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Die 110kV-Starkstromleitung an der Theodor-Heuss-Straße verläuft noch überirdisch. Nach dem Willen des TSV Dachau 1865 soll sie jedoch unter die Erde verlegt werden, um dadurch mehr Platz für einen neuen TSV-Sportpark zu gewinnen

Stadtrat diskutiert über Verlegung einer Starkstromleitung

Hauptsache, das Gesicht wahren

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Eine finale Entscheidung, wie es denn nun mit der 110-kV-Starkstromleitung über dem geplanten neuen Sportpark des TSV Dachau 1865 weitergehen soll, ist auch am Dienstag im Stadtrat nicht gefallen. Nach ermüdender Diskussion, bei der es nicht immer um sachliche Argumente ging, beschloss das Gremium am Ende: nichts.

Dachau – Oberbürgermeister Florian Hartmann, Bauamtsleiter Michael Simon und die Fraktionen von SPD und Bündnis bildeten die eine Front in der Frage, wie denn nun mit der Starkstromleitung entlang der Theodor-Heuss-Straße weitergehen soll. Ihre Antwort war klar: Eine Erdverkabelung der Leitung, auch wenn der Stadtrat dies im Jahr 2014 bereits beschlossen hatte, kostet zu viel Geld und würde aufgrund zahlreicher heute noch nicht absehbarer Unwägbarkeiten das Projekt der Aussiedlung des TSV Dachau 1865 auf das Areal östlich der Theodor-Heuss-Straße auf unbestimmte Zeit verzögern.

So ist laut Simon bis heute unklar, wo denn die unterirdische Trasse für das Starkstromkabel verlaufen werde. Denn: „Keiner weiß so genau, was da alles unten liegt.“ Ziemlich sicher befinde sich dort aber eine große, Jahrzehnte alte Hauptwasserleitung aus „sensiblem Material“. Die Starkstromleitung müsse man da „irgendwie drumrum pfriemeln“.

Hinzu komme, dass drei Grundstückseigentümer beziehungsweise Pächter noch nicht ihr Einverständnis zur Erdverkabelung gegeben hätten. Am Ende drohe ein Enteignungsverfahren, das Jahre dauern könne – zumal für die Erdverkabelung laut Eon „keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit“ bestehe.

Auch die Frage, wie man das ins Erdreich verlegte Stromkabel sinnvoll überbauen könnte, ist laut Bauverwaltung noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist laut Simon aber, dass Eon die Leitung auch warten und reparieren können muss, weshalb eine Bebauung mit Gebäuden ausscheide.

Von Heike Drexler (SPD) gefragt, wie lange „in einer idealen Welt“ das Verfahren denn dauern würde, antwortete Simon nüchtern, dass mit einer Fertigstellung der Erdverkabelung nicht unter drei Jahren zu rechnen sei. Werde ein sogenannter Planfeststellungsbeschluss nötig – dass heißt, dass nicht alle Grundstückseigentümer ihre Flächen für die Maßnahme abgeben wollen und die Stadt damit eine rechtssichere Entscheidung über die Verwendung der Flächen treffen muss – sei sogar mit einer Dauer von „zwei bis 35 Jahre“ zu rechnen. Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) kam vor diesem Hintergrund zu dem Schluss, die „Sinnhaftigkeit“ einer Erdverkabelung nicht zu sehen. „Am Ende kommen wir noch an den Punkt, dass wir die alte Jahnhalle für teures Geld sanieren müssen.“ Auch Günter Heinritz (SPD) bedauerte es, dass wir eine „für viel Geld gebaute, tadellos intakte Leitung einfach verschrotten“.

Doch die Gegenseite, angeführt von der CSU-Fraktion und unterstützt von Wolfgang Moll, der als TSV-Vorsitzender zwar nicht an der Abstimmung teilnehmen, aber als „Experte“ Fragen beantworten durfte, verwies auf den expliziten Wunsch des Vereins, die Erdverkabelung – trotz möglicher Zeitverluste – zu wollen.

Florian Schiller (CSU) bezeichnete es als „erfreulich“, dass nun „Klarheit“ über die Wünsche des Vereins herrsche. Die Erdverkabelung sei „städtebaulich und für die Vereinsentwicklung“ schlicht die sinnvollste Lösung. Zudem gelte es, die „zwei betagten Sporthallen“ aus dem Sportpark Ost zu ersetzen – weshalb man den Platz im neuen Sportpark an der Theodor-Heuss-Straße so gut wie möglich ausnutzen solle.

Wolfgang Moll wollte und konnte nicht einsehen, warum „das Ganze so lange dauert“! Es müsse doch machbar sein, so Moll, eine Trasse für die Erdverkabelung freizulassen und dennoch bereits erste Planungen einzuleiten. Natürlich könne man im Lauf des Verfahrens zu der Erkenntnis gelangen, dass man für die Erdverkabelung zu viele Hürden nehmen müsse. „Aber diese Erkenntnis“, so Moll, „dauert definitiv nicht länger als sechs Monate“! Zudem betonte er noch einmal, dass der Verein sich in Sachen Leitungsverlegung „entsprechend finanziell einbringen würde“. Denn: „Wir wollen einen ordentlichen und im Sinne der Gesundheitsprävention einwandfreien Sportpark!“

Um zu einer für alle Parteien gesichtswahrenden Lösung zu kommen, folgten die Stadträte am Ende dem Vorschlag von Kämmerer Thomas Ernst, in „kleinen Schritten“ zu denken. Das heißt: Die Verwaltung soll nun erst einmal „die Modalitäten und Klärungen zur Verlegung der Leitung weiter betreiben“. Das Ergebnis werde dann erneut diskutiert. Die Entscheidung, ob die Erdverkabelung je kommt beziehungsweise wann der Startschuss für den neuen TSV-Sportpark fällt, lässt damit weiter auf sich warten.

Krisensitzung:

Vertreter der Stadt und des TSV Dachau 1865 trafen sich gestern im Rathaus, um über das weitere Vorgehen in Sachen TSV-Aussiedlung zu beraten. Hintergrund war der im Juni getroffene Beschluss der TSV-Mitglieder, das Vereinsvermögen nicht zur Gänze in die Aussiedlung einbringen zu wollen. Dem Vernehmen nach einigten sich beide Seiten darauf, dass der Verein nun drei Varianten aufzeigt, wie dieser Beschluss umgesetzt werden soll. Dieses Konzept soll dann dem Stadtrat vorgelegt werden – der allerdings beschlossen hatte, dass die Aussiedlung nur unter Einbeziehung des TSV-Vermögens stattfinden soll. TSV-Chef Wolfgang Moll ist dennoch optimistisch, dass nun „alle in die Richtung marschieren, in die wir wollen“!

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