Trauerfeier für die Dachauerin Rose Kraus
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Erinnerung an eine Frau, die ein Vorbild war: Pastoralreferentin Susanne Deininger und Pfarrer Björn Mensing (Mitte), Bläser der Steiner-Schule (links) erzählen von Rose Kraus.

Abschiedsworte auf dem Gündinger Friedhof

„Die Welt hat einen Engel auf Erden verloren“ - Trauerfeier für die Dachauerin Rose Kraus

Rose Kraus starb bereits im März. Die Urnenbeisetzung fand erst jetzt statt - damit der Wohltäterin aus Dachau trotz Corona gebührend gedacht werden konnte.

  • Rose Kraus ist tot.
  • Die Wohltäterin aus Dachau starb bereits im März.
  • Wegen der Corona-Pandemie war die Beisetzung verschoben worden.

Landkreis – Ein Leben für Frieden, Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe ist zu Ende gegangen: Rund 200 Trauergäste haben auf dem Gündinger Friedhof Abschied genommen von Rose Kraus, die am 17. März im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Weil im März coronabedingt nur der engste Familienkreis bei der Bestattung hätte teilnehmen dürfen, wurde die Urnenbeisetzung verschoben.

Den ökumenischen Trauergottesdienst gestalteten jetzt Pastoralreferentin Susanne Deininger von St. Jakob und Kirchenrat Björn Mensing von der evangelischen Versöhnungskirche gemeinsam. Musikalisch umrahmt wurde die bewegende Trauerfeier von Mitgliedern des von Rose Kraus vor Jahrzehnten gegründeten Gündinger Singkreises und drei jugendlichen Bläsern von der Münchner Rudolf-Steiner-Schule, die sich mit der Verstorbenen über das Hilfsprojekt für Roma-Familien im rumänischen Dorf Rosia verbunden fühlen. Ein ökumenischer Gottesdienst sei der ausdrückliche Wunsch der Verstorbenen gewesen, den sie bei seinem letzten Besuch während der Sterbebegleitung kurz vor ihrem Ableben geäußert habe, so Pfarrer Mensing.

Rose Kraus starb am 17. März.

„Sie war seit ihrer Taufe als Säugling Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche, besuchte aber in den letzten Jahrzehnten sonntags regelmäßig die Gottesdienste der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, berichtete Mensing. Er zeigte in seiner Predigt im Detail den Lebensweg der Verstorbenen auf und würdigte ihren unermüdlichen Einsatz: „Sie war ein Vorbild.“ Oder wie es Enkel Markus Kraus sagte: „Die Welt hat einen Engel auf Erden verloren.“

Rose Kraus, geborene Schneider, war eine warmherzige, weltoffene, mutige Frau und eine Friedensaktivistin, die sich bis an die Grenzen ihrer körperlichen Kräfte und seelischen Belastbarkeit immer für Notleidende und Geflüchtete engagierte, um ihnen das Leben in der neuen Umgebung zumindest zu erleichtern. In ihrer Heimatgemeinde Bergkirchen waren es beispielsweise die in Gröbenried untergebrachten ersten Asylbewerber aus dem Senegal, die sie seit 2013 wöchentlich liebevoll umsorgte und die über den Tod ihrer „Mama Rosa“ ebenfalls sehr traurig sind. Gekommen waren ferner Geflüchtete aus unterschiedlichen asiatischen und afrikanischen Ländern sowie Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus dem Arbeitskreis Asyl, aus den Helferkreisen und aus der Friedens- und Umweltschutzbewegung.

Prägend war für die gebürtige Dachauerin, als sie als Zehnjährige bei Kriegsende 1945 einem Leiterwagen mit Leichen aus dem Konzentrationslager Dachau begegnete. Dieses Ereignis hat sie schockiert und davon überzeugt, dass man allem Schlechten etwas Gutes entgegensetzen müsse. Ihr 1998 verstorbener Ehemann Walter, den sie im Jahre 1957 geheiratet hatte, war Kriegsflüchtling aus dem Riesengebirge und wurde in der neuen Heimat gar nicht gut aufgenommen. Auch diese Erfahrung beeinflusste ihr Tun.

Beruflich arbeitete sie als Kontoristin. Der Zusammenhalt in der Familie, zu der die Söhne Stefan und Walter sowie Tochter Michaela und sechs Enkelkinder gehören, sei ihr immer das Wichtigste gewesen, sagte Enkel Markus und fügte hinzu: „Und wenn man Liebe gibt, kommt noch mehr Liebe zurück.“ Aber ein großes Herz hatte sie nicht nur für ihre Angehörigen, sondern für alle Menschen, die auf Hilfe angewiesen waren.

In den 1980er-Jahren gründete die beeindruckende Frau den Arbeitskreis Asyl in Dachau. Sie nahm an Demonstrationen gegen die WAA in Wackersdorf und gegen die Stationierung amerikanischer Raketen im württembergischen Mutlangen teil, wofür sie drei Mal vor Gericht musste.

Sie fuhr mindestens 20 Mal mit Lkw-Ladungen voller Hilfsgüter in Flüchtlingslager nach Kroatien, engagierte sich in der Rumänienhilfe und für Roma-Kinder, die in größter Armut leben. „So lange ich kann, höre ich nicht auf, denn ich werde gebraucht“, erklärte sie 2009, als ihr für ihre Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande“ verliehen wurde. Die Stadt Dachau zeichnete sie mit der Bürgermedaille aus. Als Rose Kraus an ihrem 80. Geburtstag die Bilanz ihres Lebens zog, sagte sie: „Der größte Gewinn eines guten Lebens sind meine Freunde. Viele habe ich durch den Arbeitskreis Asyl kennengelernt.“

Nach Ende der Corona-Auflagen ist für 2021 eine Gedenkveranstaltung geplant, um Freunden und Weggefährten die Gelegenheit zu geben, zu Wort zu kommen, wie Pfarrer Mensing ankündigte.

Ingrid Koch

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