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„Unglücklich kommuniziert“

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Von: Stefanie Zipfer

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Dachau – Gut gemeint, schlecht kommuniziert: Die am Dienstag vom Landratsamt verschickte Pressemitteilung zur aktuellen Coronalage im Landkreis enthielt eine Passage, die offensichtlich zur Beruhigung der Bürger beitragen sollte, letztlich aber das Gegenteil bewirkte.

Impfung
Impfungen sind derzeit sehr gefragt © Susanne Huebner/Imago

So hatte das Landratsamt zwar betont, dass es „bei den zur Verfügung stehenden Impfstoffen aktuell keine Ressourcenengpässe gibt“. Dennoch würden sich „entsprechend den aktuellen Empfehlungen“ nun folgende „Kombinationsmöglichkeiten“ ergeben: Wer bei der Erst- und Zweitimpfung den Impfstoff von Biontech bekommen habe, bekomme als Drittimpfung nun den mRNA-Impfstoff von Moderna „empfohlen“. Wer andersrum doppelt geimpft mit Biontech ist, dem „empfiehlt“ das Landratsamt das Vakzin aus dem Hause Moderna. Wer zuerst mit Johnson&Johnson geimpft worden sei, der solle ebenfalls Moderna bekommen.

Bei einigen Bürgern sorgte diese Empfehlung für Verwirrung. Woher stammen diese Empfehlungen? Auf welcher Basis entstanden sie? Bislang habe die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, kurz Stiko, ja gelautet, dass sogenannte Kreuzimpfungen explizit nicht als sinnvoll erachtet werden.

Eine erste Antwort des Landratsamt brachte dazu wenig Erhellung. „Lokale ärztliche Berater“ hätten den Verantwortlichen im Landratsamt diese „Variante“ empfohlen, nachdem „am Wochenende eine mögliche Verknappung des Impfstoffs Biontech bekannt“ geworden war.

Tatsächlich hatte der noch geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn mit seiner Ankündigung, die Arztpraxen mit weniger Biontech-Impfstoff zu versorgen, für Aufregung gesorgt. Nach einem Aufschrei der Ärztevertreter, eine Rationierung des beliebtesten Coronaimpfstoffs würde die Impfbereitschaft der Deutschen nicht unbedingt erhöhen, ruderte Spahn aber schnell zurück. Da aber war der Kreuzimpfungsplan, den die Dachauer Verantwortlichen im direkten Nachgang auf Spahns Ankündigung ausgeheckt hatten, schon in der Welt.

„Das war natürlich unglücklich kommuniziert, da sind wir am Ziel vorbei geschossen“, gab Landratsamtssprecherin Sina Török daher gestern auf eine zweite Nachfrage hin zu. Die Idee sei schlicht gewesen, den Menschen zu zeigen: „Egal, was passiert: Bei uns bekommt jeder einen Termin, jeder bekommt seine Impfung.“

Da es nun gar nicht zum Fall der Fälle, also einer Rationierung des Biontech-Impfstoffs, gekommen sei, ist auch die am Dienstag empfohlene Kreuzimpfungsvariante obsolet. Grundsätzlich, so Török, dürften also weiterhin die zu impfenden Personen sowie deren Ärzte selbst entscheiden, welchen Impfstoff sie verwenden wollen. Dieser Entscheidung zugrunde liegen solle die Entscheidung der Stiko, wonach am besten mit dem Impfstoff aufgefrischt wird, der bereits verwendet wurde.

Ob die Verunsicherung, die das Landratsamt ausgelöst hatte, damit wieder eingefangen ist, bleibt zu hoffen. Ein Leser der Dachauer Nachrichten jedenfalls findet: „In der jetzigen Zeit, wo es wichtig ist, Vertrauen aufzubauen und auch noch die letzten 20 bis 30 Prozent Ungeimpfte abzuholen, scheint mir dieses Verhalten doch etwas fahrlässig.“

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