Für ihn ist jeden Tag Valentinstag: Robert Gasteiger ist glücklich verliebt. Foto: kn

Valentinstags-Interview mit Robert Gasteiger

„Männer, traut’s Euch!“

  • schließen

Robert Gasteiger kennt sich aus mit Brauchtum, Volksfestorganisation, Lokalpolitik, Zithermusik und Bankwesen. In der Liebe allerdings hatte der 48-Jährige bislang kein glückliches Händchen. Bis letzten Sommer! Im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählt der Dachauer von seinem neuen Leben zu zweit, alten Bräuchen und warum es für bayerische Mannsbilder so schwierig ist, die passende Partnerin zu finden.

-Herr Gasteiger, der Valentinstag gilt ja als amerikanische Erfindung. Gab es im bayerischen Brauchtum auch einen Tag oder ein Fest für die Liebe?

Robert Gasteiger: Ich glaube nicht, dass es einen ähnlichen Tag gegeben hat. Allerdings hatte die Liebe, gerade in den Volksliedern, durchaus ihren Platz. Sogar Ludwig Thoma war romantisch veranlagt. Einer seiner Lieblingsverse zum Beispiel war: „D’Haselnuss wenn zeitig, und’s Dirndl geht vom Buam ned, des gfreit mi.“ Auf der anderen Seite wurde die Liebe auch viel pragmatischer gesehen als heute: Da ging es um den Fortbestand des Hofes.   

-Seit Jahrhunderten beliebt als Partnerschaftsbörse sind ja die Volksfeste.

Das stimmt! Grade früher, da gab es ja nicht so viele Möglichkeiten, dass man mal rauskam von seinem Hof oder seinem Dorf. Und bei den kirchlichen Festen konnte man nicht so ungezwungen feiern. Aber am Biertisch, wenn man so gmiatlich zamsitzt, da haben sich schon Millionen kennengelernt.

-Aber so richtig Platz für Romantik bieten Bierzelte ja eher auch nicht, oder?

Die Zelte nicht. Aber ein Lebkuchenherzl ist doch ein Sinnbild der Liebe. Auch das Riesenrad find ich romantisch. Ich hab das selber letzten Sommer ausprobiert (lächelt)...

-Das wollen wir jetzt bitte genauer wissen!

Ich habe meine Freundin im Festzelt kennengelernt. Sie hat bedient, und da hab ich eine andere Bedienung gefragt, ob die einen Freund hat. Die Kollegin hat dann ziemlich Werbung für mich gemacht, hat gesagt: ’Der war doch was für di!’ Naja, dann hamma uns a bissl zamghockt und uns gleich super verstanden. Nach dem Volksfest haben wir uns dann richtig kennengelernt – und es passt einfach.

-Es ist aber für eine Frau mit Sicherheit nicht einfach, mit einem viel beschäftigten Mann wie Ihnen zusammen zu sein?

Das ist ja das Tolle an meiner Freundin! Sie ist auch Gemeinderätin in ihrem Wohnort im Landkreis Freising, sie macht auch viel ehrenamtlich, und in ihrer Freizeit bedient sie aufm Volksfest. Das möchst wirklich nicht glauben, was es für Zufälle gibt!

-Glauben Sie, dass Beziehungen besser funktionieren, wenn die Partner die exakt gleichen Hobbies haben?

Ich find gemeinsame Interessen nicht schlecht. Meine Freundin zum Beispiel geht gern mit mir mit und sie hat Verständnis, wenn ich mal nicht zuhause sein kann.

-Für den Valentinstag heute haben Sie aber schon Zeit?

Mir persönlich bedeutet der Tag nicht viel. Für mich ist das ganze Jahr über Valentinstag...

-Das klingt, als sei die Sache ernst. Haben Sie schon Pläne für die Zukunft? Ich denke da ganz konkret an das Thema Hochzeit ...

Naja, jetzt mal langsam. Wir sind ja noch nicht mal zusammengezogen. Aber ich wüsste schon, wie meine Hochzeit aussehen könnte: Am Volksfest, nach dem Einzug. Standesbeamter wäre der Mederer Sepp, der war nämlich dabei, als ich meine Freundin kennengelernt habe. Und für alle Besucher gäb’s Freibier. Das werd’ die Jahrhundert-Hochzeit von Dachau!

-Bei 5000 Leuten, die in so ein Bierzelt passen, wird es vor allem eine teure Hochzeit!

Wieso, das muss doch der Brautvater zahlen (lacht)?!

-Haben Sie Tipps für Menschen, die nicht so glücklich sind wie Sie?

Frauen haben sich früher an den Heiligen Antonius gewandt, da gab’s zum Beispiel das Satzl: Oh Heiliger Antonius von Padua, schick ma an Mo aus Mantua. Der wo ned zvui frisst und sauft und ned zu fremde Menscha lauft!

-Und wie könnten Männer dem Glück auf die Sprünge helfen?

Das Problem ist, dass der bayerische Mann a bissl schüchtern ist. Drum sag ich: Traut’s Euch! Es ist gar nicht schlimm, eine Frau anzusprechen. Und am Ende rentiert sich’s. Wenn man jemanden hat zum Festhalten, zum Reden, beim Aufwachen – das ist schon sehr wünschenswert.

Interview: Stefanie Zipfer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Besucher-Ansturm auf das Volksfest
Das Dachauer Volksfest verzeichnet in diesem Jahr einen Besucherrekord. Rund 350 000 Menschen kamen auf die Thomawiese. Zeitweise mussten Zelte wegen Überfüllung …
Besucher-Ansturm auf das Volksfest
Frolic-Suche, Bällebad und Rollentausch
Wer ist der Schönste, und wer der Schnellste? Darum ging es wieder einen ganzen Tag lang auf dem Gelände der Hundefreunde Dachau. Der Verein veranstaltete gemeinsam mit …
Frolic-Suche, Bällebad und Rollentausch
Knabenkapelle Dachau hat Besuch aus Leognan
Bandà Léo aus dem französischen Leognan hat die Dachauer verzaubert. Und die Partnerband der Knabenkapelle war selbst tief bewegt von der Gastfreundschaft.
Knabenkapelle Dachau hat Besuch aus Leognan
Band „Skandal“ löst sich auf
Andal Laubert sagt, er habe es schon am eigenen Leib erfahren müssen, wie schmerzhaft es sei, krank und dann ersetzt zu werden. Dem Bassisten seiner Band „Skandal“ …
Band „Skandal“ löst sich auf

Kommentare