+
Zu kleine Zwinger: Hund Nico bräuchte mit einer Schulterhöhe von unter 50 Zentimeter eigentlich sechs Quadratmeter Platz, derzeit hat er nur etwa 4,40 Quadratmeter, kritisiert die Tierschutzvereins-Vorsitzende Silvia Gruber. 

Mehr Platz für Hunde und Katzen

Tierheim Dachau bittet um Unterstützung für Multifunktionsbau

  • Anna Schwarz
    vonAnna Schwarz
    schließen

Das Tierheim Dachau platzt aus allen Nähten. Deshalb soll ein Multifunktionsbau nun zusätzlichen Raum für Hunde und Katzen schaffen. Doch das Gebäude ist teuer.

„Eigentlich ist es illegal, wie viele Tiere im Dachauer Tierheim untergebracht sind“, sagt Silvia Gruber, Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins. Das Veterinäramt toleriere die kleinen Zwinger in der Hundequarantäne-Station und den Hundehäusern zwar, weil es, laut Gruber, „selbst viele beschlagnahmte Tiere zu uns bringt“. Der Tierschutzbund habe dem Dachauer Tierheim aber bereits eine Rüge geschickt.

Für Gruber ist daher klar: „Es braucht eine dauerhafte und zukunftsfähige Lösung!“ Diese Lösung ist ein 950 000 Euro teures Multifunktionsgebäude mit rund 380 Quadratmetern Platz für Hunde und Katzen. Insgesamt 700 000 Euro hat das Tierheim schon zusammen, für den Restbetrag sollen die Landkreisgemeinden nun einen Zuschuss geben. Die Baugenehmigung hat der Verein bereits, Spatenstich ist Gruber zufolge voraussichtlich im Frühjahr 2020.

Erst vor rund sechs Jahren eröffnete der Tierschutzverein das neue Katzenhaus auf dem Tierheimgelände in der Roßwachtstraße. Aber: „Wir platzen schon wieder aus allen Nähten“, sagt Silvia Gruber. Auch die Hundehäuser des Tierheims entsprechen längst nicht mehr den Standards: „Ein paar von den Zwingern sind so groß wie ein Handtuch und dort gibt es kein Tageslicht!“ Ein Hund bis 50 Zentimeter Schulterhöhe müsste laut Tierschutz-Hundeverordnung zudem mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum haben, in vier Zwingern des Dachauer Tierheims aber haben sie gerade einmal 2,30 Quadratmeter. Auch die 18 weiteren Zwinger sind Gruber zufolge nur zwischen vier und sechs Quadratmetern groß – ein Hund über 65 Zentimeter Schulterhöhe bräuchte laut Verordnung aber eigentlich 10,2 Quadratmeter!

Diesen Platz sollen die Hunde in Zukunft im ebenerdigen Multifunktionsgebäude haben, es soll an das im Jahr 2013 eröffnete Katzenhaus angeschlossen werden. „Wir dürfen auch hier leider nicht höher bauen, weil wir bestimmte Abstandsflächen zu den Hochspannungsleitungen einhalten müssen“, sagt Gruber. Im Bauplan sind auch drei Quarantäneräume mit Außenzwinger eingezeichnet, für kranke Hunde nach einer Operation sowie vier ruhigere Hundezimmer mit Auslauf „für kleine und sehr ängstliche Hunde“, erklärt Gruber. Zudem sind dort eine Futterküche und- lagerraum, ein Hundebad sowie acht Katzenzimmer geplant.

Hunde und Katzen im selben Gebäude unterzubringen, sei zwar nicht optimal, gibt die Vorsitzende des Tierschutzvereins zu: „Aber das ist der Raumnot geschuldet“, die Tierarten sollen durch ein Lager und einen Technikraum voneinander getrennt werden. Außerdem gebe es in dem neuen Haus Wände statt Gitterstäbe, so dass der Geruch zum anderen nicht durchdringt.

Gegen die Kritik, dass das Tierheim nur deswegen unter Raumnot leide, weil es zu wenige Zwei- oder Vierbeiner weiter vermittle, wehrt sich Silvia Gruber: „Wir bekommen 1200 bis 1400 Tiere im Jahr, für so viele hätte das Tierheim niemals Platz!“ Und: „Leute, die sich einen Hund wünschen, lehnen wir seit Jahren nicht ab. Sondern nur welche, die sich eine Katze wünschen und zu nah an der Straße leben.“

700 000 Euro hat das Tierheim bereits selbst für das Projekt gesammelt, „aber das Geld reicht noch nicht“, so Gruber. Die Gemeinderäte in Bergkirchen, Hebertshausen, Haimhausen und Weichs beschlossen daher, dem Tierheim einen Zuschuss von 1 Euro pro Einwohner für das Multifunktionsgebäude zu zahlen. Die Tierfreundin Gruber hofft nun, dass die anderen Gemeinden mitziehen. Gruber ist seit 26 Jahren Vorsitzende des Tierheims und ist optimistisch, dass „das ist unser letztes Bauprojekt ist“. Danach, verspricht sie, „sollten die Räume ausreichen“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trauer um Steffen Mollnow: Der Mann der großen Ideen ist tot
Im Alter von nur 43 Jahren ist der langjährige Leiter der Stadtbücherei Dachau, Steffen Mollnow, gestorben. Der zweifache Familienvater war weit mehr als „nur“ ein …
Trauer um Steffen Mollnow: Der Mann der großen Ideen ist tot
„Meine Medizin“: Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis - Vorfall nimmt unerwartetes Ende
Ein 26-jähriger Mann rauchte am Arbeitsplatz Cannabis - und blies seiner Kollegin den Rauch ins Gesicht. Der Vorfall nahm jedoch ein anderes Ende, als wohl erwartet.
„Meine Medizin“: Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis - Vorfall nimmt unerwartetes Ende
„Da geht man kaputt!“ - Geschäftsleute am Indersdorfer Marktplatz fühlen sich von Lokalpolitikern im Stich gelassen
Die Geschäftsleute am Indersdorfer Marktplatz trifft es hart: Erst der Corona-Lockdown, dann Vollsperrungen am Marktplatz wegen der Umbaumaßnahmen. Doch das ist nicht …
„Da geht man kaputt!“ - Geschäftsleute am Indersdorfer Marktplatz fühlen sich von Lokalpolitikern im Stich gelassen
Ärzte kritisieren Tests für Urlaubsrückkehrer
Die Vernachlässigung ihrer Patienten aufgrund sinnlosen Testens von Urlaubsrückkehrern sowie Konzeptlosigkeit beim Corona-Krisenmanagement: Mehr als deutsche 60 …
Ärzte kritisieren Tests für Urlaubsrückkehrer

Kommentare