die Ludwig-Thoma-Musikanten aus Dachau
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Auf der Münchner Wiesn spielen, das war der Ritterschlag für die Ludwig-Thoma-Musikanten aus Dachau.

Sie haben Tausende Oktoberfest-Besucher unterhalten

Nach 49 Jahren gekündigt: Dachauer Thoma-Musikanten sind nicht mehr Wiesnband

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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„Mia san Wiesnband“ heißt es noch auf der Internetseite der Dachauer Ludwig-Thoma-Musikanten. Ein Hinweis, den Kapellmeister Rainer Hernek wohl demnächst löschen wird. „Wir sind ab sofort nicht mehr die originale Festkapelle der Bräurosl“, teilt Hernek mit.

Dachau – Die Dachauer Ludwig-Thoma-Musikanten sind keine Wiesnband mehr. Bräurosl-Festwirt Peter Reichert, der künftig als Nachfolger der Familie Heide das Wiesnzelt der Hacker-Pschorr-Brauerei auf dem Münchner Oktoberfest übernimmt, möchte ein anderes musikalisches Konzept umsetzen. „Und damit wird eine andere Kapelle Einzug halten“, so Hernek. Damit endet jetzt eine jahrzehntelange Tradition, im nächsten Jahr hätten die Ludwig-Thoma-Musikanten ihr 50-jähriges Jubiläum als Festkapelle der Pschorr-Bräurosl feiern können.

Denn als Fred Geisser 1972 die Leitung der Kapelle übernahm, die damals noch Dachauer Blaskapelle hieß, schaffte er es im selben Jahr ins Wiesnzelt auf dem Münchner Oktoberfest. Das Dachauer Orchester spielt viel auf Volksfesten in ganz Bayern, aber das Engagement auf der Münchner Wiesn, dem größten Volksfest weltweit, „das war ein Ritterschlag“.

Oktoberfestkapelle blieben die Dachauer Musiker über all die Jahre mit ihrer Erfahrung, ihrem ausgeprägten Gefühl fürs Publikum und dessen Stimmung. Im Bräuroslzelt „haben wir immer genau gewusst, welches Genre wann gewünscht wird“, erzählt Leiter und Dirigent Rainer Hernek, selbst aktiver Musiker. Ruhige Blas- und Bigband-Musik zu den Essenszeiten, sonst ein Repertoire, das für Stimmung sorgt. Die lange Tradition als Wiesnband, „da bin ich schon stolz darauf“, sagt Hernek. Doch Peter Reichert, der bisher als Wirt das Volkssängerzelt „Zur Schönheitskönigin“ auf der Oidn Wiesn gemanagt hat, plant für die Bräurosl offenbar etwas Neues. „Mehr reine Blasmusik“, weiß Hernek.

Die Ludwig-Thoma-Musikanten wollen weiter auf Volksfesten spielen, ihren Mix aus böhmischer Blasmusik, Bigbandmusik, Rock- und Pop-Klassikern präsentieren. „Wir freuen uns auf unser Publikum gerade auch auf unserem heimischen Dachauer Volksfest.“ Auch dort sorgen die Ludwig-Thoma-Musikanten stets für beste Stimmung im großen Zelt.

Wann ein Wiedersehen allerdings wieder möglich sein wird, ist derzeit offen. Bis auf eine Fernsehaufzeichnung im Juli stand das Orchester seit Beginn 2020 nicht mehr auf der Bühne. Auch in diesem Jahr, so schätzt Hernek, wird es wohl keine Volksfeste geben. Dennoch geht der Blick in die Zukunft. Aktuell bearbeitet er Aufnahmematerial für zwei neue CDs, die geplant sind und arbeitet mit neuen Arrangements am Programm. „Wir sehen uns auf jeden Fall wieder.“

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