seit langem, weshalb die Bank „technisch und organisatorisch sehr gut in Sachen Homeoffice unterwegs“ sei. Eine Verpflichtung zur Nutzung eine Homeoffice-Arbeitsplatzes bestehe aber nicht. Von zuhause arbeiten würden „nicht nur Beschäftigte in den Verwaltungsbereichen, sondern auch Kundenberater bis hin zu den Führungskräften, die zumindest Teile ihrer Tätigkeiten von zu Hause aus erledigen können“. Gleichzeitig halte die Sparkasse aber auch ihre Geschäftsstellen offen, um in dieser Zeit „Kundenströme zu entzerren und nicht durch reduzierte Öffnungszeiten Kontakte zu konzentrieren“.

Bernhard Hirsch

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