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Hochkonzentiert: Jürgen Seidl bekommt Ratschläge vom TSV-Vorsitzenden Wolfgang Moll (rechts) zugeflüstert. 

Stadtrat entscheidet über Vereinszukunft

TSV Dachau 1865: Ein echter Schritt in Richtung Aussiedlung

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Dachau - In der Stadtratssitzung ging es um die Aussiedlung des TSV 1865 Dachau - und um Vertrauen oder Misstrauen. Geschafft wurde dann aber: ein erster gemeinsamer Schritt.

Der Sitzungssaal im Dachauer Rathaus war so voll wie schon lange nicht mehr: Etwa 50 Zuschauer hatten sich zusätzlich zu den Stadträten eingefunden – allesamt offenbar Mitglieder des TSV 1865 Dachau. Denn der war in den letzten Tagen auf die Barrikaden gegangen. 

Ewige Frage: Kommt die Aussiedlung des TSV Dachau 1865?

Ursprüngliches Thema waren Zuschüsse gewesen, für Sanierungen und für einen neuen Kunstrasenplatz. Doch wo der hinkommen soll, das hatte die ewig brennende Frage wieder aufgeworfen: Kommt denn nun die Aussiedlung des TSV oder nicht? 

Der TSV wollte einen neuen Kunstrasenplatz am Sportpark Ost, die Politiker schlugen aber den Standort Stammgelände vor – und zwar statt des Allwetter-Tennenplatzes. Doch genau den will der TSV auf jeden Fall behalten: Er brauche ihn, nutze ihn – und falls alle Stricke reißen, müsste dort die neuen Jahnhalle hin (wir haben berichtet). 

TSV-Vorsitzender Wolfgang Moll bekam kein Rederecht, sondern musste zuflüstern

Die Zukunftssorgen des TSV 1865 erklärte der Vorsitzende Wolfgang Moll in einer Vorstandssitzung und in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Florian Hartmann. Nun ging es gestern Abend darum: Wie werden die Politiker entscheiden?

Der Vorsitzende Moll bekam trotz Antrag kein Rederecht, was Hauptamtsleiter Josef Hermann gesetzlich begründete: Es liegt daran, dass Moll gleichzeitig auch (parteiloser) Stadtrat ist. In seinem Sinne aber setzte sich Jürgen Seidl (FDP) ein, sein Fraktionskollege und gleichzeitig Stellvertreter im Verein: Er ist der 3. Vorsitzende.

Schiller: „Kunstrasenplatz macht nur auf neuem Gelände Sinn“

Das Thema Aussiedlung benannte Florian Schiller (CSU) schon zu Beginn deutlich: „Jeder, der heute hier ist, merkt es: Es geht nicht nur um Zuschüsse.“ Die CSU sei der Meinung, dass „es nach wie vor die beste Lösung ist, dass der TSV sich woanders ansiedelt“. Der Verein brauche jetzt einen neuen Kunstrasenplatz, „eine Perspektive“. 

Am Stammgelände will er ihn nicht, am ehemaligen SSV-Gelände will ihn die Stadt nicht, „das kommt nicht in Frage, weil wir dann für 25 Jahre das Gelände sperren würden“. Und so folgerte Schiller: „Also macht der Kunstrasenplatz nur auf dem neuen Gelände Sinn.“

Ein Paukenschlag – dies wäre der erste wirklich realisierte Schritt der Aussiedlung. Seidl betonte aber, wie wichtig der Zeitfaktor sei: „Noch länger warten kann der Verein nicht. Er ist an der Grenze seiner Belastbarkeit.“ Bauamtsleiter Michael Simon sprach aber von mindestens eineinhalb Jahren. 

Eine wichtige Zukunftsfrage des Vereins blieb offen

Und OB Hartmann betonte, dass der Platz auf den Grundstücken errichtet werden muss, die die Stadt bereits besitzt, und man die gesamte Aussiedlung dann drumherum planen muss – wenn man denn noch weitere Grundstücke ergattert. Bisher ist das noch nicht der Fall. Doch auf diese Idee schienen sich die Politiker samt Verein einigen zu können.

Eine längere Diskussion ergab sich dann zum Thema Dienstbarkeit der Tennisplätze. Der Stadt samt OB schien es wichtig zu sein, dass der Verein diese Dienstbarkeit streicht. Als Pfand sozusagen: Damit klar ist, dass die Stadt dieses Gelände später benutzen kann, um das viele Geld für die Aussiedelung wieder hereinzuholen – Hartmann spricht mittlerweile von 40 Millionen Euro. 

Der Verein wiederum will die Dienstbarkeit erst einmal behalten – auch als Pfand sozusagen, damit ihm dieses Gelände nicht weggenommen wird, bevor er einen „adäquaten Ersatz“, so Seidl, bekommt. Wer vertraut wem? Eine Pattsituation. Die nur durch eine Vertagung gelöst werden konnte: Peter Gampenrieder (ÜB) schlug diese vor, mitsamt der Vorgabe, dass sich Verein und Stadt darauf einigen sollen, was der „adäquate Ersatz“ sein soll.

Was ist das Ergebnis der Sitzung?

Und so lautete das Ergebnis des Abends: Der TSV bekommt die Sanierungs-Zuschüsse, und er bekommt einen Kunstrasenplatz östlich der Theodor-Heuss-Straße. Ein TSV-Mitglied kommentierte die Entscheidung damit: „Ich weiß nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll – jetzt haben wir dann drei Gelände, um die wir uns kümmern müssen.“

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