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Landkreis solidarisiert sich mit Ukraine: Helfen - aber richtig

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Von: Verena Möckl

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Große Spendenbereitschaft: Im AEZ Dachau stapeln sich Kartons voll mit Hilfsgütern.
Große Spendenbereitschaft: Im AEZ Dachau stapeln sich Kartons voll mit Hilfsgütern. © Privat

Der Krieg in der Ukraine hat auch im Landkreis Dachau eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Doch nicht jede Hilfe ist sinnvoll.

Landkreis – Im Landkreis Dachau ist die Hilfsbereitschaft mit den Menschen in der Ukraine groß. Das Landratsamt bereitet sich auf die Ankunft von Kriegsflüchtlingen vor. Vielerorts in den Gemeinden und auch in der Stadt Dachau werden Hilfsgüter gesammelt. An Menschen, die spenden wollen, wendet sich Landrat Stefan Löwl nun mit einem wichtigen Appell.

Dachau zeigt große Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine. In den vergangenen Tagen gab es in einigen Gemeinden privat initiierte Sachspendenaktionen. Dabei kam einiges zusammen (wir haben berichtet).

Hilfe für Ukraine: Landratsamt und BRK empfehlen Geldspende

„Die Sachen, die wir jetzt in die Konfliktregionen in der Ukraine liefern, sind ja schon da.“

Paul Polyfka

Was sich auf den ersten Blick gut anhört, hat jedoch einen Hacken. Denn die Gefahr sei groß, dass Dinge gespendet werden, die nicht benötigt werden, so Paul Polyfka, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Dachau. Das Rote Kreuz halte weltweit in Zentrallagern Materialien vor, die in Kriegssituationen benötigt werden. „Die Sachen, die wir jetzt in die Konfliktregionen in der Ukraine liefern, sind ja schon da.“

Auch das Landratsamt Dachau weist daraufhin, dass aktuell alle materiellen Güter in ausreichenden Mengen vorhanden sind. Landrat Stefan Löwl als auch Polyfka bittet die Landkreisbürger daher eindringlich unkoordinierte Sachspenden zu unterlassen. Stattdessen appellieren sie Geld zu spenden.

Spendenaktionen für Ukraine: Nicht jede Hilfe ist sinnvoll

„Wir empfehlen vorrangig Geldspenden an bekannte Organisationen und Initiativen (zum Beispiel Deutschland hilft, UNICEF), teilt das Landratsamt mit. Damit könne vor Ort zielgerichtet der Bedarf gedeckt werden, erklärt Landratsamtsprecherin Sina Török.

Diese Hilfsorganisationen empfiehlt das Landratsamt

Apotheker helfen e.V. Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE02300606010004793765
BIC: DAAEDEDD

UNICEF
Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN DE57 3702 0500 0000 3000 00
BIC BFSWDE33XXX
Betreff: Nothilfe Ukraine

Aktion Deutschland Hilft e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30
BIC: BFSWDE33XXX
Betreff: Ukraine Nothilfe

Darüber hinaus werde keine aufwendige und teure Logistik benötigt. Gespendete Medikamente seien beispielsweise nur sehr eingeschränkt nutzbar, da diese nur auf Deutsch beschriftet und erläutert sind. „Geldspenden können die Hilfsorganisationen viel besser einsetzen“, betont Löwl.

In Dachau zum Beispiel sammelt Apothekensprecher Maximilian Lernbecher mit seinem Verein „Apotheker Helfen“ Geld für medizinische Hilfsgüter. In manchen Fällen seien Sachspenden jedoch weiterhin sinnvoll, merkt Löwl an. Wenn etwa die Hilfsorganisatoren einen direkten Kontakt vor Ort und eine konkrete Bedarfsliste hätten. Das BRK Dachau wartet aktuell noch auf eine konkreten Liste mit Hilfsgütern.

Ukraine Hilfe im AEZ Dachau

Bei der Sammelaktion im AEZ in Dachau ist so eine Liste bereits vorhanden – diese gibt es unter unter www.kiakademie.com. Koordinatorin Oksana Bonauer-Morel ist im ständigem Austausch mit den Menschen vor Ort. Sie weiß, wo, was gerade benötigt wird. Die 50-jährige ist in der Ukraine aufgewachsen. „Wie freuen uns über Geld- und Sachspenden“, sagt sie. Seit Anfang der Woche sammelt die Leiterin der Jugend- und Kinderakademie in Dachau und ihr knapp hundertköpfiges Team Spenden im ersten Stock des AEZ gegenüber vom Café Segafredo. Drei Transporter konnten die Helfer bisher beladen.

Wie Bonauer berichtet, seien zwei von ihnen bereits in der polnischen Stadt Chelm angekommen. Von dort kümmert sich eine NGO, um den Weitertransport der Spenden in die eineinhalb Autostunden entfernte ukrainische Stadt Kovel. Ein weiterer Transporter ist ebenfalls auf den Weg in die Ukraine gemacht.

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In Abstimmung mit dem Landratsamt Dachau hat Bonauer-Morel gestern Früh einen Bus nach Uschgorod geschickt. Die ukrainische Stadt liegt an der Grenze zu Slowakei. Dort sollen Hilfsgüter abgeladen und Flüchtlinge mit nach Dachau genommen werden, berichtet Bonauer-Morel. Neben den beiden Busfahrern ist noch ein Betreuer an Bord.

