Kennt die Probleme vieler Rentner: Stefanie Otterbein.

Interview mit VdK-Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein

„Die Situation der sinkenden Renten ist nicht erst seit gestern bekannt“

Es gibt immer mehr Senioren, die armutsgefährdet sind. Im Interview erklärt VdK-Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein, wo sie Hilfe erhalten können.

Dachau – Im Jahr 2015 waren im Landkreis insgesamt 1406 Rentner auf Bezüge neben der Rente angewiesen, 588 erhielten die sogenannte Grundsicherung im Alter. Bayernweit sind 450 000 Menschen über 65 Jahre armutsgefährdet, wie auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion bekannt wurde. Besonders bedenklich ist demnach die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Das bestätigt VdK-Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein. Im Interview erklärt sie, wo Senioren Hilfe erhalten können.

-Ist 60 Prozent des Durchschnittseinkommens als Armutsgrenze überhaupt realistisch?

Wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss, ist nicht automatisch arm. In die Statistik fallen auch Studierende und Auszubildende, die in der Regel kein hohes Einkommen haben. Deswegen sind diese nicht unbedingt von Armut betroffen. Unter Umständen kann es sinnvoller sein, Armut an den Dingen festzulegen, die ein Mensch braucht, um nicht mehr als arm zu gelten. Nicht zwingend können sich Menschen mit dem gleichen Einkommen auch das gleiche leisten. Ein Einwohner in München erhält vielleicht ein höheres Einkommen als jemand, der im Erfurter Umland lebt, muss aber auch mehr für seinen Lebensunterhalt zahlen.

-Wofür müssen Rentnter im Landkreis am meisten Geld ausgeben?

Wohnraum, Lebensmittel, die eine altersgerechte Ernährung gewährleisten, Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sowie Fahrtkosten.

-Welche Hilfen nehmen Senioren an?

Senioren wenden sich oft an Beratungsstellen, wie den VdK oder die Caritas. Auch Pflegedienste oder unsere Wohnberatung erhalten oft Einblick in schwierige Lebensverhältnisse. Hier kann dann der konkrete Kontakt zu Anlauf- und Beratungsstellen geknüpft werden. Auch kostengünstige oder kostenlose Freizeitangebote, wie die Seniorennachmittage unserer VdK-Ortsverbände, werden gerne genutzt. Da muss man nicht zwingend zugegeben, dass man sich die Tasse Kaffee vielleicht nicht mehr leisten kann.

-Was kann man dagegen tun, dass sich Senioren für Hilfsleistungen nicht schämen?

Öffentlichkeitsarbeit ist hier sicherlich nie falsch. Aber konkrete Hilfestellung gibt meist nur der persönliche Kontakt zu den Betroffenen über Beratungsstellen. Hier haben die Berater oft ein vertrauensvolles Verhältnis geschaffen, in dem sich dann auch die Scham vor dem Sozialhilfeantrag bekämpfen lässt.

-Seit wann ist bekannt, dass die Renten nicht mehr reichen?

Die Sozialgesetzgebung arbeitet bereits seit vielen Jahren darauf hin, dass unser gesetzliches Sozialversicherungssystem ausgehöhlt wird. Die Situation der sinkenden Renten ist daher nicht erst seit gestern bekannt.

Interview: Eva-Maria Dillitz

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