Ein Hund auf einem Trümmerhaufen
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Muss mit vielen Unwegsamkeiten zurechtkommen: Trümmerhund Gorbi im Einsatz auf dem MD-Gelände.

Wichtige und gefährliche Aufgabe

Trümmerhunde üben auf dem MD-Gelände

Fast 30 Hunde und ihre Besitzer nahmen am Trümmerhundetraining des BRK auf dem MD-Gelände teil. Trümmerhunde haben eine wichtige Aufgabe – und eine gefährliche obendrein.

Dachau – Nach Explosionen, Schnee- oder Flutkatastrophen sowie Gebäudeeinstürzen sind sie gefragt, die Trümmerhunde der Rettungshundestaffel des BRK Miesbach. Sie suchen nach verschütteten, hilflosen Menschen in den Trümmern. Riechen sie eine Person, schlagen sie Alarm. Doch ein Trümmerhund wird nicht gleich als solcher geboren, da ist Übung gefragt. Deshalb bot das BRK Miesbach auf Einladung der Projektentwicklungsgesellschaft „Isaria“ und der „Deutsche Wohnen“ auf dem alten MD-Gelände in Dachau ein Trümmerhundetraining an.

21 Teilnehmer aus zehn Ortsverbänden – von Straubing bis Traunstein – nahmen die Einladung an und kamen mit ihren fast 30 vierbeinigen Begleitern am Sonntag nach Dachau. „Wir beenden gerade die Abbrucharbeiten und recyceln die Materialien. In dieser Phase ist das Gelände für diese Ausbildung bestens geeignet“, sagt David Christmann, Geschäftsführer der Isaria. Schutthaufen, Abbruchhügel, verlassene Gebäude, Baugräben, ein noch teilweise unter der Erde befindlicher Bach – quasi ein Trümmerparadies. Das findet auch Einsatzleiter und Rettungshundeausbilder Johannes Buitkamp, der dankbar für diese Möglichkeit ist: „Während der Coronazeit war es schwer, vor Ort im Team auszubilden.“

Nach Explosionen, Schnee- oder Flutkatastrophen sowie Gebäudeeinstürzen sind sie gefragt: die Trümmerhunde und ihre Besitzer, die nun auf dem MD-Gelände übten.

Am Übungstag scheint man den 30 Hunden die Vorfreude ansehen zu können. Vom Jagdhund, wie einem Labrador, bis zum Hütehund, wie Border-Collie, ist fast alles am Ende der Leine vertreten. „Eine Mindesthöhe von 50 Zentimeter ist von Vorteil, da die Hunde bei der Suche oft hohe Stufen oder große Trümmer bewältigen müssen“, erklärt Buitkamp. Zu schwer und groß dürfe ein Trümmerhund aber auch nicht sein.

Das Trümmertraining ist nichts für Angsthasen

Die Teilnehmer werden zunächst in drei Gruppen eingeteilt. „Wir haben Teilnehmer, die haben schon mehr Erfahrung als andere“, erzählt Ausbilderin Maria Gomolka vom BRK Miesbach. Nach der Einteilung geht es zunächst ohne die vierbeinigen Begleiter über das Gelände. „Die Hundeführer lernen es so erst einmal kennen, können danach die Gefahren für sich und ihren Hund besser einschätzen“, erklärt Gomolka. Gefahren gibt es genug: tiefe Gruben, in die man fallen könnte, lose rutschige Hügel, dunkle und enge Ecken. Nichts für Angsthasen also.

So müssen Trümmerhunde nach der Ausbildung mit den Unwegsamkeiten eines Einsatzortes zurechtkommen, an dem es Trümmer, Gefahrenstoffe, laute Geräusche, Licht und Sirenen geben kann. „Viele denken, eine Trümmerübung ist einfach eine Flächenübung auf unebenem Gelände, doch das ist es nicht“, sagt eine Teilnehmerin. Denn die Hunde müssen nicht nur in die Weite, sondern auch in die Höhe riechen, was direkt im alten Papierfabrik-Gebäude neben dem Wasserturm auf drei Stockwerken geübt wird.

Jede Gruppe hat eine Art „Leckerlie-Beauftragten“, der die kleinen Belohnungen für die Spürnasen mitträgt. Buitkamp erklärt: „Bei einem richtigen Einsatz wird der Fund immer mit einem zweiten Hund geprüft, bis wirklich gegraben wird.“ Denn eine falsche Ansage könne einem verschütteten Menschen beim Anheben großer Betonteile das Leben kosten. „So ein Einsatz bedeutet also Stress, denn es lastet viel Verantwortung auf den Hundeführer“, macht der Einsatzleiter klar. So ist das Training nicht nur Übung für den Hund, sondern auch für den Menschen.

Miriam Kohr

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