Mann mit verschränkten Armen
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Max Heibl hat ein veganes Modelabel gegründet.  

INTERVIEW - Max Heibl über sein veganes Modelabel Ges Nature

„Vegan ist kein Trend, es ist die Zukunft“

„Vegan – cool – nachhaltig“: So lautet das Motto des Modelabels Ges Nature. Was hat es mit der Kleidungsmarke auf sich? Die Dachauer Max Heibl (27) verrät es.

Wo kommen Sie her?

Max Heibll: Aufgewachsen bin ich in Oberroth und Schwabhausen. Seit drei Jahren wohne ich in Dachau.

Wie kommt man dazu, ein veganes Modelabel zu gründen?

Das war ein schleichender Prozess. Angefangen hat das vor zweieinhalb Jahre mit meiner Umstellung auf vegane Ernährung. Mitte 2020 habe ich mich dann auch intensiv mit der Frage beschäftigt, wie unsere Klamotten hergestellt werden.

Nämlich?

Unter menschenunwürdigen Bedingungen, die nicht nur unsere Umwelt verschmutzen, sondern auch gesundheitsschädliche Auswirkungen auf uns haben. Das konnte ich mit meinen eigenen Werten nicht vertreten. Für mich stand daher fest, dass ich das nicht länger unterstützen will und vegane Kleidung tragen möchte. Ich verurteile aber niemanden, der nicht vegan lebt.

Auf dem Kleidungsmarkt gibt es bereits vegane Modelabel. Wieso also der Wunsch, eine eigene Marke zu gründen?

Bei den wenigen Labels, die es bisher gibt, habe ich nichts gefunden, was ich selber gerne tragen würde, deswegen dachte ich mir, dann mach ich’s einfach selber.

Wann haben Sie Ges Nature schließlich gegründet?

Das war im November vergangenen Jahres. Seitdem baue ich das Geschäft Stück für Stück auf.

Hatten Sie bereits berufliche Erfahrungen in der Modebranche?

Nein eigentlich gar nicht. Ich habe eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit gemacht. Vor zwei Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht. Neben dem Modelabel bin ich noch als Personal-Trainer tätig.

Sind Sie ein Ein-Mann-Betrieb?

Zum größten Teil ja. In manchen Bereichen bekomme ich natürlich Unterstützung. Zum Beispiel beim Design der Kleidung und der Homepage, da helfen mir Bekannte.

Was bedeutet Veganismus?

Veganismus ist eine bewusste Lebensweise, bei der Tierwohl und Naturschutz im Vordergrund stehen. Vegan lebende Menschen vermeiden daher die sämtliche Nutzung von Tieren für menschliche Zwecke. Also auch den Besuch von Zoos und Zirkussen. Vegan lebende Personen verzichten nicht nur auf Fisch und Fleisch, sondern auf alle Produkte, die einen tierischen Ursprung haben. Darunter fallen nicht nur bestimmte Lebensmittel wie Eier und Milcherzeugnisse, sondern auch Kosmetikprodukte, Kleidung und Schuhe.

Vegane Mode zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf tierische Materialien wie Pelz, Leder, Daunen und Wolle verzichtet. Meist sind damit auch faire Bezahlung und umweltschonende Produktion verbunden.

Der Veganismus ist aus dem Vegetarismus entstanden. Anders als der Veganismus lehnt der Vegetarismus ausschließlich den Verzehr von Fleisch und Fisch ab. Die Anzahl der vegan lebenden Menschen lag laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse zufolge vergangenes Jahr in Deutschland bei 1,13 Millionen, die Anzahl der Vegetarier bei 6,5 Millionen. vm

Was bedeutet eigentlich der Name Ges Nature?

Die Abkürzung „Ges“ steht für gesund. Mir ist es wichtig, dass wir durch unseren Konsum eine gesunde Natur hinterlassen. Gleichzeitig stellen wir unsere Waren aus einer gesunden Natur her, weil wir darauf achten, nachhaltige und recycelte Rohstoffe zu verwenden.

Was zeichnet Ges Nature aus?

Bei der Kleidung von Ges Nature steht Qualität im Vordergrund. Wir verwenden Bio-Baumwolle. Daher ist unsere Mode frei von Chemie. Wir verzichten auf tierische Materialien und auf Tierversuche. Die Produktion und der Vertrieb unserer Kleidung sind daher ressourcenschonend. Wir haben kein großes Sortiment. Das liegt daran, dass ich keine Rohstoffe verschwenden will. Auch setze ich mich für faire Bezahlungen und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen ein. Von jeder Bestellung wird ein Euro der Neven-Subotic-Stiftung gestiftet.

Was ist das für eine Organisation, und warum spenden Sie ausgerechnet an diese Stiftung?

Die Stiftung setzt sich für sauberes Trinkwasser und den Bau von Sanitäranlagen ein. Ich bin vor zwei Jahren darauf gestoßen. Für mich war vor allem entscheidend, wie der Gründer der Stiftung tickt. Der Mensch dahinter ist ein ehemaliger Profi-Fußballspieler, der selbst sehr minimalistisch lebt. Ich lege großen Wert auf Authentizität und Transparenz. Mit der Organisation stehe ich in engem Austausch.

Sind sie zufrieden mit dem bisherigen Geschäft?

Ja, wir haben tagtägliche Arbeit. Es gibt immer etwas zu tun.

Denken Sie, das wachsende Interesse der Bevölkerung für einen veganen Lebensstil könnte irgendwann wieder vorübergehen?

Nein, das glaube ich nicht. Vegan zu sein bedeutet, die Verbundenheit zur Natur wiederzufinden. Vegan ist kein Trend, es ist die Zukunft.
Interview: Verena Möckl

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