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Turbulent geht es in der Backstube zu: Herbert Thurner als Opa, Monika Trejo-Lidl als Frauenbundvorsitzende, Marion Peccolo als Frauenbundmitglied und Renate Mehlhase als Nachbarin Elfriede (v.l.).

Theater am Stadtwald

Der Bäcker, der keine Frau braucht

Das konservative Dorf versteht die Welt nicht mehr: Alle suchen für Bäcker Michi Dettermeier eine Frau – aber die will er gar nicht. Das Theater am Stadtwald zeigt derzeit eine Realsatire, in der alle Rollen perfekt besetzt sind.

VON MIRIAM KOHR

Dachau – „Kein Kuchen ist auch keine Lösung“ steht da auf der Kaffee-Preistafel. Diese hängt auf einer olivgrünen Wand zusammen mit gerahmten Blumenstillleben. Die pinken Tischdecken und der rosa Vorhang verleihen dem Café eine kitschige, aber mit den Holzstühlen gemeinsam auch gemütliche Atmosphäre. Auf dem Verkaufstresen stehen eine Sahnetorte und ein Gugelhupf, Semmeln, Brezen und Croissants liegen in der Anrichte und Brote sind in einem Holzregal dahinter zu sehen.

Schon allein am Bühnenbild erkennt man, dass das Stadtwaldtheater des ASV Dachau sich wieder alle Mühe gemacht hat, um den Zuschauern einen guten Abend zu bescheren. Dabei hält das Stück „Bauer braucht Frau“ auch eine Überraschung parat, die man nur selten auf einer bayerischen Volksbühne zu sehen bekommt.

15 Spieler und sieben Statisten stehen schon seit 2. November jedes Wochenende auf der ASV-Bühne. „Es sind querbeet alle Altersklassen vertreten“, ist Regisseurin Ingrid Zellner selbst begeistert. Sie hat von dem Stück 2017 gelesen, das Jürgen Kirner, Frontmann der Couplet-AG und Gastgeber der „Brettl-Spitzen“, geschrieben hat und Ende 2017 seine Uraufführung erlebte. Eine „Realsatire“ in drei Akten, die „unterhaltsam, kurzweilig und aktuell ist“, wie Zellner sagt. Nach Recherchen war ihr klar, dass es das Stück werden muss – jedoch nur mit bestimmten Schauspielern. „Hätten mir ein paar abgesagt, die ich für bestimmte Rollen vorgesehen hatte, hätte ich das Stück verschoben“, gesteht sie. Zum Glück sagten alle zu, denn in der Tat sind alle Rollen perfekt besetzt. Hauptdarsteller Alexander Langer verkörpert den netten, aber auch von seiner Familie genervten Bäcker mit Bravour. Herbert Thurner mimt überzeugend den Opa, der nichts anderes im Sinn hat, als online im Dating-Portal Frauen abzugreifen. Aber auch die Nebendarsteller sind fein besetzt wie Marcel Jahn, der so überzeugt den indischen Dorf-Pfarrer gibt, dass man vergisst, dass die dunkle Farbe auf seinem Gesicht nur Schminke ist. Und wenn Monika Trejo-Lidl die empörte, mit Sahne bespritzte Frauenbundvorsitzende spielt, sind Lacher garantiert.

Vor allem ein Detail fand Ingrid Zellner ausschlaggebend und wichtig: „Am Ende bekommt der junge Mann keine Frau ab, sondern einen Mann.“ So viel verrät sie schon. Daraus resultieren auch das Chaos und viele Gags in der Geschichte, denn die tratschende Nachbarin und die konservativen Frauenbund-Mitglieder verstehen idie Welt nicht mehr. Sie versuchen gar den „schon immer etwas andersartigen Michi“ aus „akuter Nächstenliebe“ zu „heilen“. Es wird mit Klischees und Vorurteilen gespielt, aber auf eine humorvolle Art und Weise.

„Das Stück hat noch mehr aktuelle Bezüge, die mir gefallen“, sagt Zellner, die seit Ende der 80er Jahre im Theater tätig ist. So veranstaltet Michis Mutter als frischgebackene Dessous-Beraterin eine Dessous-Party, das Landratsamt sitzt mit bürokratischen Auflagen im Nacken des jungen Bäckers, der Discounter mit der Billig-Aufbackware macht das Leben von Michi auch nicht leichter, und beim Online-Dating werden lieber „Fake“-Daten benutzt.

Karten

für „Bäcker braucht Frau“ des gibt es bei der Dachauer Rundschau oder an der Abendkasse. Es finden noch Aufführungen statt am heutigen Samstag sowie an den Wochenenden, 15./16. sowie 22./23. November jeweils um 20 Uhr (Einlass 18.20 Uhr).

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