Startklar: Zwei Busfahrer und ein Betreuer sind Freitagmorgen in die ukrainische Stadt Uschgorod aufgebrochen, um 47 Kriegsflüchtlinge mit nach Dachau zu nehmen. 
Startklar: Zwei Busfahrer und ein Betreuer sind Freitagmorgen in die ukrainische Stadt Uschgorod aufgebrochen, um 47 Kriegsflüchtlinge mit nach Dachau zu nehmen.  © Privat

Der restliche Platz ist für 46 Flüchtlingen frei, erklärt Bonauer-Morel, die auch den Transport der Flüchtlinge organisiert. Kommenden Montag, erzählt sie, sollen weitere Flüchtlinge nach Dachau gebracht werden. Doch für den Transport braucht sie noch vier Busfahrer. Freiwillige können sich übers Wochenende unter der Nummer 0170/ 8998158 bei Bonauer-Morel melden.

Auf die Flüchtlinge sei man laut Landratsamt gut vorbereitet. „Aktuell haben wir von 218 Personen ein Unterkunftsangebot erhalten mit insgesamt bis zu 560 Plätzen“, teilt Sina Török mit. Zudem werden in Vierkirchen und Erdweg Asylunterkünfte vorbereitet (wir berichteten). Török bittet alle Personen, die aus der Ukraine kommen, sich sich als Selbstmelder unter www.landratsamt-dachau.de/Selbstmeldung-Ukraine zu registrieren. So könnten Hilfsangebote einfacher koordiniert werden.

„Kaufen sie keine Jod-Tabletten!“

Dachau – Seit einigen Tagen bemerken die Apotheken im Landkreis Dachau eine sprunghaft angestiegene Nachfrage nach Jod-Tabletten. Hintergrund sind Ängste von Bürgern vor radioaktiver Strahlung aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Doch der Katastrophenschutz des Landratsamtes gibt Entwarnung.

Spätestens seit Wladimir Putin am vergangenen Sonntag befohlen hat, die Abschreckungswaffen der Atommacht Russland in besondere Alarmbereitschaft zu versetzen, sorgen sich einige vor einer nuklearen Katastrophe –oder gar einem Atomkrieg. Zudem fürchten manche, während der Kämpfe könnten Atomkraftwerke oder -lager getroffen werden und damit radioaktiv strahlendes Material freigesetzt werden.

Das Gesundheitsamt bestätigt, dass bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod austreten kann und dieses dann durch Einatmen vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse gespeichert wird. Damit steigt die Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Durch die Einnahme von Jod-Tabletten kann das Einlagern von radioaktivem Jod in der Schilddrüse verhindert werden. Bei rechtzeitiger Einnahme der Medikamente wäre die Schilddrüse bereits mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, bevor radioaktives Jod aufgenommen werden kann. Man spricht hier von der sogenannten „Jodblockade“.

Der Katastrophenschutz gibt aber Entwarnung: Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt ist dies aktuell nicht nötig. Zum einen muss die „Jodblockade“ zum richtigen Zeitpunkt gesetzt werden. Die in den Apotheken verfügbaren Jod-Tabletten reichen außerdem von der Konzentration her bei Weitem nicht aus, eine wirksame „Jodblockade“ zu errichten. „Man müsste schon mehrere Hundert Tabletten schlucken, damit ausreichend Jod in der Schilddrüse eingelagert wird“, erläutert Apothekensprecher Max Lernbecher. Die oben genannte Wirkung haben lediglich hoch dosierte Kaliumiodid-Tabletten, die nicht im normalen Handel erhältlich sind. Nur diese sättigen die Schilddrüse mit nicht-radioaktivem Jod. Sie dürfen nicht mit den Jod-Tabletten verwechselt werden, die zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten vom Arzt verschrieben werden.

„Durch den unnötigen Kauf der Jod-Tabletten kommt es bei Personen mit einer Schilddrüsenerkrankung bereits zu ersten Versorgungsengpässen,“ teilt Apothekensprecher Max Lernbecher mit. „Wir appellieren daher an alle Bürger, nicht durch sinnlose Käufe wichtige Therapiemaßnahmen zu erschweren.“

Von einer selbstständigen Einnahme der Tabletten wird dringend abgeraten. „Eine Selbstmedikation birgt erhebliche gesundheitliche Risiken und hat aktuell keinerlei Nutzen“, bestätigen die Leiterin des Gesundheitsamts Dr. Monika Baumgartner-Schneider sowie der Dachauer Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel.

Der Bund hat mehrere Millionen Dosen an hoch dosierten Jod-Tabletten eingelagert, welche im Notfall an die Bevölkerung in den betroffenen Regionen verteilt werden. Eine private Vorsorge ist somit weder sinnvoll möglich noch nötig. Im Ernstfall erhalten Bürger die geeigneten Tabletten von den Behörden oder über die Apotheken. dn

Für Helfer alle Lanskreisbürger, die Menschen aus der Ukraine mit Wohnungsangeboten, Sach- und Geldspenden helfen wollen, bereiten die Bürgermeister des Landkreises gemeinsam mit dem Landratsamt einen einheitlichen Ratgeber vor. Das kündigte der Hebertshauser Bürgermeister Richard Reischl auf seiner Facebookseite an. Eins stünde fest, schreibt er. „Wir alle können helfen!“

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