Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest
+
Seltsam unbeteiligt: Die Angeklagte beim Verlassen des Amtsgerichts Dachau. 

Prozess vor dem Dachauer Amtsgericht

Tod einer Dreijährigen im Gröbenbach: Grob missachtete Sorgfaltspflicht

Der Strafprozess gegen die Mutter des im Oktober 2016 getöteten dreijährigen Mädchens, das nach einem Unfall auf der B 471 in den Gröbenbach geschleudert wurde, hat weitere, überraschende Details ans Licht gebracht.

Dachau – Die heute 30-Jährige Angeklagte wirkte am Dienstag vor dem Amtsgericht Dachau seltsam unbeteiligt. Sie sprach ohne jegliche Emotionen. Die Antworten der Ungarin beschränkten sich meist auf ein knappes Ja oder Nein. Der Verlesung des Strafbefehls (2400 Euro Geldstrafe) lauschte sie ungerührt. Und das, obwohl die Staatsanwältin noch einmal den schrecklichen Unfall am frühen Morgen des 20. Oktober 2016 zusammenfasste, bei dem ihr Töchterlein Yazmin (3) ums Leben gekommen war.

Mutter und Tochter schliefen damals auf der Rückbank eines Citroën, den ein Landsmann (33) steuerte. Das Trio war seit zwölf Stunden unterwegs. Nur der Fahrer war angeschnallt. Die Reise sollte von Ungarn nach Heidenheim führen. An der Anschlussstelle Dachau-Fürstenfeldbruck verließ der Fahrer die A 8, um einen Rastplatz anzufahren. Bei Dachau schlief der 33-Jährige am Steuer ein. Der Wagen kam von der Fahrbahn ab und krachte in einen Baum. Die kleine Yazmin wurde aus dem Fenster geschleudert und fiel in den nahen Gröbenbach. Erst nach einem einstündigen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr, BRK und THW wurde ihre Leiche zwei Kilometer vom Unglücksort gefunden. Die Mutter und der Fahrer wurden bei dem Unfall schwer verletzt.

Nicht angeschnallt: Aus diesem Citroën wurde die dreijährige Yazmin beim Unfall auf der B 471 herausgeschleudert.

In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Dachau war am Dienstag nur die Mutter erschienen. Der Anklagevorwurf lautete fahrlässige Tötung durch Unterlassen. Dass sie Yazmin nicht angeschnallt habe, sei „ein grobes Missachten der Sorgfaltspflicht“ gewesen, wie die Staatsanwältin sagte. Der Unglücksfahrer blieb dem Prozess unentschuldigt fern. Sein Einspruch gegen den Strafbefehl in Höhe von 7200 Euro wegen fahrlässiger Tötung wurde verworfen. Daher verhandelte das Gericht nur wegen des Einspruchs der Mutter. Das Rechtsmittel hatte sie nur eingelegt, um Ratenzahlung zu bekommen. Den Schuldvorwurf bestritt sie nicht.

In den bisherigen Protokollen der Ermittler wurde der Unglücksfahrer stets als Verlobter bezeichnet. Als Richter Christian Calame nachfragte, bekam er eine überraschende Antwort: eine Verlobung habe es nie gegeben. Es war damals eine eher zufällige Fahrgemeinschaft, die sich da nach Deutschland aufgemacht habe. „Das Verhältnis war nie gut, und es ist nicht gut. Wir haben keinen Kontakt mehr“, sagte die Mutter, die heute bei einem Freund in Großkarolinenfeld bei Rosenheim lebt. In ihrer neuen Heimat werde sie in wenigen Tagen eine Stelle als Verkäuferin in einer Bäckerei antreten, daher könne sie die Geldstrafe bald begleichen.

In seinem Urteil sprach Richter Calame Ratenzahlung aus. Die Angeklagte muss die 2400 Euro Geldstrafe in vier Raten à 600 Euro berappen.   

Nach der Hauptverhandlung gab die 30-Jährige einem Fernsehsender ein Interview. Darin meinte sie, Yazmin sehr zu vermissen. Und sie gab ein weiteres, tragisches Detail des Unglücks preis. Kurze Zeit vor dem Unfall hätten sie angehalten. Bis dahin seien sie und ihre Tochter angeschnallt gewesen. Bei der Weiterfahrt habe sie darauf verzichtet, Yazmin anzugurten – damit ihr Kind bequemer schlafen könne. Als die 30-Jährige dies sagte, wirkte sie wieder seltsam ungerührt.

(zim)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Polizeigroßeinsatz im Hinterland
Wegen einer Suizidandrohung eines bewaffneten Mannes ist gestern Abend zwischen Wiedenzhausen und Altstetten im Dachauer Hinterland ein Großeinsatz der Polizei ausgelöst …
Polizeigroßeinsatz im Hinterland
Verabschiedung von Indersdorfer Chorleiter Anton Kaltner
Beim diesjährigen Sommerfest des Gesangvereins Indersdorf ist Anton Kaltner als Chorleiter verabschiedet worden. Die Vorsitzende Kathi Wegner begrüßte das Ehepaar …
Verabschiedung von Indersdorfer Chorleiter Anton Kaltner
Taxler schmeißt Rentner raus - mit dieser Begründung
Ein 89-jähriger Rentner und seine Ehefrau wollten nach dem Volksfestbesuch nach Hause - und wurden aus dem Taxi geworfen. Und das, obwohl der betagte Mann auf Krücken …
Taxler schmeißt Rentner raus - mit dieser Begründung
Dean aus Wiedenzhausen
Der kleine Bub, der noch ganz verschlafen in die Kamera guckt, heißt Dean Aras und ist im Dachauer Krankenhaus zur Welt gekommen. Seine Eltern Dilara und Thomas Schulz …
Dean aus Wiedenzhausen

Kommentare