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Trostloser Anblick: Die jetzige Eisbahn ist so heruntergekommen, dass die Natur sie sich bereits zurückerobert.

Rückblick: Die Entwicklung von 2016 bis heute

Die unendliche Eishallen-Geschichte

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Seit Jahren ist bekannt: Sowohl die Eisfläche, als auch die Georg-Scherer-Halle auf dem ASV-Gelände sind marode, technisch nicht mehr zeitgemäß und energetisch absolut ineffizient. Doch die Politik kann sich nicht auf eine Lösung des Problems einigen.

Juli 2016

Der ESV Dachau Woodpeckers stellt einen Antrag, die städtische Eisfläche für eine inklusive, also behindertengerechte Nutzung zu ertüchtigen. Der Haupt- und Finanzausschuss beauftragt in seiner Sitzung vom 7. Juli die Verwaltung, die Kosten einer Sanierung der Kunsteisbahn zu ermitteln.

Februar 2017

Der ASV Dachau möchte eine neue große Mehrzweckhalle. Sein Konzept: Die Scherer-Halle soll auf die Fläche, auf der heute die ASV-Tennisplätze beheimatet sind. Die ASV-Tennisabteilung zieht dafür auf das Gelände der Tennisfreunde (TF) Dachau auf der anderen Seite der Gröbenrieder Straße und bekommt dort sechs neue Plätze. Die Eislauffläche der Stadt könnte ihren Standort auf dem ASV-Gelände behalten und würde saniert. Das Problem: Für die zusätzlichen Tennisplätze auf dem TF-Gelände müsste eine Streuobstwiese weichen, zudem käme der Wertstoffhof Dachau-Süd der geplanten vergrößerten Tennisanlage gefährlich nahe. Der Haupt- und Finanzausschuss kann sich nicht einigen und vertagt.

Mai 2017

Die CSU macht folgenden Vorschlag: Statt der Scherer-Halle solle doch die Eisfläche in den Süden des ASV-Geländes wandern. So müsste die ASV-Tennisabteilung nicht zu den Tennisfreunden umziehen. Und die Scherer-Halle könnte auf die alte Eisfläche ziehen. In diesem Konzept bereits ausdrücklich vermerkt: Die neue Eisfläche im Süden des ASV-Geländes solle als „Halle“ gebaut werden und „variabel im Sommer für andere Sportarten nutzbar“ sein.

17. Mai 2017

Der Haupt- und Finanzausschuss beauftragt die Verwaltung, welche eigenen oder fremden Grundstücke für eine Eissporthalle in Betracht kommen und eine „überschlägige Kostenschätzung für eine solche Halle“ vorzulegen. In diesem Beschluss ist nun erstmals von einer „Halle“ die Rede.

Juni 2017

Der ASV Dachau verwirft sein ursprüngliches Konzept. Auch der ESV, der bis dahin seine alte Eisfläche nur sanieren wollte, erklärt sich mit einem Neubau einverstanden.

4. Juli 2017

ASV-Geschäftsführer Andreas Wilhelm präsentiert nun ein neues, an den CSU-Vorschlag angelehntes Konzept: Die neue Scherer-Halle kommt auf das Grundstück der Eislauffläche. Und um diese im Süden des ASV-Geländes neu bauen zu können, wäre ein „denkbarer Kompromiss“, dass vier Tennisplätze und ein Stück Bannwald entfernt werden.

19. Juli 2017

Der Haupt- und Finanzausschuss soll eine „Grundsatzentscheidung zum weiteren Vorgehen Kunsteisbahn“ treffen. Im Rahmen einer „Standortprüfung“ geeigneter sonstiger Flächen in städtischer Hand taucht auch erstmals das Grundstück an der Wallbergstraße auf. In der „planungsrechtlichen Beurteilung“ ist vermerkt: „Außenbereich, Bauleitplanung erforderlich, Konfliktbewältigung Immissionsschutz“. Das Votum der Stadträte ist eindeutig: Mit 14:1 Stimmen votieren die Stadträte für das jüngste ASV-Konzept. 2000 Quadratmeter Bannwald und vier Tennisplätze sollen dafür geopfert werden. Geschätzte Kosten für den Eishallenbau: 11,2 Millionen Euro; der Neubau der Eisbahn ohne Halle würde laut Schätzung dagegen nur mit 5,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Gleichzeitig wird eine Reihenfolge festgelegt: Erst wenn die neue Kunsteisbahn im Süden des ASV-Geländes betriebsbereit ist, kann mit Abriss und Neubau der Scherer-Halle begonnen werden.

27. Juli 2017

ASV-Geschäftsführer Andreas Wilhelm fasst in einer E-Mail an den Vereinsrat das Ergebnis der Sitzung als „beste Variante für die Zukunft des Vereins“ zusammen. Nun habe man „den Standort“ und könne „Zug um Zug mit Taten voranschreiten“.

21. November 2017

Nachdem der ESV den Wunsch bekundet hatte, die Trägerschaft für die neue Kunsteisbahn übernehmen zu wollen, wendet sich die ÜB-Fraktion irritiert an die Stadt: Sei das überhaupt möglich? Gemäß dem „Dachauer Modell“ sei es doch nur den beiden Großvereinen möglich, als Träger von Sportanlagen aufzutreten?

