Blaue Hand mit Impfdosis
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Mangelware: Auch im Landkreis Dachau fehlt es an Corona-Impfstoff.

Corona im Landkreis Dachau

Trotz Inzidenz über 50: Läden bleiben offen

Nach 26 Corona-Neuinfektionen ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Dachau am Donnerstag über den Grenzwert von 50 gestiegen. Noch muss dies nichts bedeuten.

Steigende Sieben-Tage-Inzidenz

Dachau - Die Zahl der Neuinfektionen im Landkreis Dachau betrug am gestrigen Donnerstag laut Robert-Koch-Institut 60,7 Neuansteckungen binnen einer Woche, bezogen auf 100 000 Einwohner – und das nur wenige Tage nach Wiedereröffnung der Geschäfte. Bis neuerliche Einschränkungen gelten – dem Handel wäre Verkauf nach Terminvereinbarung erlaubt – darf die Inzidenz drei aufeinanderfolgende Tage über 50 liegen, bis das Landratsamt den Schwellenwert offiziell als überschritten bekannt geben muss. „Die für den neuen Inzidenzbereich maßgeblichen Regelungen gelten dann ab dem zweiten Tag nach dreimaliger Überschreitung, frühestens aber am Tag nach der amtlichen Bekanntmachung“, erklärt Landrat Stefan Löwl. Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz die nächsten Tage weiter über 50 liegen, gelten ab dem kommenden Montag schärfere Regeln. Die Regeln stehen tagesaktuell auf den Seiten des Landratsamtes unter landratsamt-dachau.de/corona-aktuell.

Schulen bereiten sich auf Start vor

Jeder Freitag ist ab sofort der Stichtag, an dem über den Schulbetrieb entschieden wird. Liegt die Inzidenz an diesem Tag um oder unter 50, öffnen die Grundschulen wieder für den Präsenzunterricht, ab Jahrgangsstufe fünf geht der Distanz- in den Wechselunterricht über. Diese Regelung gilt dann immer eine Woche, egal, wie sich die Inzidenz entwickelt. Laut Löwl könnte es „aufgrund der aktuellen Inzidenzwertentwicklung bei den Grundschulen beim Wechselunterricht wie bisher bleiben“.

Dennoch rüstet sich der Landkreis für den Schulstart. „Allen Schulen wurden die Ausstattungen – insbesondere Masken für Lehrkräfte – und Schneetests – zur Verfügung gestellt“, so Löwl. Außerdem wurde allen Lehrkräften und Erziehern aus dem Landkreis Dachau in den vergangenen Wochen ein Impfangebot gemacht. Für den Schülerverkehr stehen die Verstärkerbusse bereit. An den Landkreisschulen wurden die Raumluftreinigungsgeräte für alle Räume, die nicht über eine normale Lüftungsmöglichkeit verfügen, beschafft und installiert.

Kostenlose Schnelltests starten

Bereits in dieser Woche starten die ersten Apotheken mit dem Angebot der kostenlosen Schnelltests. „Aber wir werden auch von Ärzten unterstützt, und hoffentlich bald von Zahnärzten“, sagt Maximilian Lernbecher, Sprecher der Apotheker im Landkreis. Und auch im Testzentrum Indersdorf gibt es zu gewissen Zeiten das Angebot kostenloser Schnelltests. Auf der Internetseite des Landratsamtes gibt es eine Übersicht der Angebote, die täglich aktualisiert wird. „Es kann schon eine Lawine kommen“, mutmaßt Lernbecher.

Wer einen Schnelltest machen möchte, müsse zu allererst einen Termin vereinbaren und sich anmelden (landratsamt-dachau.de). Und er müssegesund sein. „Getestet werden nur asymptomatische Personen“, so Lernbecher. „Wer sich krank fühlt, gehört zum Arzt und nicht zum Schnelltest.“ Per Abstrich – entweder Rachen-, tiefer Nasen- oder vorderer Nasenabstrich – werde getestet, das Ergebnis erhalte man per SMS, E-Mail oder sofort auf Papier. Wer positiv ist, „mit dem passiert etwas: Wir sind verpflichtet, positive Fälle an das Gesundheitsamt zu melden“, so Lernbecher. Außerdem muss derjenige sofort in häusliche Quarantäne und einen PCR-Test machen.

Die Impfungen

Die Kapazität in den Impfzentren in Dachau und Karlsfeld liegt derzeit bei 2500 bis 3000 Impfungen pro Woche, so Löwl. „Und wir können 5000 bis 6000 pro Woche schaffen mit der derzeitigen Organisationsstruktur.“ Der Landrat betont, dass „bei uns jede Impfdose verimpft wird, es gibt keine Reste, es bleibt nichts übrig“. Einzig: Der Impfstoff fehlt.

Im Impfzentrum Karlsfeld, für das die Johanniter zuständig sind, sollten ursprünglich 150 Impfungen pro Tag stattfinden. „Durch den Umzug in unser großes Zelt haben wir mehr Kapazitäten geschaffen, sodass wir jetzt über 300 pro Tag schaffen“, erklärt Joern Osenbrück, Projektleiter für die Impfzentren im Johanniter Regionalverband Oberbayern. Nach dem schleppenden Impfstart auch dort sei Besserung in Sicht. „Es kommt jetzt ausreichend und regelmäßig Impfstoff rein“, so Osenbrück, dessen 75-köpfiges Team, bestehend aus medizinischem Personal sowie Verwaltungskräften, nun „unter Volllast fährt“. So konnten etwa in der vergangenen Woche 1600 Menschen bedient werden. Dabei sind die Helfer im Drei-Schicht-Rhythmus von 9 bis 22 Uhr tätig.

Wann impfen Hausärzte?

Die Diskussion, wann die Hausärzte beginnen zu impfen, bezeichnet Löwl als „Ärztefunktionärsdiskussion, die kurzfristig nichts verbessern oder verändern wird im Landkreis Dachau“. Theoretisch können die Hausärzte schon heute anfangen zu impfen – das Problem: „Sie haben auch keinen Impfstoff!“ Schon jetzt seien die Hausärzte in die Impfungen mit eingebunden (wir berichten), aber eben auch in das Priorisierungssystem. „Das bayernweite System legt fest, wer geimpft wird“, so Löwl. „Solange wir nur eine begrenzte Menge an Impfstoff haben, brauchen wir dieses System.“

Ändern werde sich das in den nächsten „vier, sechs, acht Wochen massiv“, so Löwl: Dann werde man die Hausärzte auch brauchen, „weil dann die Impfzentren ihre Kapazität erreicht haben“. Löwl meint, dass die Hausärzte am 1. Mai, vielleicht aber schon am 22. April mit den Impfungen ihrer Patienten beginnen. Bis dahin werden die Impfstoffe „über eine zweite Struktur verteilt an die Ärzte“.

Auch Osenbrück meint, dass es „eher erst im Mai“ losgehen wird mit den Impfungen bei den Hausärzten. Die Probleme, will ein Hausarzt in Eigenregie impfen, seien die Logistik, die erst aufgebaut werden müsse, sowie die Lagerung des Impfstoffs. Bei den Johannitern sind die Hausärzte beim Impfen von Personen mit höchster Priorität bereits „miteingebunden“, so Osenbrück. Dabei kommen die mobilen Teams der Hilfsorganisation zum Arzt vor Ort. „Dieser trägt dann die medizinische Verantwortung.“  

no/zi

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