Akzeptanz im Landkreis Dachau eher gering

Tiny Häuser: Keine Lösung für Wohnungsnot

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Tiny Häuser beziehungsweise Mini-Häuser sind derzeit in aller Munde. Aber können die kleinen Häuschen wirklich eine Lösung für den Wohnungsmangel hierzulande sein? Die Verantwortlichen in vielen Landkreisgemeinden sagen: nein!

VON STEFANIE ZIPFER

Bald auch in Dachau? Tiny Houses seien eine gute Ergänzung für das Angebot auf dem Wohnungsmarkt, behaupten zumindest die FWD/Bürger für Dachau.

Dachau – Peter Lustig aus der Kindersendung „Löwenzahn“ mit seinem umgebauten Bauwagen hat es vorgemacht. Und auch viele Olympioniken von 1972 beziehungsweise nach ihnen Heerscharen von Studenten waren – so kann man es heute sehen – mit ihren kleinen Bungalows im Münchner Oly-Dorf regelrechte Immobilien-Trendsetter. Denn: Sowohl der Bauwagen Lustigs als auch die Sportler-Bungalows in der Landeshauptstadt gelten als Tiny Häuser, also als Mini-Häuser, und sind damit derzeit schwer in Mode.

Wie so vieles ist der Mini-Haus-Trend aus den USA nach Europa geschwappt. In Zeiten von steigenden Mietpreisen und dem verbreiteten Wunsch nach einem nachhaltigeren Leben sehen viele in den knuffigen Häuschen eine echte Alternative. Manche der Häuser stehen auf Rädern, andere lassen sich als Module übereinanderstapeln oder nebeneinanderwürfeln.

Doch auch wenn sich die einzelnen Häuser in Optik, Größe und Bauart unterscheiden mögen, haben sie eins gemein: Sie gelten, rein baurechtlich gesehen, als Haus und brauchen daher eine Baugenehmigung. Einfach am Straßenrand zu wohnen ist daher ausgeschlossen, der Mini-Hausbesitzer braucht vielmehr ein erschlossenes Grundstück inklusive Wasser- und Stromanschluss. Und hier kommen die Gemeinden ins Spiel.

Weichs und Erdweg lehnten ab

In Weichs etwa wollte ein Bürger ein Tiny Haus mit der Grundfläche von 13 mal 2,55 Meter aufstellen – auf seinem eigenen Grundstück neben seinem eigenen Wohnhaus wohlgemerkt. Doch der Gemeinderat sagte nein. Das Haus sei im Grunde doch nix anderes als eine „Holzhütte auf Rädern“ und sehe aus, als hätte jemand seinen „großen Wohnwagen vergessen“. Auch in Erdweg wurde abgelehnt, die Häuschen fügten sich nicht in die Umgebung ein, hieß es zur Begründung.

In Karlsfeld wurde das Thema ebenfalls bereits diskutiert, allerdings eher theoretisch und ohne konkreten Antrag. Die Idee, hieß es dort, sei „von Grund auf grün“ und wurde daher von CSU und Grünen unterstützt. Die Gemeinde soll nun geeignete Flächen suchen, auf denen ein derartiges „ökologisches Vorzeigeprojekt“ eines Tages verwirklicht werden könnte. In Pfaffenhofen und Altomünster ist man da schon weiter, auf Privatgrundstücken wurde die Errichtung jeweils eines der Häuschen bereits genehmigt.

Die Freien Wähler/Bürger für Dachau im Stadtrat wollten das Thema daher nun auch einmal besprochen haben. Entsprechend ihrem Antrag sollte sich die Stadtverwaltung konkret mit der Frage auseinandersetzen, ob – eventuell gemeinsam mit der Stadtbau GmbH – eine Tiny-Haus-Siedlung im Stadtgebiet möglich und sinnvoll sei. Nach Ansicht der Freien Wähler/Bürger für Dachau seien die Häuschen nämlich platzsparend und günstig und daher für die Menschen geeignet, die „von einem Eigenheim träumen, aber auf dem normalen Immobilienmarkt aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten keine Chance haben“. Errichtet werden könnten die Mini-Häuser etwa auf städtischen „Restflächen“, die für eine normale Bebauung zu klein wären.

Unökologisch und unökonomisch

Doch so gut die Argumente in der Theorie klingen, sind sie „im städtischen Umfeld mit verdichteten Baustrukturen keine sinnvolle Alternative“, wie das Bauamt ausführte und der Bauausschuss einhellig zustimmte. Die Flächen der Stadt beziehungsweise der Stadtbau seien nämlich viel zu knapp, als dass man sie für Tiny Häuser nutzen könnte.

Das Argument der Platzersparnis sei nämlich in wirklich keins: Auch Tiny Häuser brauchen eine „eigene Geh-, Fahr- und Leitungserschließung“ sowie Wärmeversorgung. Und auch die vermeintliche Nachhaltigkeit widerlegte die Stadtverwaltung: „Das Verhältnis der Außenfassadenflächen gegenüber den Nutzflächen ist unökologisch und unökonomisch“. Dem Auftrag der Stadtbau GmbH, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei daher mit klassischem Geschosswohnungsbau besser gedient. Wenn überhaupt, seien Mini-Häuschen auf städtischem Grund allenfalls auf zeitweise ungenutzten Flächen denkbar.

Von Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) dürfte es aber selbst unter diesen Bedingungen „in keinster Weise“ eine Zustimmung geben. Ähnlich wie die Gemeinderäte in Weichs ist für sie auch die Optik der Häuser entscheidend. Und die sei für „uns in Mitteleuropa“ kein Modell.

Rubriklistenbild: © alexander heinl/dpa

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