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Entzündete Augen, leerer Blick: Katzenbabys kämpfen im Dachauer Tierheim derzeit um ihr Leben.

Notfall bei den Samtpfoten

Tierheim Dachau bittet um Hilfe: 17 Katzenbabys an Katzenseuche erkrankt

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Die gefährliche Katzenseuche wütet im Dachauer Tierheim. 17 Katzenbabys haben sich bereits angesteckt. Die Kleinen mussten in Tierkliniken gebracht werden. Der Pflegeaufwand dort ist enorm. Das Tierheim startete eine Online-Spendenaktion, die sehr erfolgreich verlief.

Erst Corona und jetzt auch noch die hoch ansteckende Katzenseuche im Haus. „Es hat uns voll erwischt“, sagt Silvia Gruber, die als Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins auch ehrenamtlich das Tierheim an der Roßwachtstraße leitet. 17 Katzenbabys mussten kürzlich in Tierkliniken verlegt werden. Die Diagnose der enorm infektiösen Katzenkrankheit war dann eine Hiobsbotschaft.

Denn die Behandlung erfolgt wegen der Ansteckungsgefahr in der Klinik auf höchster Hygienestufe, die Tiere erhalten Infusionen und Medikamente, berichtet Silvia Gruber. „Das ist ein enormer Pflegeaufwand.“ Neben der Sorge, ob die Kleinen es schaffen würden, hatte die Leiterin des Tierheims deshalb sofort die finanziellen Folgen im Blick. „20 000 Euro werden nicht reichen für die Klinikkosten“, sagt Gruber. Schnell war klar, dass das Tierheim jetzt Unterstützung benötigt.

Also startete Gruber einen Spendenaufruf über die digitalen Medien. Die enorme Resonanz hat die engagierte Kämpferin für den Tierschutz überrascht. Allein über das Bezahlsystem Paypal hätten 473 Spender schon 15 632,70 Euro überwiesen. Auch auf den Bankkonten des Tierheims ist ein schöner Betrag eingegangen. Nachdem es der Spendenaufruf ohne ihr Zutun auf die Onlineseite eines überregionalen Nachrichtenmagazins geschafft hatte, kamen Hilfsgelder aus ganz Deutschland. „Viele kleine Beträge, die mich umso mehr freuen, weil viele Leute aktuell selbst wenig Geld haben.“ Auch nette Botschaften hätten Spender mitgesendet, „ich bin begeistert“.

Die großzügige Hilfe von Tierfreunden freut Gruber, die sich ursprünglich vorgenommen hatte, ohne Spendenaufruf durch die Corona-Krise zu kommen. Und wenn der Krankheitsausbruch nicht gewesen wäre, hätte es auch geklappt. Natürlich, wichtige Aktionen des Tierschutzvereins wie der traditionelle Osterbasar oder die Flohmärkte müssen heuer ausfallen.

Weil es vielen Tierheimen so geht, forderte der Deutsche Tierschutzbund vor Wochen bereits einen Soforthilfefonds. Doch Gruber plant, eigene Reserven einzusetzen. Für den lange geplanten Erweiterungsbau hat der Verein nämlich nicht zweckgebundene Rücklagen angespart, die werden nun angegriffen. „Wir müssen unsere Rechnungen bezahlen.“ Die Bauarbeiten für den Neubautrakt, die sich bereits mehrfach verzögert haben, sollen deswegen aber nicht erneut geschoben werden, sondern im Herbst starten. Denn gerade der aktuelle Krankheitsausbruch zeige, wie dringend notwendig mehr Raumkapazitäten sind, erklärt Gruber.

Die ansteckende Katzenseuche hatte nur eine Chance, weil die beiden Quarantäne-Räume im Tierheim bereits belegt waren. Es also an ausreichend Platz fehlt. Denn tatsächlich sind für das Tierheim kranke Tiere – egal ob vom Besitzer abgegeben oder im Landkreis aufgefunden – schon die Regel, beklagt die Tierheimleiterin. „Seit Monaten bekommen wir nur Tiere, die enorm aufwändige Untersuchungen oder Behandlungen benötigen.“

Aktuell gerade wieder einen Bernhardiner, der eine Ohrenoperation braucht, Kostenpunkt 2000 Euro, je Ohr. Wenn eine junge Katze abgeliefert werde, die nur „geimpft, entwurmt und gechipt werden muss, das ist ein Glücksfall.“ Leider würden immer mehr Freigänger-Katzen von Autos angefahren, müssten dann operiert werden. Die medizinische Versorgung der Unfallfolgen wie etwa eines Beckenbruchs kostet 2500 Euro. Sobald Besitzer das nicht übernehmen können oder wollen, „landen die Tiere bei uns – inklusive Kosten“.

Denn auch wenn es die betroffenen Tierhalter im Einzelfall anders sehen: Solange ein krankes Tier mit der richtigen Behandlung wieder gesund werden kann, hat es Anspruch auf eine Behandlung, darf vom Tierarzt nicht eingeschläfert werden.

Immerhin: Nach einer kurzen coronabedingten Pause läuft die Vermittlung von Tieren aus der Einrichtung heraus gut, das Interesse sei groß. Aktuell betreut das Tierheim noch 41 Katzen, elf Hunde, drei Ratten, zwei Meerschweinchen, dazu ein Kaninchen, einen Chinchilla, Schildkröten und einen Wellensittich. Doch die meisten umgänglichen und gesunden Tiere haben in jüngster Zeit neue Besitzer gefunden. Gerade auch für Kleintiere „haben wir richtig tolle Plätze gefunden“!

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