Amtsgericht Dachau spricht BMW-Fahrer frei

Unfallopfer will Autofahrer verprügelt - der ergreift die Flucht

  • schließen

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort ist ein Vergehen, dem oft ein simples Tatgeschehen zugrunde liegt. Jemand baut einen Unfall und geht stiften. Der Fall eines 43-jährigen Dachauer BMW-Fahrers ist hingegen kurios.

Dachau – Der Dachauer BMW-Fahrer  hatte vor einem 22-Jährigen, der auf der Gegenfahrbahn plötzlich hinter einem Bus auf die Straße gelaufen war, eine Vollbremsung hinlegen müssen. Das erregte das Unfallopfer derart, dass er den BMW-Fahrer verprügeln wollte. Daraufhin fuhr der 43-Jährige davon. Kurz darauf klingelten Polizisten an seiner Tür – und eröffneten ihm, dass er ab sofort ein Strafverfahren wegen Unfallflucht an der Backe habe.

In der Hauptverhandlung erklärte Rechtsanwältin Regina Rick, dass es bereits fraglich sei, ob ihr Mandant den Fußgänger überhaupt berührt habe. Der 22-Jährige sei eher gestolpert und habe sich anschließend am Auto abgestützt, sagte Rick in Vertretung des Angeklagten. Sicher sei, dass das Unfallopfer bereits mitten auf dem Bürgermeister-Zauner-Ring, wo sich der Zusammenstoß im Juli 2017 ereignet hatte, derart in Rage geraten sei, dass er die Autotür aufgerissen und nach ihrem Mandanten geschlagen habe. Ihr Mandant habe ausweichen können, so die Anwältin weiter. Anschließend hätten beide Männer vereinbart, sich auf dem nahegelegenen Parkplatz des Landratsamtes auszusprechen. Dort angekommen, habe sich der 22-Jährige das T-Shirt vom Leib gerissen und mit nacktem Oberkörper mehrfach zugeschlagen. Jedesmal sei es ihrem Mandanten jedoch gelungen, sich wegzuducken, erklärte Rick. Daraufhin habe sich ihr Mandant in seinen BMW gesetzt und sei nach Hause gefahren.

Der 22-Jährige gab in der Verhandlung an, „voller Adrenalin gepusht“, aber auch „voller Schock“ gewesen zu sein, nachdem ihn das Auto „am Schuh berührt“ habe. Er sei „auf die Schnauze gefallen“ und habe „Prellungen und so“ erlitten. Die Autotür habe er aufgerissen, aber erst auf dem Parkplatz habe er „dem kurz eine runterhauen wollen“. Sein Freund habe die Autonummer des BMW fotografiert und die Polizei verständigt. Ansonsten könne er sich an nichts mehr erinnern. Und überhaupt wolle er von der Angelegenheiten nichts mehr wissen.

„Für meinen Mandanten war es nicht zumutbar, sich verprügeln zu lassen“, sagte Verteidigerin Rick. Daher sei sein Verhalten rechtens gewesen. Das sah auch Richter Lukas Neubeck so. Und weil das Unfallopfer auf „weitere Feststellungen verzichtet“ habe, sprach er den 43-jährigen BMW-Fahrer frei. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

In Odelzhausen wird kräftig gebaut
Odelzhausen wächst und wächst. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich. Vier Bebauungspläne und die Osterweiterung des Gewerbegebiets standen auf der …
In Odelzhausen wird kräftig gebaut
Suchaktion erfolgreich: Vermisste (54) durch Rettungshund gefunden
Am Montag kreiste ein Hubschrauber über Dachau. Der Grund: Seit dem heutigen Vormittag war eine 54-Jährige vermisst worden. Am Abend gab es Entwarnung.
Suchaktion erfolgreich: Vermisste (54) durch Rettungshund gefunden
Unfall mit schwer verletztem Motorradfahrer: Polizei ermittelt wegen Fahrerflucht
Ein Motorradfahrer (54) ist bei einem Unfall am vergangenen Freitag gegen 16.50 Uhr bei Einsbach schwer verletzt worden. Die Polizei sucht nun nach einem beteiligten …
Unfall mit schwer verletztem Motorradfahrer: Polizei ermittelt wegen Fahrerflucht
Schlägerei bei Jugendfußballspiel: Jugendliche im Krankenhaus
Zu ziemlich unschönen Szenen kam es am Freitagabend bei einem Jugendfußballspiel in Sulzemoos. Junge Männer traktierten sich mit Fäusten, es brachen Knochen. Nun …
Schlägerei bei Jugendfußballspiel: Jugendliche im Krankenhaus

Kommentare