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Familie Görg aus Dachau fährt heuer nach Berlin, Swinemünde und Rügen.

Reiselust hält sich in Grenzen

Dachau entdeckt den Osten

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Jeder dritte Bayer will laut einer Umfrage nicht verreisen und den Urlaub daheim verbringen. Die Landkreisbürger sind da keine Ausnahme, ihre Reiseunlust macht sich in den Reisebüros bemerkbar.

Landkreis – In den Reisebüros im Landkreis Dachau waren die Angestellten jetzt wochenlang einzig damit beschäftigt, längst gebuchte Urlaube zu stornieren. Nun gibt es wieder Anfragen und Buchungen, aber definitiv alles andere als einen Ansturm auf Urlaubsreisen.

Ja, einige Kunden möchten wieder gerne raus und verreisen, doch andere blieben zurückhaltend, sagt Julia Zotz, stellvertretende Leiterin des Sparkassen-Reisebüros. Und was Flugreisen angeht, „buchen die Kunden deutlich mehr Griechenland als andere Länder“. Vor allem aber Ferienhäuser und -wohnungen seien gefragt, gerade bei Familien. „Weil viele lieber mit dem Auto fahren, um flexibel zu sein.“ Falls sich die Lage am Urlaubsort oder daheim kurzfristig ändert, möchte man rasch wieder zurückkehren können. Noch ohne Bedeutung seien Fernreisen, erklärt Zotz. Denn nach wie vor gelten für die meisten außereuropäischen Länder Reisewarnungen, „da ist die Situation einfach zu unklar“.   

Zurückhaltung erlebt auch Anna Simperl, die das Reisebüro unter dem Dach der Reisewelt Simperl leitet. Wenn Flugreise, so Simperl, dann auf jeden Fall eine kleine, überschaubare Unterkunft, „für große Hotelanlagen gibt es null Interesse“. Viel Verständnis für Kunden, die sich gerade als Familie eine klassische Pauschalreise jetzt zweimal überlegen, hat Isabella Morina vom Dachauer Reisebüro „Holiday Land – Alpha Reisen“. Denn: „Die Preise sind ziemlich hoch, die Bedingungen ändern sich ständig, Flüge werden kurzfristig verlegt oder Hotels storniert.“ Auch die Vorstellung, im sonnigen Süden dann vielleicht mit Mund-Nasenschutz herumzulaufen, schrecke ab.

Zur Sorge, ob der Urlaub auch wirklich zu einem schönen Erlebnis wird, kämen die Bedenken, dass die Rückkehr vielleicht nicht ohne Komplikationen ablaufen könnte. „Denn die Infektionszahlen nehmen zum Teil jetzt wieder zu in einigen Zielgebieten wie Kroatien.“ Genau deshalb steuern viele ein Reiseziel im eigenen Fahrzeug an. „Die Leute fahren mit dem Wohnmobil los, den Stellplatz buchen sie natürlich direkt“, weiß Morina.

Ein Trend, den Daniela Metzner vom ADAC-Reisebüro nur bestätigen kann. Angefragt und gebucht werde alles, was mit dem eigenen Auto erreichbar ist. „Fährverbindungen, gerade auch nach Griechenland, sind der Renner, und Vignetten verkaufen wir am laufenden Band.“ In Italien steuern die Dachauer den Gardasee oder die Adria an, weiß Metzner. Für Regionen in Süditalien ist eine elektronische Registrierung Pflicht, der Aufwand schreckt offenbar ab.

Auch Ziele in Deutschland gewinnen nun plötzlich an Aufmerksamkeit. „Die neuen Bundesländer laufen sehr gut“, sagt Daniela Metzner. Regionen, die bisher alles andere als im Fokus standen. „Die werden jetzt entdeckt, und es gibt dort wirklich schöne Ecken.“

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