5. Januar 2018

Die SPD-Fraktion stellt einen Antrag: Die neue Kunsteisbahn solle unter der Trägerschaft des ESV Dachau an der Wallbergstraße errichtet werden. Wenige Wochen später, im Februar, gibt es eine Pressekonferenz, in dem die VR-Bank Dachau sich bereit erklärt, das ESV-Eishallenprojekt an der Wallbergstraße als Großsponsor zu unterstützen. Es solle laut Bankchef Thomas Höbel ein „Leuchtturmprojekt“ entstehen – für Eisläufer, Parahockey-Spieler und im Sommer für Blindenfußballer. Geschätzte Kosten: 13 Millionen Euro.

23. Februar 2018

Der Haupt- und Finanzausschuss diskutiert den Antrag der SPD. Am Ende stand die Mehrheitsmeinung: Die Idee sei „interessant, aber nicht entscheidungsreif“. Die Fraktionen sollten nun erst einmal ihre Fragenkataloge an die Stadtverwaltung schicken, dann wolle man erneut beraten.

15. Februar 2019

Knapp ein Jahr nach dem jüngsten Beschluss fragt die CSU-Fraktion bei der Stadt nach, was denn nun Stand der Dinge sei? Auf den Fragenkatalog habe man bislang keine Antwort erhalten.

22. Februar 2019

In einem Artikel der Dachauer Nachrichten klagen auch die Verantwortlichen des ESV über den Zeitverzug. Der Verein habe pflichtschuldig alle Fragen des Fragenkatalogs zur Finanzierung einer Eishalle an der Wallbergstraße beantwortet. Auch die Stadt habe ihre Hausaufgaben gemacht. Lediglich der BLSV, dessen Kreisvorsitzender der CSU-Stadtrat Günter Dietz ist, habe so lange gebraucht, um eine Stellungnahme zur Finanzierung und Bezuschussung des Projekts zu fertigen.

13. März 2019

Der Haupt- und Finanzausschuss bekommt das Thema erneut auf die Tagesordnung. Die Sitzung findet wegen des großen öffentlichen Interesses extra im großen Sitzungssaal des Rathauses statt. Die Stimmung ist aufgeheizt. Zuletzt hatte sich auch der Jugendrat klar für den Bau einer Eishalle an der Wallbergstraße ausgesprochen und eine Online-Petition „Rettet den Stadtwald“ ins Leben gerufen. Doch die Bemühungen bleiben erfolglos. Die Stadträte bleiben mehrheitlich bei ihrem Beschluss vom Juli 2017.

2. April 2019

Auch der Bauausschuss mag sich für den SPD-Antrag beziehungsweise das ESV-Konzept nicht mehr erweichen. Der Eishallentraum an der Wallbergstraße ist geplatzt. Als Gründe für die Ablehnung führt die CSU immer wieder an, dass der Bolzplatz an der Wallbergstraße erhalten werden solle und eine neue Eishalle, eingebunden im ASV-Sportgelände, am besten aufgehoben sei. Die Grünen, die die CSU hierbei unterstützen, lehnen die Wallbergstraße wegen der Flächenversiegelung, die für einen Hallenbau nötig wäre, ab. Zudem sei es überhaupt nicht klar, ob der Bau aus immissionsrechtlichen Gründen überhaupt möglich sei. SPD und Bündnis für Dachau heben dagegen den Wert des Bannwalds hervor und die Tatsache, dass der ASV nach dem Eishallenbau keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten mehr für sein Kinderbetreuungsangebot habe.

Juni 2019

Das städtische Bauamt müht sich mit der Umsetzung des Beschlusses. Es wird klar: Die Fläche im Süden des ASV ist eng. Für große Ansprüche dürfte es nicht reichen.

12. Juli 2019

Vertreter nahezu aller Stadtratsfraktionen – außer FW und Grünen – sowie der Stadtverwaltung, der Vereine ESV und ASV besuchen die Eishalle in Burgau bei Augsburg. Diese, so war man sich am Ende einig, solle als „Modell“ für Dachau dienen.

24. Juli 2019

Der Haupt- und Finanzausschuss macht klar: Die Stadt soll eine Eislaufhalle ähnlich der Burgauer Halle bekommen. Das Bauamt macht dagegen auch klar: Der Platz für die gleiche Halle wie in Burgau wird nicht reichen, sofern nicht auf weitere Tennisplätze verzichtet wird. Am Ende werden Rahmenbedingungen für die weitere Planung beschlossen. Zunächst soll aber erst einmal geprüft werden, inwiefern eine Eishalle sich in Fragen der Kosten, Energieeffizienz und Flächenverbrauch von einer überdachten Freieisfläche unterscheidet. Bauamtsleiter Moritz Reinhold reagierte im Stadtrat – für seine Verhältnisse – fast schon ungehalten, denn: „Dass eine Freieisfläche ohne Dach günstiger ist als eine mit Dach, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen.“ Die Prüfung dauert an.

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